25.02.2005 · Die Öl- und Gaswerte sind in den vergangenen Monaten gut gelaufen. Kann das so weitergehen? Sowohl Fundamentaldaten als auch das Momentum sprechen dafür, so Sam Stovall, Chefstratege bei S&P.
Von Sam Stovall, Chefstratege bei S&PTrotz eines bereits starken Branchenwachstums im vergangenen Jahr ist Standard & Poor's (S&P) der Ansicht, daß die höheren Energiepreise allen Unterbranchen des Öl- und Gassektors Zugewinne ermöglichen.
Nach einem kurzzeitigen Abflauen ziehen die Rohölpreise wieder deutlich an. So hat die Benchmark-Sorte West Texas Intermediate (WTI) am 22. Februar 2005 erneut die 50-Dollar-Marke pro Barrel überschritten. Dieser Ölpreisanstieg hat Energiewerten zu bemerkenswerten Renditen verholfen. In den vergangenen zwölf Monaten bis zum 18. Februar 2005 ist der S&P Composite 1.500 Energy-Index um 15 Prozent gestiegen, während der Benchmark für den Gesamtmarkt im gleichen Zeitraum 0,8 Prozent eingebüßt hat. Im gesamten Jahresverlauf 2004 hat der Energiesektor um fast 30 Prozent zugelegt, der S&P Composite 1.500 hat nur zehn Prozent hinzugewonnen.
Haben gut gelaufene Werte noch weiteres Kurspotential?
In Anbetracht dieser Stärke dürfte es keine große Überraschung sein, daß es vier der fünf Subindizes für Unterbranchen auf die Momentum-Liste geschafft haben. Sie entsprechen einem Drittel der Unterbranchen mit einer Zwölf-Monats-Kursperformance innerhalb der obersten zehn Prozent aller Unterbranchen-Subindizes des S&P Composite 1500.
Aber dieses robuste Ergebnis wirft natürlich auch die Frage auf, ob sich diese Unterbranchen bereits zu gut entwickelt haben, um noch eine vernünftige Investition darzustellen? Daher schauen wir uns einmal genauer an, was die jeweiligen S&P-Aktienanalysten hinsichtlich der Aussichten der vier Unterbranchen auf der Liste dieser Woche zu berichten haben:
Integrierte Erdöl- und Erdgasunternehmen: S&P-Analystin Tina Vital beobachtet die Aktien von international ausgerichteten integrierten Erdöl- und Erdgasunternehmen, die alle Stufen der Prozeßkette des Öl- und Gasgeschäfts abdecken. Ihre Prognose für diese Gruppe der Branchengiganten fällt äußerst positiv aus, denn die meisten haben ihre jüngsten Restrukturierungsprogramme abgeschlossen. Daraus schlußfolgert Vital, daß sich die Konzerne nun auf langfristige Projekte in Tiefseeregionen, in Grenzregionen, die noch ein Wachstum zu erträglichen Kosten ermöglichen, und auf die Herstellung von Flüssiggas konzentrieren werden.
Intergrierte Unternehmen profitieren besonders stark vom hohen Ölpreis ...
Vital geht außerdem davon aus, daß die Großunternehmen auf Grund ihrer Explorations- und Förderungsaktivitäten besonders stark von den hohen Öl- und Gaspreisen profitieren. Gleichzeitig sorgt eine hohe globale Diversifizierung der Geschäftstätigkeit dafür, daß Rohstoffpreisentwicklungen sowie wirtschaftliche und geopolitische Risiken abgemildert werden können. Des weiteren steigern die Unternehmen ihre Investitionen in neue Produktionskapazitäten, um die zurückgehenden Förderraten der bereits ausgebeuteten Öl- und Gaslagerstätten zu kompensieren.
