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Schuldenkrise in Südeuropa Unsicherheit an den Aktienmärkten wächst

06.02.2010 ·  Die Sorge um die Finanzlage der südeuropäischen Länder überlagert die überraschend guten Nachrichten aus Unternehmen und Wirtschaft. Das erwischt viele Anleger auf dem falschen Fuß - mit einer so schnellen Talfahrt hatten sie nicht gerechnet.

Von Bettina Schulz und Daniel Mohr
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An den Aktienmärkten haben die Kurse am Freitag abermals überwiegend nachgegeben. Der Dax verlor bis zum Mittag knapp 2 Prozent und markierte mit 5433 Punkten den tiefsten Stand seit November. Erst nach den Daten vom amerikanischen Arbeitsmarkt erholten sich die Kurse wieder etwas. Die Arbeitslosenquote war im Januar überraschend von 10 auf 9,7 Prozent gesunken und die Zahl der Beschäftigten im produzierenden Gewerbe erstmals seit November 2007 wieder leicht gestiegen.

Auch der Euro verlor zunächst weiter an Wert und kostete mit nurmehr 1,3648 Dollar so wenig wie seit Mai 2009 nicht mehr. Die Unsicherheit der Marktteilnehmer - gemessen am Volatilitätsindex V-Dax New - stieg binnen zwei Wochen um mittlerweile fast 50 Prozent, bleibt damit aber noch weit unter seinen Werten kurz nach der Insolvenz von Lehman Brothers (siehe Grafik). Statt Aktien waren vor allem die Anleihen solider Staatsschuldner gesucht. Die Rendite von Bundesanleihen mit zwei Jahren Laufzeit fiel auf ein Rekordtief von 0,98 Prozent.

Jetzige Korrektur nur Auftakt für scharfe Abwärtsbewegung

Der Grund für die gestiegene Nervosität an den Märkten sind die Sorgen um die finanzielle Lage in Spanien, Griechenland und Portugal. „Die Märkte sind gerade dabei, das Risiko eines Zahlungsausfalls von Staatsanleihen neu zu bewerten“, sagt Steffen Neumann, Aktienstratege der Landesbank Baden-Württemberg: „Die Marktteilnehmer ziehen dabei in ihr Kalkül, dass eine Schuldenkrise auch die Finanzierung von Unternehmen am Kapitalmarkt verteuern würde.“ Diese höheren Finanzierungskosten würden die Unternehmensgewinne schmälern und das belaste dann natürlich auch die Aktienmärkte. „Am Aktienmarkt stehen momentan diese Probleme im Vordergrund“, sagt Neumann: „Das ist eine asymmetrische Wahrnehmung.“ Schließlich fielen die meisten Unternehmensberichte und auch die Konjunkturdaten gut aus. Er sieht den Dax im Jahresverlauf in einer volatilen Seitwärtsbewegung um 6000 Punkte. Das weitere Potential nach unten sei bei der derzeitiger Faktenlage begrenzt.

Tammo Greetfeld, Aktienstratege der Unicredit, vertritt dagegen die Auffassung, dass die Sorgen um die Finanzlage einiger Euro-Länder und insbesondere Griechenlands die Aktienmärkte noch über einen sehr langen Zeitraum belasten könnten. „Der Reformprozess der in den Ländern angestoßen werden muss, ist schließlich ein langfristiger und es ist sehr schwer zu kalkulieren, wie schnell und auf welche Weise dieser Reformprozess vonstatten geht“, sagt Greetfeld: „Die Fakten können sich praktisch täglich ändern. Deswegen ist die Unsicherheit momentan auch so hoch.“ Erschwerend komme hinzu, dass die Sparmaßnahmen der Regierungen in Europa auch das Wachstum der Volkswirtschaften tangiere und auf diesem Weg auch die Unternehmensgewinne und damit die Aktienkurse belasten könne. Der bereits seit Herbst des vergangenen Jahres sehr skeptische technische Analyst der BHF-Bank, Klaus Deppermann, glaubt, dass die jetzige Korrektur ohnehin nur der Auftakt zu einer scharfen Abwärtsbewegung sei, die - unterbrochen von Zwischenerholungen - den Dax bis zum Frühsommer 2010 nochmals um bis zu 1000 Punkte sinken lassen werde.

Straffe Fiskalpolitik könnte Konjunktur im Keim ersticken

Ein Großteil der Fondsmanager ist von der jüngsten Korrektur an den Aktienmärkten auf dem falschen Fuß erwischt worden. Die meisten Fondsmanager hatten zu Jahresbeginn nicht damit gerechnet, dass die Aktienmärkte so schnell auf Talfahrt gehen würden. Eine Korrektur war nach der strammen Aufwärtsbewegung von März 2009 bis zu Jahreswende zwar erwartet worden. Aber die Aussicht auf eine nachhaltige Konjunkturerholung und eine überraschend gute Berichtssaison der Unternehmen Anfang dieses Jahres hatte viele Fondsmanager dazu bewegt, sich wieder stark an den Aktienmärkten zu engagieren. Eine Umfrage von Bank of America Merrill Lynch unter den weltgrößten Fondsmanagern im Januar ergab, dass viele Fondsmanager erstmals seit Januar 2006 wieder höhere Risiken als normalerweise eingingen und sich mehr als die Hälfte der Marktteilnehmer nicht mehr gegen einen plötzlichen Kursrutsch in den folgenden drei Monaten abgesichert hatte.

Doch mittlerweile scheint unter den Anlegern eine nachhaltige Konjunkturerholung keine ausgemachte Sache mehr zu sein: die Sorge ist, dass Länder mit extrem hohen Haushaltsdefiziten und Schuldenbelastungen ein straffes, fiskalpolitisches Regiment führen müssen, um das Vertrauen an den Kapitalmärkten nicht zu verlieren. Während auf der einen Seite Marktteilnehmer auf diese fiskalpolitische Disziplin warten und Enttäuschungen mit höheren Risikoprämien bestrafen, fürchten genau dieselben Marktteilnehmer, dass die fiskalpolitische Disziplin die Konjunkturerholung dieser Länder und der Währungsunion im Keime ersticken könnte. Konjunkturdaten wie die im Dezember überraschend gesunkene deutsche Industrieproduktion werden in dieser Stimmungslage um so ernster aufgefasst.

Die Furcht, dass die wirtschaftliche Erholung in den Industrieländern noch nicht garantiert ist, während die Notenbanken bereits ihre Politik der quantitativen Lockerung auslaufen lassen, schreckten die Investoren daher auf. Sie warfen in den letzten Tagen vor allem bei Finanzwerten und zyklischen Aktien das Handtuch und zogen nach Angaben der Analysegesellschaft EPFR Global mit 1,6 Milliarden Dollar allein in dieser Woche den höchsten Kapitalbetrag aus Aktienfonds der Schwellenländer seit einem halben Jahr ab.

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Wirtschaftskorrespondentin in London.

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Jahrgang 1978, Redakteur in der Wirtschaft.

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