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Indexfonds : Schöne Kurve, schöne Gewinne

Der Handelsraum der Deutschen Börse in Frankfurt. Jedes Börsenjahr ist transparent. Bild: Marc-Steffen Unger

Indexfonds (ETF) sind beliebt wie nie. Das können Anleger nutzen. Sie brauchen nur die Aktie der Firma MSCI zu kaufen, die für die wichtigsten Börsenindizes der Welt verantwortlich ist.

          Als im Jahr 1969 die Firma Capital Indices International gegründet wurde, nahm die Finanzwelt davon keine Notiz. Das Unternehmen mit Sitz in Genf hatte sich einer auf den ersten Blick seltsamen Aufgabe verschrieben: Man wollte systematisch die Börsendaten von Märkten außerhalb der Vereinigten Staaten zusammentragen und auswerten. Was aus heutiger Sicht nach einer guten Idee klingt, war damals - freundlich ausgedrückt - reichlich verwegen. Denn an solchen Daten bestand kaum Interesse:

          Dennis Kremer

          Redakteur im Ressort „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die wichtigsten Großanleger der Welt, die damals wie heute in Amerika zu Hause waren, begnügten sich Anfang der 1970er Jahre damit, ihr Geld in den heimischen Aktienmarkt zu investieren. Sich mit ausländischen Börsen zu beschäftigen, hielt man für weitgehend überflüssig. Gut 50 Jahre später ist aus der kleinen, kaum beachteten Genfer Firma ein mächtiger Akteur an den Finanzmärkten geworden. Standesgemäß sitzt man nicht mehr in der Schweiz, sondern längst an der New Yorker Wall Street, und auch der Name hat sich ein wenig verändert. Da sich das Unternehmen einige Zeit im Besitz der Investmentbank Morgan Stanley befand, hörte es fortan auf den Namen Morgan Stanley Capital International (oder in Kurzform MSCI), den man auch nach dem Ausstieg der Bank beibehielt.

          Denn das Firmenkürzel MSCI hat es mittlerweile zu weltweiter Berühmtheit gebracht. Jeder halbwegs informierte Anleger kennt den von MSCI entwickelten Börsenindex MSCI World, der die Wertentwicklung der wichtigsten Aktienmärkte der Industrieländer abbildet, oder den MSCI Emerging Markets, der das Gleiche für die Aktienmärkte der wichtigsten Schwellenländer tut. MSCI ist so von einem Nischenanbieter zu einem der wichtigsten Konstrukteure von Börsenindizes auf der ganzen Welt geworden.

          Das Unternehmen zum bekannten Index

          Auch wenn fast alle Anleger den Namen MSCI schon einmal gehört haben werden, ist eher weniger bekannt, dass das Unternehmen selbst seit einigen Jahren an der Börse notiert ist. Die MSCI-Aktie hat sich seit dem Börsengang Ende 2007 trotz manch kleiner Rückschläge insgesamt prächtig entwickelt und ihren Wert in dieser Zeit mehr als verdreifacht. Natürlich vermag an der Börse niemand mit völliger Sicherheit vorauszusagen, ob sich das auch so fortsetzen wird. Doch viel spricht dafür, dass der Kurs der MSCI-Aktie auch in Zukunft weiter steigen könnte. Denn niemals zuvor waren die von MSCI entwickelten Börsenbarometer so wichtig wie heute.

          Das hat zum einen damit zu tun, dass Fondsmanager aus aller Herren Länder ihre Leistung daran messen, wie gut oder wie schlecht sie im Vergleich zu einem bestimmten Börsenindex abschneiden. Das Fachwort hierfür lautet „Benchmark“, und es gibt auf dieser Welt wohl kaum einen international anlegenden Aktienfonds, der nicht den MSCI World als Vergleichsmaß wählt. Der Index ist sogar so bedeutend geworden, dass sich internationale Geldmanager ständig auf ihn beziehen, wenn sie ihre Anlageentscheidungen erläutern. Sprechen sie beispielsweise davon, dass sie amerikanische Aktien untergewichten, meinen sie damit: Der prozentuale Anteil an amerikanischen Aktien in ihrem Portfolio ist geringer als der prozentuale Anteil an amerikanischen Aktien im MSCI World.

          Noch viel wichtiger als diese Orientierung am Index ist für MSCI aber eine zweite Entwicklung - der Siegeszug der börsengehandelten Indexfonds, die es unter dem Kürzel ETF zu einiger Berühmtheit gebracht haben. Sie bilden die Wertentwicklung eines bestimmten Börsenbarometers wie eben des MSCI World für die Anleger zu geringen Gebühren nach: Gewinnt der MSCI World beispielsweise vier Prozent an Wert, gewinnt der ETF ebenfalls vier Prozent hinzu - auch bei Verlusten verhalten sich Index und ETF gleich. Mehr als 3300 Milliarden Dollar haben Anleger mittlerweile in ETF investiert, keine Anlageart wächst derzeit so stark.

          Das Geschäftsmodell hinter den Indizes

          MSCI kann kaum etwas Besseres passieren. Denn alle großen Anbieter von Indexfonds haben selbstverständlich ETF auf den MSCI World oder den MSCI Emerging Markets in unterschiedlichsten Varianten im Angebot. Insgesamt berechnet MSCI mittlerweile 165.000 verschiedene Indizes (zum Beispiel auch für einzelne Länder) - eine beeindruckende Zahl.

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