Raffinerie und Vertrieb: Tina Vital analysiert außerdem die Aktien unabhängiger Raffinerien. Für diese Unternehmen fällt ihre Einschätzung ebenfalls gut aus. Während das globale Rohölangebot zwar an sich ausreichen dürfte, um die Nachfrage zu decken, hat sich jedoch das Verhältnis in Richtung der schwereren, stark mit Schwefel angereicherten Ölsorten verschoben (übrigens einer der Hauptverursacher von saurem Regen). Somit ist aus Sicht der Raffinerien eine Loslösung zwischen dem Angebotswachstum von schweren Rohölen als Ausgangsstoff und der Nachfrage nach ihren Light-Sweet-Produkte (mit geringerem Schwefelgehalt) zu beobachten. Wegen der begrenzten Produktionskapazitäten der Raffinerien sowie einem steigenden Angebot von qualitativ niedrigwertigeren Rohölen, geht Vital davon aus, daß die auf schwere Rohöle ausgerichteten Raffinerien nach wie vor von den Abschlägen bei ihren Ausgangsstoffen profitieren werden, so daß die Fundamentaldaten für Raffinerien in den kommenden zwölf Monaten kräftig bleiben.
Bohrung: Aktien von Unternehmen, die Öl- und Gas bohren, werden bei S&P von Stewart Glickman beobachtet. Auch er bescheinigt seinen Aktientiteln positive Aussichten. Glickman führt als Begründung vor allem die zu erwartenden vorteilhaften Fundamentaldaten der Unterbranche sowie die Einschätzung von S&P an, daß die Kapitalausgaben auch weiterhin hoch ausfallen dürften - insbesondere in ausländischen Regionen, in denen Bohrungen zu weitaus niedrigeren Kosten möglich sind. Der nordamerikanische Inlandsmarkt konnte in den vergangenen zwölf bis 18 Monaten eine merkliche Steigerung der Bohraktivitäten verbuchen. Die dazu notwendigen Bohrausrüstungen sind hier extrem rar gesät, so Glickman weiter. Daher ist S&P der Meinung, daß sich die Tagessätze, die die Bohrunternehmen für die Bereitstellung und Bedienung der Ausrüstung verlangen, weiter erhöhen werden.
... aber auch Explorationsunternehmen sollten weiterhin gut abschneiden
Auch im Golf von Mexiko erwartet Glickman einen leichten Anstieg, da sich hier ebenfalls die angespannte Angebotslage auf die Tagessätze für Bohrhubinseln niederschlagen dürfte. Einige dieser Bohrhubinseln können in Gewässern von bis zu 168 Metern Tiefe eingesetzt werden. Die größten Gewinne dürften jedoch durch die Bereitstellung von hochspezialisierten Bohrhubinseln generiert werden. Der Markt für Halbtaucher, die für Bohrungen in Tiefwasserregionen zum Einsatz kommen, zieht ebenfalls weiter an, so daß jüngste Verträge zu vergleichsweise hohen Tagessätzen geschlossen worden sind.
Exploration und Förderung: Die S&P-Unternehmen im Sektor Öl- und Gasexploration sowie -förderung werden von Charles LaPorta, Chartered Financial Analyst (CFA), beobachtet. Seine Prognose für Investitionen in unabhängige Unternehmen der Öl- und Gasexploration und -förderung fällt leicht positiv aus. LaPorta ist der Ansicht, daß die berechtigten Sorgen des Marktes sowohl mit Blick auf die Angebotsseite - z. B. könnten durch die momentanen Unruhen im Nahen Osten, in Rußland und Nigeria Störungen verursacht werden - als auch die Nachfrageseite - hier sei die S&P-Prognose für das amerikanische BIP-Wachstum 2005 in Höhe von 3,7 Prozent genannt - zu kontinuierlich steigenden Ölpreisen geführt haben. Da eine Auflösung dieser belastenden Faktoren nicht in Sichtweite ist, dürfte es den Unternehmen dieses Sektors leicht gelingen, außergewöhnliche Kapitalrenditen zu erwirtschaften.
Damit ist eigentlich auch schon alles gesagt: Sowohl Fundamentaldaten als auch das Momentum bescheren nach Ansicht der S&P-Analysten Unternehmen der Ölbranche in den kommenden zwölf Monaten rosige Aussichten.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |