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Biz Stone kommt zurück : Gründer-Bonus hilft Twitter-Aktie nicht

Bild: Reuters

Mit Biz Stone kehrt der zweite Gründer zum strauchelnden Unternehmen Twitter zurück. Der Aktienkurs reagiert nur kurzfristig.

          Spätestens sei Steve Jobs und Apple haftet der Rückkehr von Gründern in ihre Unternehmen etwas Mythisches an. Wenigstens latent schwingt die Erwartung mit, der einst Erfolgreiche vermöge das zu vollbringen, was seinen Nachfolgern und Vorgängern nicht gelungen ist.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Neuestes Beispiel ist der Kurzbotschaftendienst Twitter. Dessen Aktienkurs war nach dem Börsengang von 73,31 Dollar in der Spitze bis aus 14 Dollar im vergangenen Jahr gefallen. Jetzt kehrt offenbar Mitgründer Biz Stone zurück. Der 43-Jährige sagte am Dienstag, er werde in einigen Wochen wieder im Einsatz sein, und zwar in Vollzeit. Der Kurs der Twitter-Aktie machte einen Satz von 3 Prozent nach oben.

          Twitter

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          Twitter-Chef Jack Dorsey, der 2006 ebenfalls zu den Gründern gehörte und 2015 wieder die Geschäftsführung übernommen hatte, schrieb in einem Tweet: "Aufgeregt, Biz's Energie und Herz wieder bei Twitter zu haben." Stone hatte das Unternehmen Mitte 2011 verlassen, als die Geschäftsführung ausgetauscht wurde und hatte gemeinsam mit einem weiteren Twitter-Gründer, Evan Williams, die Bürgerjournalismus-Plattform Medium gegründet. Jetzt schrieb Stone in einem Blog, er habe Medium verkauft.

          Die Hoffnung, ein Gründer werde das Unternehmen zu neuer oder alter Größe führen können, ist nicht ganz unberechtigt. Sie kennen das Unternehmen und kommen doch mit einem frischen Blick. Das kann helfen, hilft aber nicht immer. Zynga-Gründer Marc Pincus scheiterte an der Aufgabe nach nur elf Monaten ebenso wie Yahoo-Gründer Jerry Yang nach 17 Monaten. In beiden Fällen erwiesen sich die Probleme der Unternehmen als hartnäckiger. Das gilt besonders für Yahoo, das unter Yang noch sieben Milliarden Dollar umsetzte und Gewinn machte. Heute sind es noch fünf Milliarden und Yahoo schreibt rote Zahlen.

          Bei Biz Stone sind die Anleger letztlich auch zurückhaltend. Nachdem die erste Aufregung verfolgen war, sank der Kurs wieder, so dass am Ende ein Plus von noch 1,3 Prozent blieb. Nachbörslich löste sich der Zuschlag fast gänzlich in Wohlgefallen aus, während die Aktie in Deutschland am Mittwoch kaum verändert tendiert.

          Das könnte womöglich daran liegen, dass auch die Probleme von Twitter zu hartnäckig sein könnten als dass Biz Stone der Durchbruch gelingt. Schon Jack Dorsey war es seit seiner Rückkehr 2015 nicht wirklich geglückt, Twitter zu einem hinreichend ertragbringenden Unternehmen zu machen.

          Fallende (Werbe-)Erlöse

          Aller Begeisterung zum Trotz, dass die Zahl der monatlichen aktiven Nutzer im ersten Quartal um neun Prozent auf weltweit 328 Millionen wuchs, ist Twitters Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um acht Prozent auf 548 Millionen Dollar gesunken. Das war zudem der niedrigste Wert seit fast zwei Jahren. Mit einer Marge von 2,7 Prozent im operativen Geschäft brachte das zwar Gewinn, doch ist dieser schlicht armselig.

          Vor allem aber fielen die Werbeerlöse, die 86 Prozent der Erlöse ausmachen, um sogar elf Prozent. Der etwas niedrigere Betriebsverlust resultiert daher aus Kosteneinsparungen, vor allem im Verkauf und Marketing, aber auch in Forschung und Entwicklung. Ob das angesichts eines Erlösproblems zukunftsweisend ist, daran darf man zweifeln.

          Die Anleger hätten gern Antworten auf diese Fragestellung. Doch die werden sie von Biz Stone wohl nicht bekommen. Er werde sich in der Hauptsache darum kümmern, die Unternehmenskultur zu lenken, die Energie, das Gefühl, schreibt Stone. Auch Jack Dorsey sehe dort Stones Rolle. Jeder müsse seine Rolle und die Bedeutung von Twitter verstehen. Er werde das intern schärfen, damit es auch draußen fühlbar werde.

          Bereinigt oder nicht?

          Die zu Kurssprüngen neigende Twitter-Aktie hatte seit der Vorlage der Quartalszahlen Ende April einen guten Lauf und legte seitdem um knapp ein Drittel zu. Technisch sieht die Lage recht interessant aus, da die Notierung die 200-Tage-Linie nach oben durchbrochen hat.

          Fundamental jedoch ist die Aktie für das laufende Jahr mit dem 61- und für das kommende Jahr mit dem 50-fachen des Reingewinns bewertet. Als ob das nicht schon teuer genug wäre, handelt es sich dabei um den um die hohen Ausgaben für die Entlohnungen durch Aktienoptionen bereinigten Gewinn.

          Das macht viel aus, denn der bereinigte Gewinn je Aktie ist 80 Cents höher. Oder: Es wird mit einem bereinigten Gewinn von 233 Millionen Dollar gerechnet und einem ausgewiesenen Verlust von 363 Millionen.

          Das wirft auch wieder die Frage nach dem praktischen Nutzen dieser Prognosen auf: Der bereinigte Nettoertrag fiele auf diese Weise gegenüber dem Vorjahr um mehr als 40 Prozent, der ausgewiesene Verlust wäre aber um 20 Prozent niedriger.

          Inwieweit die Bereinigungen korrekt sind und Aktienoptionen auf die Profitabilität Einfluss haben ist Gegenstand eines langen Streits. Jedenfalls verwässern sie den zukünftigen Gewinnanspruch. Und da sie mit ihrem Wert in die Bereinigung eingehen, aber bei Berechnung der Verwässerung nur ihre Stückzahl, gehen einige Analysten davon aus, dass diese Bereinigung ein verfälschtes Bild liefert.

          Ob Twitter selbst den unbereinigten niedrigeren Verlust erreichen kann, muss sich zudem erst noch zeigen. Ob Biz Stone das erreichen kann, ist auch nicht sicher. Denn so schnell wird sich eine verbesserte Kultur nicht niederschlagen.

          Quelle: FAZ.NET

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