06.02.2003 · Die Preise vieler physischer Rohstoffe sind zuletzt stark gestiegen. Doch die Rohstoffaktien haben diesen Anstieg nicht nachvollzogen. Dadurch hat sich Nachholpotenzial aufgebaut.
Der Trend hin zu steigenden Rohstoffpreisen wird in den Finanzmedien von oben nach unten wiedergekaut. In der Tat ließ sich mit Gold, Platin oder Eisenerz zuletzt richtig gutes Geld verdienen. Auch der Rohstoff-Index CRB hat es seit Anfang 2001 auf ein Plus von über 20 Prozent gebracht. Und wer zum Tanken an die Zapfsäule fährt, dem bleibt auch das hohe Niveau der Ölpreise nicht verborgen.
Allerdings wäre es bisher nur bedingt die richtige Entscheidung gewesen, sich für die hohe Benzinrechnung über den Kauf von Rohstoffaktien schadlos halten zu wollen. Denn abgesehen von den Goldminen und einigen wenigen anderen Ausnahmen sind diese Titel zuletzt den Erwartungen nicht gerecht geworden.
Ja gut, Ölaktien schlagen sich beispielsweise schon drei Jahre besser als der Gesamtmarkt. Unter dem Strich sitzt der Anleger aber auch hier auf Verlusten. Wie wenig überzeugend es im Grunde gelaufen ist, zeigt die Bilanz der Rohstofffonds (siehe unten angehängte Tabelle). Über alle Laufzeiten hinweg stehen hier fast immer Minuszeichen zu Buche. So haben diese Branchenfonds seit einem Jahr im Schnitt über 19 Prozent verloren und selbst im Januar büßten sie 3,31 Prozent ein.
Angst vor bald wieder fallenden Rohstoffpreisen überwiegt
Für den laienhaften Beobachter, für den die Gleichung gilt, steigende Rohstoffpreise ist gleich steigende Rohstoffaktien, tut sich dadurch ein Rätsel auf. In ihren Erklärungsversuchen landen die Experten dabei immer wieder bei den gleichen Ansätzen. Stellvertretend für die allgemein vorherrschende Marktmeinung erklärt Johann Fürstenberger, Fondsmanager des Activest Geotech-Fonds: „Rohstoffaktien können sich eben nicht der insgesamt negativen Marktverfassung entziehen. Rund zwei Drittel ihrer Kursbewegungen hängen an der allgemeinen Aktienmarktentwicklung.“
Das bestätigt auch Martin Siegel, Fondsmanager des PEH Q Goldmines, und er ergänzt, dass die Aktienkurse auch durch die Angst der Anleger vor bald wieder fallenden Rohstoffpreisen am Steigen gehindert würden. So lautet allgemein die Argumentation, dass nach einem Ende des Irak-Konflikts nicht nur der Goldpreis, sondern vor allem der Ölpreis wieder deutlich fallen wird.
Allerdings stellt sich zum einen die Frage, ob die Preise wie erwartet überhaupt fallen werden, auch wenn eine entsprechende Entwicklung nach dem ersten Golfkrieg dafür zu sprechen scheint. Zum anderen stecken inzwischen bereits deutliche Preisabschläge in den Aktienkursen drin. „So glaubt Fürstenberger, dass „die Ölaktien einen Rückfall beim Ölpreis auf 15 bis 16 Dollar diskontieren.“ Genau in Abschlägen wie diesen spiegelt sich die allgemein unter den Anlegern zu beobachtende Risikoaversion wider. Man hat nach drei Jahren im Bärenmarkt einfach das Zutrauen verloren und will nicht wieder zum falschen Zeitpunkt auf den Zug aufspringen.
Kauf von Rohstoffaktien ist eine Glaubensfrage
Dabei steht für Siegel fest, dass diese zurückhaltende Einstellung die falsche Taktik ist. Aus seiner Sicht hat sich bei den Kursen der Rohstoffaktien Nachholpotenzial aufgebaut und das gelte neuerdings sogar für die zuvor gut gelaufenen Goldminentitel. Da er an eine nachhaltige und langfristige Aufwärtsbewegung glaubt, hat Siegel zuletzt in seinen Goldfonds verstärkt Aktien beigemischt, die ihre Schwerpunkte in den Bereichen Nickel, Blei oder Platin haben.
Als Paradebeispiel für die vorherrschende Unterbewertung vieler Titel verweist Siegel auf den australischen Nickelproduzenten Jubilee Mines. Hier sei mit einem deutlichen Gewinnplus zu rechnen, wodurch das Kurs-Gewinn-Verhältnis auf rund vier fallen werde. Gleichzeitig werfe der Wert dank der zu erwartenden Dividendenerhöhung eine Rendite von deutlich über zehn Prozent ab.
Angesichts dieser Bewertungsverhältnisse steht für Siegel fest: „Das Auseinanderdriften der Preise geht auf Dauer nicht. Entweder fallen die Rohstoffpreise oder die Kurse der Rohstoff-Aktien steigen.“ Bei der Entscheidung, ob man sich Rohstoff-Aktien ins Depot legen soll, hängt also alles an der Glaubensfrage, ob Rohstoffe allgemein eine nachhaltige Renaissance erleben oder es sich aktuell nur um ein Strohfeuer handelt. Aus Erfahrung lässt sich dazu sagen, dass es auch an den Finanzmärkten in der Regel wahrscheinlicher ist, dass ein Trend weiterhin Bestand hat, als dass er plötzlich in sich zusammen bricht.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |