08.08.2005 · Der Industriegüterkonzern Rheinmetall hat am Montag solide Zahlen für das erste Halbjahr vorgelegt. Im Detail besser als erwartet, sind sie nicht wirklich überraschend.
Warum die Zahlen für das erste Halbjahr schlechter als im Vorjahr sind, aber eigentlich besser, erklärte der Industriegüterkonzern Rheinmetall am Montag erfolgreich den Anlegern. Nach ersten Kursverlusten ging es für die Aktie bis zum Mittag rund 3,5 Prozent nach oben auf 45,50 Euro. Damit konnte das Papier wenigstens einen Teil seiner Kursverluste der letzten Tage wieder wettmachen.
Rheinmetall hat im ersten Halbjahr wie erwartet weniger verdient als im Vorjahr. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) sei vor allem wegen des Teilrückkaufs einer Anleihe auf 72 Millionen Euro von 89 Millionen im Vorjahr gesunken. Analysten hatten mit einem leicht höheren Wert von 73,9 Millionen Euro gerechnet.
Gewinn gesunken, aber gestiegen
Nach Ausklammerung von außerordentlichen Erträgen und Aufwendungen - vor allem die im Vorjahr ausgewiesenen Ergebnisse von mittlerweile veräußerten Unternehmen wie der Elektroniktochter Hirschmann - stieg das Ebit aber auf 83 Millionen von zuvor 77 Millionen Euro. Die bereinigte Ebit-Rendite habe sich damit auf 5,1 von 4,8 Prozent erhöht.
Der Umsatz lag zum Halbjahr mit 1,617 Milliarden Euro leicht unter dem des Vorjahres, als er sich auf 1,621 Milliarden belaufen hatte, aber über den Erwartungen der Analysten von 1,59 Milliarden. Um die Desinvestitionen bereinigt habe sich jedoch ein organisches Wachstum von 79 Millionen Euro ergeben.
Das Konzernergebnis in den ersten sechs Monaten ist von 41 auf 34 Millionen Euro - Analysten hatten mit einem Sinken auf 32 Millionen gerechnet. Doch dies ist wiederum auf eine verbesserte Verschuldungsstruktur zurückzuführen. Im Frühjahr hatte Rheinmetall eine Unternehmensanleihe vorzeitig zurückgekauft, um später eine zinsgünstigere zu begeben. Die Kosten für den Rückkauf bezifferte der Konzern auf sieben Millionen Euro.
Automobil hält sich, Rüstung stark
Gut schlug sich angesichts der schwierigen Marktsituation der Autozulieferungssparte. Während die Autoproduktion weltweit in der ersten Jahreshälfte nur um ein Prozent wuchs, erhöhte die Zuliefersparte von Rheinmetall den Umsatz um drei Prozent auf 1,03 Milliarden Euro. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) lag bei der Auto-Tochter Kolbenschmidt Pierburg mit 68 Millionen um sieben Millionen niedriger als im Vorjahr. Doch auch hier hatte seinerzeit ein Veräußerungsgewinn von neun Millionen Euro das Ergebnis in die Höhe getrieben.
Die Rüstungssparte verbuchte mit einem Ebit von 16 Millionen Euro eine deutliche Steigerung gegenüber dem Vorjahr um 128 Prozent. Der Umsatz legte um 45 Millionen auf 582 Millionen Euro zu. Dabei berücksichtige die Ergebnisentwicklung noch nicht, daß in der Sparte der Umsatz- und Gewinnschwerpunkt üblicherweise in der zweiten Jahreshälfte liege, erklärte das Unternehmen. Hierzu hätten vor allem die Segmente Elektronik mit einem Gewinnplus von 21 Prozent und Luftverteidigung mit einer Ebit-Steigerung von 13 Prozent beigetragen.
Deutlich verbesserte zeigte sich der Auftragseingang. Die Bestellungen kletterten in den sechs Monaten um 22 Prozent auf 1,92 Milliarden Euro, vor allem durch Großaufträge wie etwa der Bestellung von 32 ABC-Spürpanzern aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, aber durch Orders für die Vorserie des neuen Schützenpanzers Puma und neu entwickelte Panzermunition.
Für das zweite Halbjahr rechnet Rheinmetall daher mit weiteren Gewinnverbesserungen und bestätigte die Prognose für das Gesamtjahr. „Im Bereich Automotive wollen wir das gute Vorjahresniveau beim Ergebnis wieder erreichen und im Defence-Bereich deutlich zulegen“, erklärte Vorstandschef Klaus Eberhardt.
Langfristig positive Stimmung für Aktie
Die Neustrukturierungsmaßnahmen bei Rheinmetall in den vergangenen Monaten haben offenbar nachhaltig für eine bessere Entwicklung des Konzerns gesorgt. Besondere Lust auf Mehr macht der Auftragseingang, der sich stark entwickelt hat. Der Rüstungsbereich läuft fraglos gut, wohingegen noch offen ist, inwieweit auch der Bereich Automobilzulieferung seine Chancen nutzen kann. Zwar stimmt der Auftragseingang optimistisch, doch hängt viel davon ab, ob Kolbenschmidt Pierburg auch weiter der weltweiten Eintrübung der Autobranche trotzen kann. Sollte die Sparte beginnen zu schwächeln, wird sie die Entwicklung bei Rheinmetall eher hemmen.
Auf Basis der Prognosen für das laufende Geschäftsjahr ist die Rheinmetall-Aktie mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) von 13 und 11,5 für das kommende Jahr moderat bewertet. Das liegt nicht zuletzt daran, daß sie nachdem sie am 28. Juli ein Allzeithoch bei 46,63 Euro erreichte, etwas zurückgekommen ist. Dennoch darf man nicht übersehen, daß das Ppaier charttechnisch in einem langfristigen, nunmehr zweieinhalb Jahre anhaltenden Aufwärtstrend liegt, der nach wie vor ungebrochen ist.
Indes droht die Aktie den Unternehmenszahlen etwas davonzulaufen. Denn große Sprünge sind von Rheinmetall bei Umsatz und Ertrag nicht zu erwarten - und daher sollten sie es eigentlich auch nicht von der Aktie sein. Indes ist nach den Zahlen vom Montag die Stimmung für die Aktie weiter gut und so kann sie noch ein bißchen weiter laufen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |