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Rohstoffe Trotz Konjunkturflaute steigen die Rohstoffpreise

 ·  Es ist paradox! Die Konjunktur lahmt und trotzdem klettern die Preise für Rohstoffe. Wenn es so weiter geht, sogar so stark wie seit 1983 nicht mehr.

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Die Rohstoffpreise steigen wie seit 19 Jahren nicht mehr. Ein Ende der Rally ist
nicht in Sicht, sagen Analysten und verweisen auf die aktuelle Entwicklung bei Mais, Soja, Baumwolle, Gold und Öl.

Der Reuters Commodity Research Bureau Index, der 17 Rohstoffe umfasst, stieg am Freitag letzter Woche 1,79 auf 219.20 Punkte, der höchste Stand seit Mai 2001. Seit Jahresanfang hat die Benchmark 15 Prozent zugelegt und nimmt Kurs auf den größten Anstieg seit 1983. Bergauf ging es auch mit dem auf Energie und Industriemetalle ausgerichteten Goldman Sachs Commodity Index. Das Barometer ist in diesem Jahr 27 Prozent gestiegen.

Sinkende Vorräte

„Die Preise spielen verrückt", beobachtet Gilbert Raske von JGC International LLC. Das Unternehmen mit Sitz in Chicago ist auf den Export von Getreide, Düngemittel, Kohle und Heizöl spezialisiert. „Unsere Kunden sind aggressiver geworden, wenn es darum geht, die Lagerbestände zu erhöhen." Die dreimonatige Dürre im Mittleren Westen der USA hat den Preis für Getreide deutlich angehoben. Mais ist seit Jahresanfang 28 Prozent teurer geworden, Sojabohnen verzeichnen ein Plus von 29 Prozent.

Vor allem die hohe Nachfrage aus dem Ausland, wo viele Verarbeiter ihre Silos rechtzeitig auffüllen wollen, hielt die Preise auf hohem Niveau, sagen Händler. „Die Rohstoffpreise steigen, weil die Vorräte zur Neige gehen", erklärt Paul Kasriel, Chefvolkswirt bei Northern Trust Securities in Chicago. „Im nächsten Jahr dürften die Preise weiter klettern."

Baumwolle ist in diesem Jahr 31 Prozent im Preis gestiegen. Die Jeanspreise dürften trotzdem noch mindestens ein Jahr konstant bleiben, schätzen Marktteilnehmer. Cone Mills Corp., der weltgrößte Hersteller von Jeansstoffen, hatte sich letztes Jahr mit Baumwolle eingedeckt, als der Preis auf dem tiefsten Stand seit 29 Jahren war. Dadurch konnten die Kosten um ein Drittel gesenkt werden, berichtet Scott Wenhold, Treasurer des Unternehmens aus Greensboro im US-Bundesstaat North Carolina. „Wir haben uns immer für zwölf Monate abgesichert."

Konjunkturflaute als größte Gefahr für den Preisanstieg

Nur wenige Verarbeiter, die für ihre Rohstoffe tiefer in die Tasche greifen müssen, waren in der Lage, die Mehrkosten durch höhere Preise für ihre Produkte auf ihre Kunden abzuwälzen. Im zweiten Quartal ging das US-Wirtschaftswachstum auf 1,1 Prozent zurück, nach einem Anstieg um fünf Prozent im ersten Quartal. Die Konjunkturflaute hält viele Unternehmen davon ab, die Preise zu erhöhen. Sie befürchten, dadurch Kunden zu verlieren, sagen Analysten. „Wenn etwas die Rohstoffrally bremsen kann, dann ist es die schwache Weltwirtschaft", meint William Byers, Geschäftsführer von Bear, Stearns & Co. in New York.

Placer Dome Inc., der weltweit sechstgrößte Goldproduzent, will die für Termingeschäfte vorgesehen Produktion um 20 Prozent reduzieren. Über Termingeschäfte sichern sich Goldproduzenten gegen Preisschwankungen ab. Damit müssen sie keine Einbußen befürchten, von einer Rallye können sie aber auch nicht profitieren. Gold, ein sicherer Hafen für gebeutelte Aktionäre, ist seit Jahresanfang 13 Prozent teurer geworden. Bis Jahresende dürfte sich dieser Trend fortsetzen, „denn im Westen steht Weihnachten vor der Tür und in Indien beginnt die Hochzeitssaison", erklärt Wayne Murdy, Chairman und Vorstandsvorsitzender von Newmont Mining Corp., gegenüber Bloomberg TV. Newmont ist der weltgrößte Goldproduzent.

Kriegsangst treibt den Ölpreis nach oben

Beim Rohöl spielen politische Gründe eine tragende Rolle. Das schwarze Gold ist in diesem Jahr 46 Prozent im Preis gestiegen. Spekulationen, dass ein US-Militärschlag gegen den Irak die Lieferungen aus dem persischen Golf unterbrechen könnte, trieben den Preis im August auf ein 18-Monatshoch von über 30 Dollar pro Barrel. Die so genannte Kriegsprämie wird auf bis zu acht Dollar geschätzt, sagen Analysten. „Bei einem Preis von 29 Dollar pro Barrel haben vielleicht vier bis fünf Dollar psychologische Gründe", beschreibt James Burkhard, stellvertretender Direktor von Cambridge Energy Research Associates in Boston.

Das nächste Treffen der Organisation Erdöl exportierender Länder (OPEC) ist für den 19. September im japanischen Osaka vorgesehen. Auf der Agenda steht die Förderquote für die letzten drei Monate des Jahres. Saudi-Arabien, der weltgrößte Ölproduzent und einflussreichstes Mitglied des Ölkartells, will die Fördermenge erhöhen. Das könnte die Rally stoppen, sagen Analysten.

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