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Schwächelnde Konjunktur Die Währungshüter im Visier

04.08.2008 ·  Die Notenbanken stecken im Dilemma: Die Konjunktur schwächelt, die Preise steigen schneller. Am Dienstag beraten die amerikanischen Währungshüter über ihren Kurs, am Donnerstag die europäischen Zentralbanker. Welche Antwort gibt die Geldpolitik?

Von Claus Tigges, Washington
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Es wird die Woche der Notenbanken: Zunächst beraten am Dienstag die amerikanischen Währungshüter unter Führung Ben Bernankes über den geldpolitischen Kurs. Zwei Tage später kommen dann im Frankfurter Euro-Tower die Zentralbanker um Jean-Claude Trichet und in London die um Mervyn King zusammen, um über das Zinsniveau im Euro-Raum und im Vereinigten Königreich zu diskutieren. Eine Veränderung der Leitzinsen steht zwar weder dies- noch jenseits des Atlantiks bevor; doch die Akteure an den Finanzmärkten sind gespannt darauf zu erfahren, welchen geldpolitischen Reim sich die führenden Notenbanken auf ein zunehmend schwieriges wirtschaftliches Umfeld machen.

Denn sowohl die amerikanische Federal Reserve (Fed) als auch die Europäische Zentralbank (EZB) und die Bank von England haben es mit einer schwachen oder abflauenden Konjunktur auf der einen und einem verhältnismäßig hohen Preisdruck auf der anderen Seite zu tun. Die Verbraucherpreise klettern in Amerika, dem Euro-Raum und auf der Insel mit einer Jahresrate von um die 4 Prozent, weitaus schneller als erwünscht und als mit dem Ziel der Preisstabilität vereinbar. Die EZB hat vor einigen Wochen bereits reagiert und den Leitzins im Euro-Raum angehoben.

Leitzinserhöhung möglich

Die Fed hat zuletzt ihre Risikoeinschätzung geändert und die Marktakteure auf eine mögliche Anhebung des Zielzinssatzes für Tagesgeld im Herbst vorbereitet. Auch der geldpolitische Rat der britischen Zentralbank hat auf seiner vergangenen Sitzung ernsthaft über eine Leitzinserhöhung beraten. Am Ende der Woche hoffen die Marktteilnehmer ein gutes Stück klüger zu sein und den geldpolitischen Kurs der kommenden Wochen und Monate besser abschätzen zu können.

Mit einigem Wohlwollen dürften die Notenbanker verfolgen, dass sich die Preise für zahlreiche Rohstoffe, vor allem der Ölpreis, von ihren Höchstniveaus Mitte Juli ein gutes Stück entfernt haben. Sollte diese Entwicklung Bestand haben oder die Preise sogar noch weiter fallen, dann wäre das für die Preisstabilität tendenziell eine gute Nachricht. Für ein Fass zu 159 Liter werden an der Warenterminbörse in New York rund 125 Dollar geboten, rund 23 Dollar weniger als noch vor wenigen Wochen.

General Motors schockiert mit Rekordverlust

An den Börsen ist die Erleichterung über den niedrigeren Ölpreis zu spüren. Der Dow Jones, der Deutsche Aktienindex und andere Börsenbarometer rund um die Welt haben sich seit Mitte Juli etwas erholt. Wenn die Freude in den Handelssälen dennoch gedämpft bleibt, so liegt das vor allem an den vermuteten Ursachen für den Rückgang des Ölpreises: eine nachlassende Nachfrage aufgrund einer schwächer werdenden Weltkonjunktur. Die amerikanische Wirtschaft ist zwar bisher nicht in eine Rezession geglitten, aber sie dümpelt mehr oder weniger vor sich hin, und die Aussichten sind alles andere als rosig. Im Euro-Raum zeichnet sich nun ebenfalls eine deutliche Abkühlung der Konjunktur ab, hier und da wird sogar ebenfalls von einer drohenden Rezession geredet.

Auf die Stimmung schlagen den Marktakteuren immer wieder auch überraschend hohe Gewinnrückgänge prominenter Unternehmen: Automobilhersteller BMW kann sich von der lahmenden Konjunktur auf dem nordamerikanischen Markt nicht frei machen und hat nun, wie zuvor schon Konkurrent Daimler, seine ursprüngliche Jahresprognose zu Makulatur erklärt. General Motors (GM) schockierte die Anleger gar mit der Meldung über einen Verlust in Rekordhöhe von 15,5 Milliarden Dollar für die zweiten drei Monate des Geschäftsjahres. Die großen amerikanischen Hersteller bereiten den Investoren ohnehin schon seit geraumer Zeit große Sorgen. Chrysler, Ford und General Motors suchen händeringend nach Wegen, ihr Geschäft wieder profitabler zu machen.

Die Hiobsbotschaften nehmen kein Ende

Die Börsianer haben offenkundig wenig Hoffnung auf eine schnelle Wende zum Besseren: Die Aktie von General Motors ist derzeit für etwas mehr als 10 Dollar zu haben, gut 30 Dollar weniger als noch im vergangenen Herbst. Die Anteilsscheine von Ford wechseln derzeit für rund 4,65 Dollar den Besitzer, ungefähr halb so viel wie noch im Frühjahr. Auch in der Finanzbranche ist längst noch nicht alles ausgestanden, die Hiobsbotschaften nehmen kein Ende.

Bei der Deutschen Bank, die lange Zeit die Krise um zweitrangige amerikanische Hypothekendarlehen nahezu unbeschadet zu überstehen schien, sind im abgelaufenen Quartal Wertberichtigungen von rund 2,3 Milliarden Dollar notwendig geworden. Und die Investmentbank Merrill Lynch hofft inständig, durch den Verkauf eines Teils der zweitklassigen Hypothekenanleihen an die Beteiligungsgesellschaft Lone Star für 6,7 Milliarden Dollar einen Schlussstrich unter die Krise zu ziehen. Ende Juni hatte Merrill diese Papiere noch mit 11,1 Milliarden Dollar bewertet.

Leerverkäufe drücken Aktienkurse

Die Federal Reserve und auch die amerikanische Börsenaufsicht, die Securities and Exchange Commission (SEC), sehen dem nervösen Treiben nicht tatenlos zu: Die Fed wird jene Kreditfazilitäten, die sie in den vergangenen Monaten neu geschaffen hat, um Geschäfts- und Investmentbanken und andere Marktakteure mit zusätzlicher Liquidität zu versorgen, mindestens noch bis Ende Januar 2009 aufrechterhalten. Darüber hinaus hat die Fed ihre Swap-Vereinbarung mit der EZB von 50 auf 55 Milliarden Dollar erhöht, um Banken im Euro-Raum mit mehr Dollar-Liquidität versorgen zu können. Und die SEC hat bis zum 12. August die Beschränkungen für Leerverkäufe von 19 Finanzaktien verlängert.

Die Börsenwächter vermuten, dass Leerverkäufe eine entscheidende Rolle für das schlechte Abschneiden der Aktien gespielt haben. Bei einem Leerverkauf werden geliehene Aktien auf Termin verkauft in der Erwartung, dass der Kassakurs weiter fallen wird und sich die Aktien später günstiger erwerben lassen. Die neuen Regeln knüpfen den Leerverkauf an strengere Voraussetzungen zur Ausleihe der Aktien. Der Vorsitzende der SEC, Christopher Cox, hat zwar eine Verlängerung der Beschränkungen über den 12. August ausgeschlossen; gleichwohl prüft die Behörde, ob nicht auf Dauer für sämtliche amerikanischen Aktien Leerverkäufe eingeschränkt werden sollen.

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