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Veröffentlicht: 09.11.2012, 06:30 Uhr

Rohstoffunternehmen Minenaktien in der Talsohle

Die Papiere von Rohstoffunternehmen haben zuletzt an Wert verloren. Jetzt bieten viele Aktien günstige Einstiegsmöglichkeiten. Analysten sagen außerdem ein Anziehen der Konjunktur voraus.

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© AFP Eisenerzmine von Rio Tinto in Australien: Zieht die Nachfrage nach Eisenerz an, hat die Aktie großes Potential

Es könnte das letzte Großprojekt für eine lange Zeit sein: Die Kupfer- und Goldmine Oyu Tolgoi des Bergbaukonzerns Rio Tinto in der Mongolei hat die letzte große Hürde genommen. Wie der Konzern bekanntgab, steht nun die Stromversorgung für das Minenprojekt. Damit kann die Produktion im ersten Halbjahr 2013 aufgenommen werden, wie der Vorstandsvorsitzende von Rio Tinto Copper, Andrew Harding, sagte.

Franz Nestler Folgen:

Wenn Anleger aber ansonsten den Verantwortlichen der Minenbranche zuhören, können sie eher Angst bekommen: Von Einsparungen ist die Rede. Und Projekte werden verschoben oder sogar abgesagt. Jüngst verschob der weltgrößte Förderer BHP Billiton die 20 Milliarden Dollar schwere Expansion seines Kupferprojekts Olympic Dam und überprüft alle Investitionen bis 2013. Grund ist die schwierige konjunkturelle Weltlage. Dazu verkündete der australisch-britische Konzern in seinem Halbjahresbericht, dass der Gewinn um 20 Prozent gefallen ist. Konkurrent Vale aus Brasilien verkündete für das dritte Quartal sogar einem um zwei Drittel eingebrochenen Gewinn auf 1,67 Milliarden Dollar. Auch andere Unternehmen vermelden schlechte Nachrichten: Anglo American schraubt seine Konzernausgaben von 7 Milliarden Dollar auf 5,5 Milliarden Dollar runter, Xstrata will die Kosten um eine Milliarde Dollar senken.

Die Branche steht schon länger schlecht da

Kaum ein Geschäft ist so anfällig für Konjunkturschwankungen wie die Rohstoffbranche - zuletzt waren Industriemetalle kaum gefragt. Die Schuldenkrise in Europa, die schwächelnde chinesische Wirtschaft und die kraftlose Konjunktur in den Vereinigten Saaten haben die Weltwirtschaft stark belastet. Schon befürchteten Anleger und Investoren, dass der von den wachsenden Schwellenländern angetriebene Rohstoffsuperzyklus ausläuft. Auch deshalb waren die zyklischen Rohstoffwerte zuletzt kaum gefragt. Dadurch sind viele Aktien momentan aber niedrig bewertet und bieten Anlegern gute Einstiegsmöglichkeiten.

Infografik / Minenaktien Kursverlauf ausgewählter Minenaktien seit Anfang März © F.A.Z. Bilderstrecke 

„Die Branche ist stark fragmentiert, und es herrscht großer Konsolidierungsdruck, um die Kosten zu senken und die eigene Preissetzungsmacht zu stärken“, sagt Ingo Schmidt, Analyst bei der Haspa. So plant der weltgrößte Rohstoffhändler Glencore, den Minenkonzern Xstrata zu übernehmen - spätestens am 22. November soll darüber entschieden werden. Damit würden vom Abbau der Rohstoffe bis hin zum Handel und Vertrieb alle Wertschöpfungsstufen in einer Hand liegen. Diese Übernahme dürfte nicht die letzte sein, da viele Unternehmen aktuell niedrig bewertet sind. Die Branche steht schon länger schlecht da. In den vergangenen zehn Jahren lag das durchschnittliche Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) bei 10. Aber gerade große Konzerne haben für 2013 ein gutes KGV prognostiziert.

Nummer 1 in der Branche ist ganz klar BHP. „Sie sind breit diversifiziert und haben ein starkes zyklisches Element“, sagt etwa Olivier P. Müller, Analyst bei der Credit Suisse. Die Schweizer Bank stuft die Aktie deshalb als sehr attraktiv ein und setzt ein Kursziel von 24 britischen Pfund. Andere Analysten sind da deutlich misstrauischer: 29 in der Finanzagentur Bloomberg verzeichnete Analysten sehen einen Zielkurs auf zwölf Monate von etwa 21,10 Pfund. 16 empfehlen die Aktie zu kaufen, 12 weitere, sie zu halten, und weitere 3, sie sogar zu verkaufen. Aktuell notiert die Aktie bei etwa 19,75 Pfund und für nächstes Jahr wird ein KGV von 12,1 prognostiziert. Der Branchendritte Rio Tinto ist dagegen sehr stark vom Eisenerz abhängig. Der Wert sei zwar riskant für Anleger, bietet aber auch große Chancen. So ist die Credit Suisse sehr optimistisch und setzt ein Kursziel von 45 Pfund bei einer aktuellen Notierung von 31,20 Pfund. Zieht die Nachfrage nach Eisenerz an, hat die Aktie großes Potential. „Sie fahren eine eher aggressive Strategie und haben außerdem eine hohe Kapital- und Kostendisziplin“, so Müller. Außerdem beobachte man eine höhere Eisenerznachfrage. 24 Analysten empfehlen die Aktie zum Kauf, sehen aber einen nicht so hohen Zwölf-Monats-Zielkurs von nur 37,50 Pfund.

Nicht alle Unternehmen haben gute Aussichten

Zurückhaltender sind die Analysten beim brasilianischen Konzern Vale. Für diesen wird zwar nur ein KGV von 8,2 prognostiziert, dafür aber ein Zielkurs von 23 Dollar bei einem aktuellen Kurs von etwa 18,50 Dollar. Trotzdem setzt die Credit Suisse aus Bewertungsgründen die Aktie auf neutral. „Vale ist zwar zyklisch gut zu bewerten, der Einstieg auf dem aktuellen Preisniveau ist für Anleger aber wenig attraktiv“, sagt Analyst Müller. 15 weitere bei Bloomberg verzeichnete Analysten empfehlen die Aktie zum Kauf, 13 zum Halten und 2 weitere zum Verkaufen.

Aber nicht alle Unternehmen haben gute Aussichten. Besonders negativ wird aktuell Anglo American bewertet. Bei einem aktuellen Kurs von 18,90 Pfund setzen die Analysten einen Zwölf-Monats-Zielkurs von 20,90 Pfund. Der südafrikanisch-britische Konzern ist zwar ähnlich breit diversifiziert wie BHP, hatte aber zuletzt mit großen Problemen zu kämpfen. So setzt der Minenstreik in Südafrika einer Tochtergesellschaft stark zu. „Zudem kämpft sie mit operativen Problemen im Zuge der Restrukturierung“, sagt Müller. Daher sei die Aktie momentan zu teuer. Nun ist Anglo American selbst ein Übernahmekandidat geworden: Interessent ist angeblich Glencore beziehungsweise der neue Super-Konzern Glencore-Xstrata.

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Quelle: F.A.Z.

 

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