Es gibt Unternehmen, die keine spannende „Story“ zu bieten haben, mit deren Aktien sich aber doch ordentliches Geld verdienen läßt. Dazu gehört sicherlich der Schweizer Sanitärtechniker Geberit.
Die Anteilsscheine haben in fünf Jahren mehr als 150 Prozent gewonnen, in den vergangenen zwölf Monaten beträgt das Plus gut 40 Prozent (Isin CH0008038223).
Gute Zahlen
Die Zahlen, die Geberit vergangene Woche vorlegte, lesen sich gut: Das Betriebsergebnis (Ebit) stieg - vor allem aufgrund wegfallender Goodwill-Amortisationen - um gut 20 Prozent auf 367 Millionen Franken. Das Nettoergebnis legte sogar um 35 Prozent auf 262,5 Millionen Franken zu.
Der Umsatz stieg zwar nur leicht auf gut 1,9 Milliarden Franken, das ist aber auf die Trennung von Blücher und dem Bereich erdverlegte Rohrsysteme zurückzuführen. Ohne diese Sparten ist der Umsatz um fünf Prozent gestiegen. Der Umsatz in Deutschland, dem wichtigsten Markt, sank um ein Prozent, was aber akzeptabel ist, weil der Markt insgesamt um sieben bis acht Prozent geschrumpft ist. Die Märkte Mittlerer Osten/Afrika und Fernost/Pazifik entwickelten sich mit einem Plus von 20 und 42,4 Prozent sehr erfreulich.
Nicht zufrieden sein kann der Vorstand dagegen mit dem amerikanischen Geschäft, denn in den Vereinigten Staaten ging der Umsatz trotz der guten Konjunktur um sieben Prozent zurück. Die amerikanische Tochter Chicago Faucets Company ist nicht profitabel genug, aber das Management hat inzwischen reagiert und baut die Sparte kräftig um.
Analysten positiv gestimmt
Martin Hüsler, Analyst der Zürcher Kantonalbank, hat die Aktie Ende Januar auf die Empfehlungsliste genommen. Geberits Aussichten seien vielversprechend. Positive Faktoren seien unter anderem das erwartete Umsatzwachstum in Deutschland und der angestrebte Margenturnaround in den Vereinigten Staaten. Hüsler lobt auch das für 2006 angekündigte Aktienrückkaufprogramm über 200 Millionen Franken. Was mit den zurückgekauften Aktien geplant ist, verrät das Management nicht. Akquisitionen schließt es nicht aus.
Analysten von UBS, die die Aktie ebenfalls zum Kauf empfehlen, sehen Geberits Technologieorientierung als Vorteil an. Andere Anbieter im Sanitärmarkt legten mehr Wert auf Design. Dieser Markt reagiere stärker auf Preisänderungen, sei stärker umkämpft und bedeute geringere Margen. Geberit hänge zwar wie andere Anbieter an der Baukonjunktur, zwei Drittel des Umsatzes erwirtschafte das Unternehmen aber mit Reparaturen und Service. Dieses Geschäft sei weniger zyklisch.
Solide Entwicklung
Die Entwicklung wichtiger Kennzahlen der Gruppe läßt sich sehen: Geberit steigert seit fünf Jahren den Gewinn je Aktie, von 30,14 Franken 2001 auf 64,72 Franken im vergangenen Jahr. Die Umsatzrendite beträgt damit 13,7 Prozent - das ist im Branchenvergleich rekordverdächtig.
2006 sehen Analysten den Gewinn je Aktie durchschnittlich bei 76,46 und 2007 bei 88,03 Franken. Daraus errechnet sich ein Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 17,3 für 2006 und 15,7 für 2007. Das ist nicht wenig, scheint aufgrund der ordentlichen Entwicklung in der Vergangenheit und der guten Aussichten aber noch angemessen. Die Dividende für das vergangene Jahr soll um 13,6 Prozent auf 25 Franken erhöht werden, das entspricht einer Dividendenrendite von etwa zwei Prozent.
Der Umsatz hat sich von 2001 bis 2005 von 1,165 Milliarden Franken auf 1,923 Milliarden Franken erhöht. Im kommenden Jahr soll Analysten zufolge die Zwei-Milliarden-Schwelle überschritten werden. Auch die Bilanz sieht gesund aus, die Eigenkapitalquote beträgt inzwischen fast 50 Prozent.
Aktionäre sollten weiter profitieren können
Auch der Chart sieht - zumindest langfristig - gut aus. Die Aktie war zwar mehr als ein Jahr lang in einer Spanne von 500 bis 625 Euro gefangen, Ende vergangenen Jahres schaffte das Papier dann aber den Ausbruch. Das jüngste Rekordhoch erreichte die Aktie Anfang März bei 810,05 Euro. Seitdem haben die Titel einiges an Wert eingebüßt, der langfristige Aufwärtstrend ist aber nach wie vor intakt. Am Freitag vormittag kostete die Aktie in Frankfurt 777,46 Euro.
Alles in allem ist Geberit gut aufgestellt in einem schwierigen, aber nicht unattraktiven Markt. Das Unternehmen stellt seit Jahren viele Konkurrenten in Schatten. Das könnte dem Management auch in den kommenden Jahren gelingen, und davon sollten die Aktionäre auch in Zukunft profitieren können.