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Royal Bank of Scotland Britische Regierung hofft auf Staatsfonds

London lotet das Interesse der Investoren an der Royal Bank of Scotland aus. Abu Dhabi gilt als Kandidat für eine Beteiligung. Doch der Einstieg in den Bankensektor will wohlüberlegt sein.

© dapd Vergrößern Die Scheich-Zayed-Moschee im reichen Abu Dhabi: Das Emirat beteiligt sich auch an Banken

Die Londoner City schwelgt in der Erwartung, die Regierung könnte ein Drittel ihrer Staatsbeteiligung an der Royal Bank of Scotland (RBS) verkaufen und sich dabei mit dem Großinvestor Abu Dhabi einigen. Dies würde dann den Reigen von Beteiligungsverkäufen im Bankensektor einleiten. Die Realität ist, dass die britische Regierung mit Präsentationen bei Großinvestoren, darunter Investoren im Nahen Osten und in Abu Dhabi, offenbar um künftige Beteiligungen wirbt und das Investoreninteresse auslotet.

Die britische Regierung würde nichts lieber tun, als zumindest einen Teil ihrer Staatsbeteiligung von 83 Prozent an der RBS und 40 Prozent an der Lloyds Banking Group schrittweise abzustoßen. Doch noch sitzt der britische Staat mit seinem ehemaligen Investment von 45,5 Milliarden Pfund an der RBS auf einem Verlust von 20 Milliarden Pfund, denn der Aktienkurs der Bank notierte bisher mit 27 Pence je Aktie deutlich unter dem durchschnittlichen Kaufpreis der Regierung von 50,2 Pence je Aktie. Am Dienstag stieg der Kurs angesichts der Verkaufsgerüchte um bis zu 6 Prozent auf zeitweilig über 29 Pence je Aktie.

Der größte Staatsfond der Welt

Für Großinvestoren wie die Herrscher-Familie von Abu Dhabi oder gar den von ihr gesteuerten Staatsfonds, die Abu Dhabi Investment Authority, sind günstig erworbene Beteiligungen an westlichen Banken ein Baustein in ihrem Portfolio. Die Abu Dhabi Investment Authority ist mit 627 Milliarden Dollar verwaltetem Vermögen der größte Staatsfonds der Welt. Abu Dhabi hat Barclays auf dem Höhepunkt der Bankenkrise mit einer Blitzinvestition geholfen, der staatlichen Hilfe aus dem Wege zu gehen. Doch das Engagement von Abu Dhabi verärgerte Altaktionäre von Barclays, da dem Investor extrem günstige Sonderkonditionen eingeräumt worden waren und sich Abu Dhabi - entgegen anfänglichen Versprechen - schnell mit Gewinn wieder von dem Großteil seines Investments trennte.

Das Geschick und Ungeschick der Staatsfonds in der Bankenkrise hat gezeigt, wie wohlüberlegt der Einstieg in den Bankensektor sein muss. Der mit 157 Milliarden Dollar verwaltetem Vermögen zweitgrößte Staatsfonds von Singapur, Temasek Holdings, war in der Bankenkrise zu früh in Barclays und Merrill Lynch eingestiegen und erlitt nach der sich 2008 und 2009 verschärfenden Krise 5 Milliarden Dollar Verlust auf die beiden Engagements. Seither hat Temasek den Anteil an Finanzinvestitionen am Gesamtportfolio auf 36 Prozent zurückgefahren. Der Staatsfonds sieht sich zudem Vorwürfen ausgesetzt, das Risikomanagement vernachlässigt zu haben. Die seit zehn Jahren von Ho Ching, der Ehefrau des Premierministers, geführte Anlagegesellschaft verfügt über keine unabhängige Risikokontrolle auf der Ebene des Verwaltungsrats.

Aber Temasek zeigt, wie wichtig es für Staatsfonds ist, über ein gutes Risikomanagement zu verfügen, den Einstieg in Investments zum richtigen Zeitpunkt vorzunehmen, sich mit den Investments nicht zu verzetteln und über hochkarätiges Fachwissen zu verfügen, gerade weil die Staatsfonds global investieren und ihren Blick auf Märkte wie Europa, Südamerika und Afrika richten, in denen ihr Management und ihre Mitarbeiter nicht zu Hause sind.

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Die europäischen Banken sind theoretisch billig, befinden sich aber in einem tiefgreifenden Umstrukturierungsprozess, der im Moment kaum eine Bank so tiefgreifend erfasst wie die RBS. Der Vorstandsvorsitzende der Bank, Stephen Hester, sähe es gern, wenn er während der Umstrukturierung nicht ununterbrochen den Staat, die Öffentlichkeit und den Steuerzahler im Nacken sähe. Und die Regierung wäre erleichtert, wenn sie sich gegenüber der Öffentlichkeit und dem Steuerzahler nicht jedes Jahr für Bonuszahlungen und Gewinne verstaatlichter Banken rechtfertigen müsste.

Schatzkanzler George Osborne wurde schon dafür kritisiert, dass er Northern Rock mit einem Verlust an Virgin Money verkauft hat. Er hofft, dass der Erfolg der Umstrukturierung den Aktienkurs von RBS heben wird. Die Belastungen britischer Banken aus der schwachen Konjunktur und aus der Überregulierung versprechen allerdings keine zügige Erholung der Bankbewertungen. Die offizielle Sprachregelung der britischen Regierung lautet, verkauft werde dann, wenn es sich für den Steuerzahler rechne. Das tut es jetzt auf jeden Fall nicht, und so wäre ein Verkauf an einen Staatsfonds nicht vor Ende des Jahres, möglicherweise nicht einmal vor Ende kommenden Jahres spruchreif, mahnen Kritiker in der Londoner City.

Quelle: F.A.Z.

 
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Veröffentlicht: 27.03.2012, 19:35 Uhr

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