Seit McDonald's am 17. September 2002 völlig unerwartet schwache Same Store Sales (Umsätze der Filialen, die seit mindestens 53 Wochen geöffnet sind) für das dritte Quartal angekündigt hat, ist den Anlegern der Appetit auf Restaurant-Aktien ein wenig vergangen.
Die Branche, die gegen die anhaltende Besorgnis über schwächere Konsumausgaben ankämpft, musste daraufhin starke Aktienverkäufe hinnehmen, die die kürzlich erzielten Kursgewinne wieder zunichte machten. Standard & Poor's (S&P) ist jedoch überzeugt, dass die aktuelle Schwäche einige günstige Kaufgelegenheiten mit sich bringt. Dabei ist ein Name ganz besonders zu berücksichtigen: Wendy's. Die Restaurantkette erhielt mit fünf Sternen das höchste Investment Ranking von S&P.
Wendy's auf Wachstumskurs
Die Wendy's-Gruppe, 1969 von Dave Thomas gegründet, umfasst über 6.000 Restaurants in den USA und in 26 anderen Ländern, sowie über 2.100 Tim Horton's Filialen in den USA und Kanada. Etwa 80 Prozent der Wendy's-Restaurants sowie 96 Prozent der Tim Horton's-Restaurants werden von Franchisenehmern geführt.
Angespornt durch einen ehrgeizigen Expansionsplan und beeindruckende Wachstumsraten der Comparable Store Sales (Umsätze der einheimischen Filialen, die seit mindestens 18 Monaten geöffnet sind), gelingt es Wendy's nach wie vor seinen größeren Wettbewerbern Marktanteile abzunehmen. Laut einer Branchenstudie des Research-Unternehmens Technomic stieg Wendy's Marktanteil am Quick Service Restaurant-Markt (QSR) in den USA im vergangenen Jahr auf 13,2 Prozent, nach 12,7 Prozent 2000 und 12,2 Prozent 1999. Damit konnte im fünften Jahr in Folge eine Zunahme des Marktanteils verzeichnet werden. Das Unternehmen plant für 2002 zwischen 300 und 325 Neueröffnungen von Wendy's-Restaurants.
Vorzeigbares Portfolio unterschiedlicher Restaurantkonzepte
In den ersten sechs Monaten des laufenden Jahres verbuchten die Wendy's-Restaurants eine Zunahme der Same Store Sales um gesunde 6,1 Prozent und lagen damit deutlich vor ihren Wettbewerbern. Die operative Marge der Restaurants erhöhte sich um fast einen ganzen Prozentpunkt, was auf sinkende Lebensmittelpreise, eine verbesserte betriebliche Effizienz sowie eine niedrigere Fixkostenquote, bedingt durch das höhere Umsatzniveau, zurückzuführen war. Obwohl sich die Wachstumsrate der Same Store Sales im August auf 3,3 Prozent verringerte, bleibt das Unternehmen seinen Konkurrenten weit voraus.
Um das Wachstum weiter zu steigern, beschränkt sich Wendy's nicht allein auf den QSR-Markt. Im Juni übernahm das Unternehmen die Restaurantkette Baja Fresh Mexican Grill, die über Franchisenehmer mehr als 170 Restaurants in 16 Staaten unterhält. Mit dieser Akquisition setzt Wendy's einen Fuß in die Tür zum immer wichtiger werdenden „Fast Casual“-Segment, das Speisen höherer Qualität und einen besseren Service zu einem entsprechend höheren Preis anbietet.
Schneller Service und hohe Kundenzufriedenheit
Nach einem Rekordniveau von 41 Dollar im Juni ist die Wendy's-Aktie seitdem um mehr als 20 Prozent gefallen. Dies ist vor allem zurückzuführen auf die Sorge über die allgemeine wirtschaftliche Lage sowie Befürchtung, dass die starken Preissenkungen der Konkurrenten, insbesondere von McDonald's und Burger King, die Unternehmensgewinne belasten könnten. Doch bereits in der Vergangenheit hat Wendy's solche Belastungen gut gemeistert.
Im vergangenen Jahr stieg der Gewinn je Aktie trotz einer Rezession um 15 Prozent. Zudem ist es Wendy's gelungen, sich von seinen Wettbewerbern abzuheben, indem es auf seiner Speisekarte qualitativ höherwertige Gerichte anbietet. Die exzellente Betriebsführung spiegelt sich in einem schnellen Service und einer hohen Kundenzufriedenheit wider.
Hochgesteckte Ziele erreichbar
S&P erwartet für Wendy's im laufenden Jahr ein Umsatzplus von acht Prozent, das in erster Linie von Expansionen und steigenden Same Store Sales getragen wird. Der Gewinn je Aktie dürfte um 18 Prozent von 1,65 Dollar im vergangenen Jahr auf 1,94 Dollar zulegen. Unter der Annahme eines kontinuierlichen Wachstums, insbesondere bei Tim Horton's und Baja Fresh, sowie einer günstigen Entwicklung der Lebensmittelpreise, dürfte der Gewinn je Aktie 2003 um weitere 15 Prozent auf 2,23 Dollar steigen.
Mit den beeindruckenden Restaurantmarken und der bereits unter Beweis gestellten Fähigkeit, die Kosten in Grenzen zu halten, denken wir, dass Wendy's in den nächsten Jahren das obere Ende seines Zielkorridors von zwölf bis 15 Prozent für die jährliche Wachstumsrate des Gewinns je Aktie erreichen dürfte. Mit einem vernünftig bewerteten KGV für 2003 von 14, basierend auf dem momentanen Kurs, wird die Wendy's-Aktie mit einem leichten Aufschlag gegenüber seinen Wettbewerbern sowie einem Abschlag zum Gesamtmarkt gehandelt. Bedingt durch die überlegenen Wachstumsaussichten ist die Aktie jedoch ein sehr attraktiver Wert, so dass wir einen Kauf empfehlen.