13.08.2004 · Der Zusammenhang zwischen Aktienkursen und Energiepreisen ist nicht so eng, wie viele denken, so Sam Stovall, Chief Investment Strategist bei S&P. Er empfiehlt trotzdem, die Energiebranche leicht überzugewichten.
Von Sam Stovall, Chief Investment Strategist bei S&PDie Ölpreise scheinen in diesem Jahr der ausschlaggebende Faktor für die Kursentwicklung auf dem Aktienmarkt zu sein. Aber wie groß war der Einfluß der Ölpreise in der Vergangenheit?
Zu Beginn meiner Suche nach einer Antwort auf diese Frage erinnerte ich mich daran, was ein kluger Kopf mir einst gesagt hatte: „Man sollte sich einen Sachverhalt immer erst einmal grafisch veranschaulichen.“
Ölpreise und S&P 500 laufen parallel
Also stellte ich die jüngsten monatlichen Schlußpreise pro Barrel Rohöl der Referenzsorte West Texas Intermediate dem S&P 500 in einer Grafik gegenüber. Auf den ersten Blick sieht es so aus, als würden sich Ölpreise und Aktienkurse langfristig gesehen häufiger parallel als gegenläufig entwickeln. Auf Steigerungen folgen für beide Größen wieder Rückgänge, wobei keiner der beiden Größen dem Anschein nach eine impulsgebende Rolle zukommt. Daraus ließ sich keine Antwort auf meine Frage ableiten.
Da meine Fragestellung jedoch eher die Auswirkungen der Energiepreise auf die Aktienkurse der einzelnen Branchen in den Mittelpunkt stellt, liegt die Antwort vielleicht in einem Vergleich der monatlichen Ölpreis- und Kursänderungen nach Branchen im S&P 500, der gegebenenfalls starke positive oder negative Korrelationen aufzeigt. Da der S&P GICS (Global Industry Classification Standard) erst vor wenigen Jahren eingeführt wurde und daher nur bis 1989 zurückgeht, waren hierbei zwei Schritte erforderlich: Eine Analyse der nicht im GICS erfaßten Branchen von 1974 bis 2001 und eine Analyse der Branchen im GICS von 1989 bis heute.
Korrelation nach Branchen unterschiedlich
Zunächst war ich sehr erstaunt: Ich hatte erwartet, daß die höchsten Korrelationen in energienahen Branchen zu finden sein würden, dabei waren die Korrelationen in diesen Bereichen überraschend niedrig. Geht man davon aus, daß 1,0 und minus 1,0 für eine perfekte positive bzw. negative Korrelation steht und 0,0 keine Korrelation bedeutet, sind die Ergebnisse der ersten fünf Branchen mit 0,27 bis 0,15 nicht sehr beeindruckend. Und außerdem ergab sich bei 83 Prozent der nicht im GICS erfaßten Branchen und bei 86 Prozent der Branchen im GICS ein negativer Zusammenhang mit den Ölpreisen. Die Ölpreisentwicklung hat den Aktienkursen in diesen Bereichen demnach eher geschadet als genutzt.
Die niedrigsten Korrelationen ergaben sich scheinbar logischerweise in Branchen, die Öl oder petrochemische Erzeugnisse direkt benötigen (Autos, Möbel und Textilien) oder die unmittelbar von den Auswirkungen der Inflation oder der entsprechenden Entwicklung des Zinsniveaus betroffen sind (Baumaterial und Wohnungsbau). Aber die Analyse erschien mir noch immer nicht angemessen. Vielleicht fehlte als letzter Ansatz noch eine Berechnung der Kursentwicklung nach Branchen in Phasen von Ölpreisschocks wie wir sie jetzt gerade wieder erleben.
Betrachtet man die Kursentwicklung der Branchen während der Phasen mit hohen Ölpreisen in der Vergangenheit, so haben nicht etwa die Ölunternehmen alleine besonders gut abgeschnitten, sondern die Gesundheitsbranche. Auch die Minen- und Gasunternehmen lagen recht gut im Rennen.
Energiebranche leicht übergewichten
Was soll diese Analyse dem Anleger also sagen? Da wären zwei Dinge: Erstens sollte er daraus ableiten, daß die Kurse in einigen Branchen, wie Erdgas und Öl, in der Regel sehr positiv auf überraschende Ölpreissteigerungen reagieren; das gilt auch für wenig inflationsabhängige Güter wie Metalle. Zweitens ergibt sich, daß eine Korrelation allein noch nicht bedeutet, daß Ursache und Wirkung auch zum Zuge kommen, wie sich am Beispiel der Bereiche Krankenhausmanagement und Halbleiter zeigt, die mit ihrer Kursperformance mit an der Spitze lagen, obwohl sie kaum vom Ölpreis beeinflußt werden. Und schließlich bitten wir die Anleger wie immer darum, die historische Entwicklung lediglich als Anhaltspunkt und nicht als Grundsatz zu sehen, da niemand garantieren kann, daß etwas, das in der Vergangenheit funktioniert hat, dies auch in Zukunft tun wird.
Das Sector Committee von S&P empfiehlt derzeit für Aktien im Bereich Energie eine Übergewichtung. Aber man sollte dabei nicht über das Ziel hinausschießen. Der S&P 1500 Energy Sector-Index repräsentiert im Moment sieben Prozent des S&P 1500. Wir halten daher eine Gewichtung, die wenige Prozentpunkte über der Marktgewichtung liegt, kurzfristig für angemessen. Die genaue Höhe hängt vom einzelnen Anleger ab. Aus verschiedenen Gründen sollten die Anleger aber darauf achten, es nicht zu übertreiben.
Denn erstens sind die Aktien in diesem Bereich in jüngster Zeit ziemlich stark gestiegen. Oft fallen sie nach einer Trendwende aber auch wieder genauso schnell und stark. Zweitens haben die Gewinne der Unternehmen in den vergangenen Quartal rasch und deutlich zugenommen. Dieses Momentum dürfte nicht nur nachlassen, sondern die Gewinne könnten sogar im kommenden Jahr leicht fallen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |