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Rüstungsindustrie Rheinmetall profitiert von Rekordauftrag

06.07.2009 ·  Mit einem Kursgewinn von knapp 4 Prozent reagieren die Aktien von Rheinmetall auf die Mitteilung, sich den größten Einzelauftrag seit Jahrzehnten gesichert zu haben. Der starke Rüstungsbereich kontert die schwache Automobilsparte.

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Mit einem Kursgewinn von knapp vier Prozent auf 32,6 Euro reagieren am Montag die Aktien des Automobilzuliefer- und Rüstungskonzerns Rheinmetall auf die Mitteilung, sich im Rüstungsbereich den größten Einzelauftrag seit dem Zweiten Weltkrieg gesichert zu haben.

Die Bundeswehr bestellte nach Unternehmensangaben 405 Puma-Schützenpanzer im Gesamtwert von 3,1 Milliarden Euro. Die ersten Kampffahrzeuge sollen im kommenden Jahr ausgeliefert werden.

Größter Einzelauftrag seit dem Zweiten Weltkrieg

Der Beschaffungsvertrag sei jetzt beim Koblenzer Bundesamt für Wehrtechnik und Beschaffung unterzeichnet worden. Auftragnehmerin sei die Kasseler PSM GmbH, an der Rheinmetall neben der Münchener Krauss-Maffei Wegmann GmbH & Co. KG zur Hälfte beteiligt sei. Zuvor schon hatte der Haushaltsausschuss des Deutschen Bundestages grünes Licht für den Start der Serienproduktion im derzeit größten europäischen Rüstungsprojekt für die Landstreitkräfte gegeben.

Der Einstieg in die Serienproduktion des Puma unterstreiche die technologische Spitzenposition Rheinmetalls und stelle die überragende Leistungsfähigkeit der deutschen heerestechnischen Industrie insgesamt unter Beweis, erklärte das Unternehmen. Der Serienauftrag sichere wehrtechnisches Know-how in Deutschland und damit eine große Zahl von Arbeitsplätzen auf lange Sicht. Die Entscheidung für den Puma werde weltweit Beachtung finden und die Wettbewerbsposition international stützen, hieß es weiter.

Das deutet darauf hin, dass das Unternehmen mit Folgeaufträgen aus dem Ausland rechnet. Mehr als dreißig Jahre nach Indienststellung des Schützenpanzers Marder begründe der Puma mit seinem erweiterten Leistungsspektrum eine völlig neue Fahrzeugkategorie. Im internationalen Vergleich nehme er die Spitzenposition bei gepanzerten Gefechtsfahrzeugen ein, erklärt das Unternehmen optimistisch. Ob solche Erwartungen sich erfüllen, wird sich erst noch zeigen müssen.

Rüstungsgeschäft kontert den schwachen Automobilbereich

Allerdings reicht der unterzeichnete Auftrag erst einmal, um die angeschlagene Lage des Unternehmens zu stabilisieren. Denn er entspricht in seiner Gesamtheit rund 80 Prozent des Umsatzes, den Rheinmetall im vergangenen Geschäftsjahr nach einem Umsatzrückgang auf 3,87 Milliarden Euro hatte generieren können. Er trägt auch dazu bei, die schwache Entwicklung in der Automobilsparte des Unternehmens zu kontern, die noch im vergangenen Jahr 56 Prozent der Erlöse generiert hatte.

Während im ersten Quartal der Umsatz im Vergleich mit dem Vorjahr um 23 Prozent auf 710 Millionen Euro zurückging, der Auftragseingang um 9,4 Prozent auf 843 Millionen Euro fiel und das Unternehmen tief rote Zahlen schrieb, lag der Auftragsbestand mit 3,8 Milliarden Euro schon im ersten Quartal 16,6 Prozent über dem Vorjahresniveau. Mit dem neuen Großauftrag vergrößert er sich deutlich.

Zusammen mit den rigiden Effizenssteigerungs- und Kostensenkungsprogrammen in der Automobilsparte und der rechtzeitigen Sicherung einer soliden Finanzierungsbasis dürfte das das Unternehmen in die Lage versetzen, die Wirtschafts- und Finanzkrise robust zu meistern. Rheinmetall hat die im Juni 2010 fällige Anleihe über 325 Millionen Euro nach eigenen Angaben vorzeitig refinanziert. Dies geschah durch die Vereinbarung neuer Finanzierungsfazilitäten über insgesamt 350 Millionen Euro mit einer Laufzeit von fünf Jahren. Eine Kombination aus bilateralen Rahmenkreditlinien zweier Banken über 200 Millionen Euro sowie mehrerer Schuldscheindarlehen von diversen Investoren über 150 Millionen Euro sicherten zusammen mit den übrigen Finanzierungsbausteinen die langfristige Liquiditätsversorgung des Rheinmetall Konzerns, heißt es.

Der Markt rechnet zwar im laufenden Jahr mit einem Verlust, allerdings im kommenden wieder mit einem soliden Gewinn von mehr als drei Euro je Aktie. Auf dieser Basis scheint die Aktie mit einem Kurs-Gewinnverhältnis von 10,4 vernünftig bewertet zu sein, nachdem sich ihr Kurs nach einem massiven Rückschlag in den vergangenen Monaten schon wieder beinahe verdoppelt hat. Absicherungsstrategien können beim Kauf der Papiere trotz der mittelfristigen Aufwärtstrends grundsätzlich nicht schaden.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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