11.01.2010 · Der russische Aktienmarkt knüpft im neuen Jahr da an, wo er im Vorjahr mit einem Plus von knapp 129 Prozent aufgehört hat. Nach der Weihnachtspause steigt der RTS Index am ersten Handelstag gleich um 7,6 Prozent.
Wegen der anderen kalendarischen Zeitrechnung war in Russland bis gestern arbeitsfrei. Deswegen wurde der Handel am russischen Aktienmarkt auch erst an diesem Montag wieder aufgenommen. Doch das Warten hat sich gelohnt. Denn gleich zum Auftakt kam es zu einem Kursfeuerwerk.
Der Leitindex RTS stieg um 7,63 Prozent auf 1.554,90 Punkte und der Russian Traded Index (RTX), hinter dem ein von der Wiener Börse kreierter kapitalisierungsgewichteter Preisindex steckt, der aus den umsatzstärksten und höchstkapitalisierten Aktien beseht, die an der MICEX (Moscow Interbank Currency Exchange) gelistet sind, kletterte bis gegen 16.00 Uhr sogar um 9,59 Prozent auf 2.308,02 Punkte.
Auch der Rubel demonstriert Stärke. Im Mittagshandel notierte der Rubel bei 29,4000 je Dollar und damit 2,7 Prozent fester. Die russische Landeswährung verbucht den stärksten Kursgewinn gegenüber dem Dollar seit über einem Jahrzehnt. Zuletzt hatte die Währung im März 1999 einen solchen Sprung gemacht. Zum Euro lag der Rubel 1,6 Prozent im Plus bei 42,6938 je Euro.
Größtes Tagesplus weltweit
Die erwähnten Tagesgewinne bescheren der russische Börse zum Wochenstart das größte Tagesplus unter den Weltbörsen. Der Markt knüpft damit nahtlos an die glanzvolle Vorstellung des Vojahres an, als der RTS ein Plus von 128,6 Prozent einfahren konnte.
Beflügelt wurden die Notierungen im Jahresverlauf von den wieder steigenden Preisen für Öl und Metalle, den beiden Haupt-Exportgütern des Landes. Und das ist auch am Berichtstag wieder die treibende Kraft, nachdem sie der Ölpreis auf ein 15-Monatshoch befestigt hat. Das Barrel Öl wurde in der Spitze zu 83,67 Dollar gehandelt, verglichen mit 79,31 Dollar am 31. Dezember. Seit Februar 2009 hat sich der Ölpreis mehr als verdoppelt, was die Gewinnaussichten für russische Ölexporteure anhebt. In den vergangenen beiden Wochen haben zudem weltweit kalte Temperaturen für eine steigende Nachfrage nach Heizöl gesorgt.
Neben dem Ölpreis stützt auch die gute Stimmung für die hochrentierlichen Schwellenmarktwährungen die Kurse wie den des Rubel, so Stanislaw Ponomarenko, Analyst für festverzinsliche Werte bei ING Groep. Auch nach zehn Zinssenkungen seit April liegen die Leitzinsen in Russland mit 8,75 Prozent deutlich höher als in Amerika, Europa oder Japan.
Gestiegener Ölpreis beflügelt
„Die Aktienkurse heben ab, weil der Ölpreis seit dem letzten Börsenschluss deutlich gestiegen ist“, erläuterte Stratege Andrej Kusnezow von Troika Dialog. Vergangene Woche waren die Märkte in Russland wegen der Neujahrs-Feiertage geschlossen. Die Aktien des weltgrößten Erdgasproduzenten OAO Gazprom und des größten russischen Ölkonzerns OAO Rosneft legten jeweils mehr als sieben Prozent zu. Der Bergbaukonzern OAO GMK Norilsk Nickel profitierte vom steigenden Kupferpreis, die Aktie kletterte elf Prozent.
Ebenfalls auf der Gewinnerseite stand das größte russische Kreditinstitut OAO Sberbank, deren Aktie sich um 5,5 Prozent auf 87,72 Rubel verteuerte. Sie steuert damit auf den höchsten Schluss seit Mai 2008 zu. Der Sberbank kommt der starke Rubel zugute. Steigt die russische Währung, tauschen Russen ihre Ersparnisse nicht mehr so schnell in Fremdwährung um. Das bescherte auch der Aktie der VTB Group einen Kursaufschlag von 9,3 Prozent.
Als Kursstütze erweist sich auch die Hoffnung auf eine konjunkturelle Belebung. Das wäre auch bitter nötig, ist die Wirtschaft doch im Vorjahr vermutlich um 8,7 Prozent geschrumpft. Doch zuletzt zeigten die Zinssenkungen und die gestiegenen Rohstoffpreise Wirkung. Verglichen mit dem Sommerquartal wuchs die Wirtschaftsleistung in den letzten drei Monaten des Vorjahres um 1,9 Prozent. Und für das erste Quartal 2010 haben die Volkswirte bei Renaissance Capital gerade erst ihre Schätzung von plus 6,4 auf 6,7 Prozent angehoben. Für das Gesamtjahr rechnen die Kollegen bei der UBS mit einem Anstieg von 5,6 Prozent.
Bewertung günstiger als an den meisten anderen Schwellenbörsen
Begünstigt wurde der jüngste Kursanstieg auch durch Bewertungsüberlegungen. Speziell nach dem heutigen Kurssprung ist das Kurs-Gewinn-Verhältnis für den Gesamtmarkt auf Basis der von der Unicredit für 2010 erwarteten Gewinne zwar auf rund zehn gestiegen, was historisch gesehen relativ hoch ist. Aber im Vergleich mit anderen Schwellenländer und speziell verglichen mit den anderen BRIC-Staaten Brasilien, Indien und China ist das immer noch relativ niedrig. Außerdem werden den Unternehmen 2010 deutliche Gewinnsteigerungen von im Schnitt 43 Prozent zugetraut.
Solange sich die Risikobereitschaft der Investoren nicht wieder eintrübt und die Rohstoffpreise auf dem aktuellen Niveau bleiben oder vielleicht sogar weiter steigen, stehen die Chancen für zunächst noch weiter anziehende Notierungen an der russischen Börse nicht schlecht. Schließlich fließen beim aktuellen Ölpreis täglich 650 Millionen Dollar statt wie im Vorjahr noch weniger als 400 Mio. Dollar in die Staatskasse und diese Mittel können dazu verwendet werden, die etwas ins Trudeln geratene Wirtschaft zu schmieren.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |