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Saisonale Kursmuster : Im August und September laufen Aktien traditionell schlecht

  • -Aktualisiert am

Aktienexperte Hidding: „Saisonale Kursmuster ersetzen keine Analyse” Bild: Hidding, Bruno

Die Aktienmärkte fallen und fallen. Und die Jahreszeit verspricht keine Besserung. Denn traditionell kommen erst jetzt die schwächsten Börsenmonate.

          Die meisten Aktienanleger antworten auf die Frage nach dem schlechtesten Börsenmonat spontan mit „Oktober“. Das liegt daran, dass die beiden stärksten Kurseinbußen, welche die internationalen Börsen in den Jahren 1929 und 1987 zu verkraften hatten, im Oktober stattfanden.

          Trotzdem bekommt der Oktober zu Unrecht den Schwarzen Peter zugeschoben. Denn in den vergangenen dreißig Jahren stellten fast immer der August und vor allem der September die schlechtesten Börsenmonate des Jahres (siehe unten stehende Grafik).

          Der Monat Januar schneidet am besten ab

          Diese Erkenntnis macht nicht gerade Mut. Schließlich kommt neben diesem traditionellen saisonalen Muster im August und September 2002 ein aktueller Belastungsfaktor hinzu. Nämlich der, dass vom Jahrestag der schrecklichen Ereignisse in New York vom 11. September zusätzliche Verunsicherung ausgeht. Zusammen mit einem nicht ausgeschlossen Irak-Krieg der USA scheint dies kein guter Nährboden für ein Ende der nun schon seit gut zwei Jahren abwärts gerichteten Kursentwicklung an den Weltbörsen.

          Auch ohne 11. September 2001 hat der Dax in den 31 Jahren von 1970 bis 2001 im September um durchschnittlich 2,1Prozent nachgegeben. Das ist bei weitem der stärkste Abfall in einem Kalendermonat. Danach folgt der August mit durchschnittlich minus 0,82 Prozent. Demgegenüber weist der so übel beleumdete Oktober in dieser Zeit einen durchschnittlichen Gewinn von 0,38 Prozent auf.

          Und mit dem Oktober beginnt dann auch schon die beste Börsensaison des Jahres: So betrug im November das Kursplus im Durchschnitt 0,89 Prozent, im Dezember 1,91Prozent, im Januar als besten Börsenmonat überhaupt 2,01 Prozent, im Februar 1,69 Prozent, im März 1,37 Prozent und im April 0,99 Prozent.

          An Saisonzyklen ausgerichtete Anlagetaktik ist problematisch

          Nun kann man sicher tagelang darüber diskutieren, warum es an den Börsen derart ausgeprägte Saisonzyklen gibt. Und man kann sicher auch lange darüber staunen, was die Grafik anschaulich zeigt, dass die großen Börsen dieser Welt völlig ähnliche Saisonzyklen aufweisen. Beruht also die gute Börsen im Januar auf der Anlage zugeflossener Zinserträge oder spielt hier eher das Motto „Neues Spiel, neues Jahr, neues Glück“ mit hinein.

          Wesentlich wichtiger ist aber sicher die Fragestellung, ob Anleger auf diese beobachteten Zyklen eine Strategie aufbauen können und sollen. Und das ist eher nicht der Fall, auch wenn es sicher manchen reizt, die guten sechs Monate von November bis April für sich zu nutzen. Doch sollte bedacht werden, dass es sich hier um langjährige Durchschnittswerte handelt. Das heißt, dass der übel eingeschätzte, aber gar nicht so schlechte Monat Oktober durchaus auch einmal ausgesprochen schwach ausfallen kann.

          Das altbekannte „Sell in May“ macht nach dieser Statistik ebenfalls nicht so recht Sinn. Denn nach dem im Durchschnitt schwachen Mai (minus 0,72 Prozent) folgen doch immerhin mit dem Juni (plus 0,91 Prozent) und dem Juli (plus 1,95 Prozent) zwei im Durchschnitt gute Monate. Und nach den schlechten Monaten August und September folgt ja dann die beste Saison überhaupt.

          Saisonmuster ersetzen keine Fundamentalanalyse

          Das würde dann eher nahe legen, die schwachen Monate August und September zu vorsichtigen billigen Käufen zu nutzen, um davon in den folgenden sechs guten Monaten - rein statistisch!! - zu profitieren. Letztlich bleibt - wie immer - aber nur die saubere finanzanalytische Bestandsaufnahme, um die Frage zu beantworten, ob gekauft werden sollte oder nicht.

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