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Schlechte Börsenwerte Westliche Ölgesellschaften unter Druck

10.01.2008 ·  Trotz des hohen Ölpreises verlieren Exxon Mobil, Shell und BP an Wert. Sie leiden unter hohen Kosten und schwindenden Reserven. Bei westlichen Konzernen macht sich Ernüchterung breit über den wachsenden Einfluss der staatlichen Ölproduzenten.

Von Ulrich Friese und Gerald Hosp
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Die jüngste Prognose britischer Fondsmanager verheißt für die Börsenwerte der westlichen Ölindustrie nichts Gutes. Mark Iannotti von Merrill Lynch sagt British Petroleum (BP) hohe Kostenlasten im laufenden Geschäft und damit weiteren Ergebnisdruck voraus. Seine um 25 Prozent revidierte Gewinnprognose für das vierte Quartal des Geschäftsjahres hatte für die Aktionäre des zweitgrößten Ölkonzerns in Europa handfeste Folgen: Der Kurs der BP-Aktie gab am Mittwoch in London um 4 Prozent nach und verlor am gestrigen Donnerstag abermals 1 Prozent.

Die Situation beim größten Ölförderer Großbritanniens, dessen Ergebnis jetzt wohl durch sinkende Raffineriemargen, hohe Steuern und wachsende Kosten getrübt werden, ist kein Einzelfall. Ähnliche Offenbarungen sind auch für die Rivalen Exxon Mobil, Royal Dutch Shell, Total oder ENI zu erwarten, wenn diese in den kommenden Wochen ihre Quartalsbilanzen vorlegen. Damit scheint sich der Branchentrend fortzusetzen, der nach der jüngsten Bilanzsaison für das dritte Geschäftsquartal abzulesen war: Mit den aktuellen Höchstständen auf dem Markt für Rohöl halten die Gewinne der westlichen Konzerne keineswegs Schritt. Stattdessen mussten führende Ölproduzenten wie Exxon Mobil, Chevron, Conoco-Phillips, BP und ENI in dieser Zeit jeweils Einbußen beim Ergebnis vermelden. Lediglich Royal Dutch Shell sowie Frankreichs Total waren in dem Quartalsvergleich Ausnahmen, weil sie von günstigen Wechselkursen oder aber vom Verkauf ihrer nicht zum Kerngeschäft gehörenden Tochtergesellschaften profitierten.

Ernüchterung macht sich bei westlichen Konzernen breit

Von Euphorie über die jüngste Preisentwicklung beim Rohöl ist daher bei Exxon Mobil, Shell oder BP wenig zu spüren. Im Gegenzug macht sich in den Chefetagen der westlichen Konzerne Ernüchterung breit über den weltweit wachsenden Einfluss der staatlichen Ölproduzenten und die wachsende Kostenlast im Tagesgeschäft. „Während die Energiepreise hoch bleiben, steigen bei uns die Kosten für den Unterhalt unserer Förderanlagen und deren Modernisierung rasant“, sagt Peter Voser, Finanzvorstand von Royal Dutch Shell. Beim größten Ölproduzenten in Westeuropa schlug dieser Zuwachs mit 10 Prozent auf den Konzerngewinn im vergangenen Geschäftsjahr durch. Für die gesamte Öl- und Gasbranche hätten sich die Kosten im Tagesgeschäft innerhalb der vergangenen vier Jahre sogar um insgesamt 80 Prozent erhöht, zitiert Voser aus Branchenstudien.

Hinzu kommt, dass im Wettbewerb um die Ölreserven die Bedeutung der westlichen Produzenten schwindet. Stattdessen wächst die Macht der staatlichen Konkurrenz. Exxon Mobil, Shell & Co. haben gegenwärtig nur noch direkten Zugriff auf 16 Prozent der weltweiten Vorkommen an Öl und Gas. Der Löwenanteil von 65 Prozent entfällt auf die Staatskonzerne der großen Förderländer, deren Rangliste von Saudi Aramco (Saudi-Arabien), der russischen Gasprom, CNPC (China), NIOC (Iran) und Venezuelas PDVSA angeführt wird. Der schwindende Einfluss im Ölgeschäft ist in den Produktionszahlen der westlichen Konzerne abzulesen. Weil der Zugriff auf lukrative Ölfelder entweder fehlt oder die Erschließung vorhandener Reserven immer teurer wird, fiel die Ölproduktion der westlichen Produzenten im dritten Geschäftsquartal um insgesamt 9 Prozent, listet eine Marktstudie der Citigroup auf.

Dass die führenden Ölwerte Russlands kaum von der gestiegenen Notierung am internationalen Ölmarkt profitierten, ist mit der hohen Steuerlast der Rohölexporte zu erklären: Bei einem Grenzsteuersatz von fast 90 Prozent werden bei einer Erhöhung der Energiepreise vor allem die staatlichen Kassen in Moskau gefüllt und nicht diejenigen der Unternehmen. Anders sieht es in der Erdgasbranche aus. Die Exportsteuer für Erdgas ist geringer als für Erdöl. Zudem sorgte Ende Dezember die Ankündigung der russischen Regierung, die heimischen Erdgaspreise zu erhöhen, für eine Unterstützung des Aktienkurses des Erdgas-Riesen Gasprom. Die russischen Erdölgesellschaften steigerten zwar im vergangenen Jahr die Produktion um 2,3 Prozent im Vergleich mit dem Vorjahr, der Export über den Pipeline-Monopolisten Transneft fiel jedoch um 0,5 Prozent.

Russische Erdölvorkommen größtenteils in Händen privater Unternehmen

Im Gegensatz zu arabischen Ländern oder Venezuela befindet sich in Russland immer noch ein großer Teil der Erdölvorkommen in den Händen privater Unternehmen. In den vergangenen Jahren hat jedoch der Kreml klargestellt, dass er Erdöl und Erdgas als „strategisch“ wichtige Branchen betrachtet. An solchen Feldern dürfen dann nur Unternehmen, die mit weniger als 50 Prozent in ausländischer Hand sind, Lizenzen erhalten. Die Renationalisierung der Rohstoff-schätze hat jedoch längst begonnen.

Laut dem Finanzinstitut Troika Dialog betrug der Staatsanteil an russischen Erdöl- und Erdgasgesellschaften im Jahr 2007 rund 47 Prozent, im Jahr 2004 lag dieser erst bei 32 Prozent. Der größte Nutznießer der „Konsolidierung“ ist der staatliche Erdölkonzern Rosneft, der sich die Filetstücke der einst größten privaten Erdölgesellschaft, Yukos, einverleibt hat. Seit dem vergangenen Jahr produziert Rosneft am meisten Erdöl in Russland und verfügt über eine Marktkapitalisierung von knapp 90 Milliarden Dollar. Die ebenfalls staatliche Gaspromneft kaufte vor zwei Jahren vom russischen Milliardär Roman Abramowitsch den Konkurrenten Sibneft.

Aber nicht nur heimische private Gesellschaften spüren den Druck des Staates, sondern auch die internationalen Energiekonzerne. Im Jahr 2006 wurde durch behördlichen Druck beim Energieprojekt Sachalin-2 die russische Kontrolle über eines der größten Investitionsvorhaben in Russland erzwungen. Die Projektbetreiber Royal Dutch/Shell, Mitsui und Mitsubishi mussten ihre Anteile um je die Hälfte reduzieren. Stattdessen übernimmt Gasprom die Kontrolle bei dem Projekt.

Quelle: F.A.Z., 11.01.2008, Nr. 9 / Seite 21
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