Home
http://www.faz.net/-gv7-pwn8
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

S&P-Analyse Warnsignale für die Aktienmärkte

19.01.2005 ·  Die Wallstreet zeigte sich zwar am Dienstag wieder einmal von der freundlichen Seite. Aber Markttechniker Mark Arbeter von S&P macht sich gewisse Sorgen, da institutionelle Anleger bei Kursstärke zu verkaufen scheinen.

Von Mark Arbeter, technischer Chefanalyst für S&P
Artikel Lesermeinungen (0)

Anscheinend stoßen institutionelle Anleger nicht nur Aktien ab, sondern verkaufen, sobald Anzeichen für einen Kursanstieg zu spüren sind.

In der zweiten Woche des neuen Jahres war die Situation etwas besser als in der ersten; der Aktienmarkt versuchte, zumindest kurzfristig einen Boden zu finden. Die Kurse blieben jedoch schwach und das Handelsvolumen gering, und unseres Erachtens ist eine anhaltende Schwächeperiode durchaus möglich.

Institutionelle scheinen bei Kursstärkre zu verkaufen

Sowohl der S&P 500 als auch der Nasdaq haben ihre jeweiligen, einfachen, gleitenden 50-Tages-Durchschnitte unterschritten und am Donnerstag, dem 13. Januar, einen neuen Jahrestiefstand erreicht. Moderate Rückschläge sind zwar nach starken Kursgewinnen zu erwarten, der gleitende 50-Tages-Durchschnitt unterstützt den Markt jedoch in der Regel recht gut. Zudem treten diese leichteren Verluste im Rahmen eines mittelfristigen Kursanstiegs in der Regel bei einem unterdurchschnittlichen Handelsvolumen auf. Dies war seit Beginn der Baisse zu Anfang 2005 nicht der Fall.

Auch die börsentägliche Kursentwicklung gibt in diesem Jahr unseres Erachtens Anlaß zur Besorgnis. Bei Kursanstiegen zu Tagesbeginn kommt es zu Verkäufen. Offensichtlich stoßen die institutionellen Anleger nicht nur Aktien ab, sondern verkaufen bei jedem Anzeichen für stärkere Kurse. Zum Tagesende hin tendieren die Kurse in diesem Jahr in der Regel schwächer, und dies ist unseres Erachtens kein gutes Zeichen. Der S&P 500 ging in diesem Jahr an sechs von zehn Handelstagen zurück, wobei an jedem dieser Tage das Handelsvolumen (gleitender 50-Tages-Durchschnitt) überdurchschnittlich hoch war.

Der Nasdaq fiel in diesem Jahr an sieben von zehn Tagen, und das Handelsvolumen lag an diesen Tagen deutlich über dem Durchschnitt. Die Erholung nach den Schwächephasen fiel nur gering aus und überzeugte nicht, so daß unseres Erachtens derzeit eine gewisse Vorsicht angezeigt ist.

Zudem verloren die Aktien, die Ende 2004 die Rally angeführt hatten, sehr schnell wieder an Wert; inzwischen führen defensive Titel und Ölaktien wieder das Feld an. Unserer Auffassung nach entwickeln sich die Märkte tendenziell am besten, wenn Wachstumswerte eine Führungsrolle spielen. In Schwächephasen neigen die institutionellen Anleger dazu, wieder auf defensive Titel zurückzugreifen. Charttechnisch wurden zahlreiche führende Aktien in Mitleidenschaft gezogen; bei vielen Papieren brach der Aufwärtstrend ab, und sie fielen unter den gleitenden 50-Tages-Durchschnitt. Da die Rally zum Jahresende 2004 sehr steil verlief, bestehen für die Aktien, die dabei gut abgeschnitten haben, kaum kurzfristige charttechnische Unterstützungslinien.

Wichtige Unterstützungszone bei 1.170 Punkten im S&P 500

Der exponentielle, gleitende 50-Tages-Durchschnitt für den S&P 500 liegt bei 1.181 (einfacher gleitender Durchschnitt: 1.187). Nachdem der Index am vergangenen Donnerstag unter diesen Wert fiel, lag er am Freitag wieder leicht darüber. Der nächste wichtige Bereich für den Index liegt bei 1.170, da auf diesem Niveau mehrere wichtige Unterstützungslinien zusammenfallen. Hier sind sowohl eine kurzfristige charttechnische Unterstützungslinie als auch der exponentielle, gleitende 80-Tages-Durchschnitt angesiedelt. Zudem wäre der Kursanstieg seit Oktober auf diesem Niveau um 38,2 Prozent wieder wettgemacht.

Unter diesem Niveau ist bei 1.160 wieder charttechnische Unterstützung zu verzeichnen; dies entspricht dem oberen Rand der Trading Range, in der sich der Index über den größten Teil des Jahres 2004 hinweg bewegte. Unterhalb von 1.160 ist daher eine robuste charttechnische Unterstützung festzustellen, denn der Index handelte über weite Strecken des Jahres 2004 hinweg range-gebunden. Sollte der Index gegenüber dem Kursanstieg seit Oktober wieder 50 Prozent verlieren, so läge er bei 1.154. Der gleitende, exponentielle 150-Tages-Durchschnitt liegt bei 1.148, der exponentielle gleitende 200-Tages-Durchschnitt bei 1.136.

