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S&P-Analyse US-Energiekrise könnte zur Bankenkrise werden

12.04.2001 ·  Die Energiekrise in Kalifornien zieht Kreise. Greift sie auf die Banken über, wird es eng für die US-Wirtschaft, befürchtet S&P.

Von Michael Wallace
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Greenspan und seinen Mitarbeitern steht eine neue Herausforderung bevor: Sie müssen verhindern, dass die prekäre Kreditlage im Versorgungssektor die Kapitalkraft der Geldgeber gefährdet. Im Januar sagte der Gouverneur von Kalifornien, Gray Davis, voraus, es werde „ein schwarzer Tag“ sein, wenn die Versorger des Sonnenstaates Konkurs anmelden würden.

Nun scheint es, all würde ihn diese düstere Zukunftsvision einholen. Der Konkursantrag, den die in der Gas- und Stromversorgung tätige Unternehmenseinheit der Pacific Gas and Electric Corporation (PG&E Corp.) am 6. April stellte, ist das zweite blaue Auge, das der Gouverneur in dieser Zeit davontrug, nachdem eine staatliche Kommission für die öffentliche Energieversorgung (PUC) die Strompreise für die Verbraucher um 30 bis 40 Prozent erhöht hatte.

„Schlechte Energie“ für die US-Wirtschaft

Die Energiekrise hat den Westen und Teile des Nordostens der USA fest im Griff, doch scheint Washington bislang noch keine Lösungen hierfür gefunden zu haben. Die prekäre Lage der kalifornischen Energiewirtschaft kann schwerwiegende Auswirkungen auf die Aktienmärkte, die Kreditqualität, die Kreditspannen, den Dollar, die allgemeine Wirtschaftslage sowie die Geldpolitik haben.

Fed-Chairman Alan Greenspan schenkte der Energiekrise sogar besonderes Augenmerk, als der Offenmarktausschuss der Notenbank eine geldpolitische Lockerung um insgesamt 150 Basispunkte beschloss. Zudem könnte eine sich länger hinziehende und mit einer Prozessflut einhergehende Energiekrise dazu führen, dass dieser Lockerungskurs noch langwieriger und stärker ausfallen wird, wobei die Zinsen um weitere 100 bis 150 Basispunkte sinken könnten. Dies könnte seinerseits die Glaubwürdigkeit der Fed gefährden, wenn die Anzeichen einer von den Währungshütern so sehr erhofften schnellen wirtschaftlichen Erholung allmählich am Horizont verblassen. Ferner könnte die Kombination aus abnehmendem Vertrauen in die Geldpolitik und einer gleichzeitigen Zinssenkung durch die Europäische Zentralbank (EZB) ebenfalls dem Dollar stark zusetzen.

S&P-Rating für faule Kredite

Das Hauptanliegen der Fed sollte zunächst darin bestehen zu verhindern, dass die Eigenkapitalquoten der Finanzinstitute, die den Versorgern Kredite gewährt haben, nicht in Mitleidenschaft gezogen werden. Solche Probleme könnten nämlich das ohnehin schon „geizige“ Kreditumfeld in den USA noch weiter verschlechtern. Obwohl die Rückstellungen der Banken angesichts des mit PG&E verbundenen Risikos als angemessen eingeschätzt werden, könnte die Konjunkturverlangsamung in Kalifornien und in der gesamten US-Wirtschaft den Bankensektor unter Druck setzen. Je stärker die Fed auf eine geldpolitische Lockerung setzt, desto steiler wird der Umschwung der Renditekurve ausfallen, da an beiden Enden Rezession und Kreditängste ihre negativen Auswirkungen zeigen. Wenn nicht andere Institutionen regulierend eingreifen, muss die Fed wohl ihr Sicherheitsnetz noch tiefer in die raue See werfen.

Der Autor ist Senior Economist bei Standard & Poor´s

Quelle: @jüb
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