Die langfristige Unterstützungstrendlinie auf der Grundlage der Tiefstände vom März 2003 und Oktober 2004 liegt bei 1.140. Diese Trendlinie hat die Kurse während des gesamten Bullenmarkts gestützt, so daß sie unseres Erachtens eine äußerst wichtige, langfristige Unterstützungslinie darstellt.

Die täglichen Momentumindikatoren für den S&P 500 sind negativ, und die Oszillatorindikatoren deuten auf einen überverkauften Markt hin, haben jedoch noch keine Extremwerte erreicht. Kritischer sieht es bei den von uns beobachteten, wöchentlichen Indikatoren aus. Der wöchentliche MACD-Indikator (moving average convergence/divergence) liegt nahe einem Verkaufssignal. Dieser Trendfolge-Momentumindikator gibt die Differenz zwischen einem exponentiellen, gleitenden Zwölf-Wochen-Durchschnitt und einem exponentiellen, gleitenden 26-Wochen-Durchschnitt wieder, wobei gleichzeitig ein exponentieller, gleitender Neun-Wochen-Durchschnitt (die Signallinie) konstruiert wird.

Derzeit bewegt sich die MACD-Indikatorlinie abwärts und ist nicht mehr weit vom Schnittpunkt mit der Signallinie entfernt. Sollten sich die Linien tatsächlich schneiden, würde der wöchentliche MACD zum ersten Mal seit Anfang März 2004 wieder ein Verkaufssignal geben. Der Indikator gab bis September 2004 eine Verkaufsempfehlung.

Ölpreis dürfte viele Anleger überrascht haben

Der von uns beobachtete, stochastische Indikator erreichte im Dezember bei über 90 ein deutlich überkauftes Niveau. Der stochastische Indikator ist ein Oszillator, der sich zwischen Null und 100 bewegt und erkennen läßt, wie sich der Schlußkurs einer Aktie zu deren Kursspanne innerhalb eines gewissen Zeitraums verhält. Dieser Indikator hat sich gedreht und wird ein Verkaufssignal geben, sobald er wieder unter 80 fällt. Der stochastische Indikator gibt seit August 2004 ein Kaufsignal.

Wie bereits oben erwähnt, hat der Nasdaq den exponentiellen, gleitenden 50-Tages-Durchschnitt zum ersten Mal seit Ende September 2004 durchbrochen. Der Index lag nur zwei Tage lang unter dem Durchschnitt, so daß die Entwicklung damals nicht signifikant war. Der Index fiel zudem unter die Unterstützungstrendlinie, die auf den Tiefständen vom August, September und Oktober des vergangenen Jahres basierte. Zwischen 2.070 und 1.875 liegen relativ zahlreiche charttechnische Unterstützungslinien. Bei einem Rückgang des seit August verzeichneten Kursanstiegs um 38,2 Prozent läge der Index bei 2.016, bei einem Rückgang um 50 Prozent bei 1.965. Der exponentielle, gleitende 200-Tages-Durchschnitt liegt bei 1991. Die langfristige Trendlinie auf der Grundlage der Tiefstände vom März 2003 und August 2004 wird bei 1.960 verzeichnet.

An anderen Märkten spielte die Ölpreisentwicklung in der vergangenen Woche die größte Rolle. Der deutliche Anstieg der Rohölpreise setzte sich fort; sie legten um rund drei Dollar pro Barrel zu und schlossen damit eine bullishe, Double-Bottom-Reversal-Formation ab. Der Rohölpreis liegt zum ersten Mal seit Anfang Dezember wieder über 48 Dollar. Die nächste, charttechnische Widerstandslinie liegt bei 50 Dollar, und darüber kommt das Allzeithoch von gut 55 Dollar ins Spiel.

Der Ölpreisanstieg dürfte zahlreiche Anleger überrascht haben, da viele von ihnen der Auffassung (oder Hoffnung) gewesen sein dürften, daß bei Öl ein längerfristiger Preisrückgang zu erwarten sei. Aus technischer Sicht ist für Öl mit einem langfristigen Bullenmarkt zu rechnen, und bis sich dies ändert, könnten unseres Erachtens durchaus weitere Preishöchststände eintreten.

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
25.05.2012 17:45 Uhr
  Vortag
Dax 6.339,94 +0,38%
 OK
25.05.2012
Name Kurs Prozent
DAX 6.339,94 +0,38%
FAZ-INDEX 1.377,69 −0,11%
TecDAX 752,47 +0,08%
MDAX 10.196,40 −0,34%
SDAX 4.817,28 +0,29%
REX 434,70 −0,15%
Eurostoxx 50 2.161,87 +0,25%
F.A.Z. EURO 69,61 +0,13%
Dow Jones 12.454,80 −0,60%
Nasdaq 100 2.527,05 −0,17%
S&P500 1.317,82 −0,22%
Nikkei225 8.580,39 +0,20%
EUR/USD 1,2515 −0,14%
Rohöl Brent Crude 106,90 $ +0,14%
Gold 1.569,50 $ +0,06%
Bund Future 144,35 € +0,25%