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Rohstoffe Phantasie von Stahl-Aktien könnte gedämpft werden

25.10.2004 ·  Steigende Stahlpreise haben in den vergangenen Monaten die Aktien von Stahlunternehmen beflügelt. Da nun die Preisentwicklung eher zu stagnieren scheint, sollten auch Stahlwerte eher vorsichtig betrachtet werden.

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Bei aller Euphorie in der Berichtserstattung über die zum Teil fulminante Preisentwicklung bei Rohstoffen - vor allem beim Öl - in den vergangenen Wochen ist beinahe untergegangen, daß es in jüngster Zeit zumindest bei den Metallen zu deutlichen Korrekturbewegungen kam. Bei Kupfer beispielsweise kam es an den Terminmärkten zu zum Teil massiven Kursverlusten von bis zu 13,4 Prozent.

Hintergrund sind die Bemühungen Chinas, die boomende und sich offensichtlich überhitzende Wirtschaft abzukühlen. Sie führten in der zweiten Hälfte des laufenden Jahres zu einem deutlichen Rückgang der Nachfrage nach Metallen. Bei Kupfer ist die Nachfrage in den vergangenen drei Monaten sogar effektiv zurückgegangen, während das Nachfragewachstum nach Stahl von knapp 30 Prozent noch zu Jahresbeginn auf unter zehn Prozent fiel.

Chinesische Stahlnachfrage hat deutlich nachgelassen ...

Bis jetzt ist noch offen, ob es sich dabei nur um vorübergehende Effekte auf Grund der „wirtschaftspolitischen Bremsmanöver“ handelt, die gleichzeitig auch die spekulative Nachfrage gedämpft hat, oder ob es nur eine vorübergehende Entwicklung ist. Es scheint durchaus möglich zu sein, daß chinesische Unternehmen eine Zeit lang von ihren Lagerbeständen zehrten. Im September scheint sich die Nachfrage wieder belebt zu haben. Hier stellt sich die Frage, ob die Unternehmen auf einem reduzierten Nachfrageniveau wieder ihre Lagebestände auffüllen oder ob die Nachfrage auch in den vergangenen Monaten hoch blieb und nur scheinbar nachgelassen hat.

Grundsätzlich läßt sich die Entwicklung bei den unterschiedlichen Metallen nicht über einen Kamm scheren. Während sich die chinesische Importnachfrage nach Aluminiumoxyd und Nickel auf hohem Niveau hält, die Nachfrage nach Eisenerz und Zink im Trend zunimmt und sich jene nach Kupferkonzentrat wieder deutlich erholt, hat die Nachfrage nach Stahl in den vergangenen Monaten deutlich nachgelassen. Im September trat das Land erstmals seit dem Juni des Jahres 1995 wieder als Nettoexporteur auf.

Das Land ist damit innerhalb einer kurzen Zeit von Nettoimporten von bis zu 40 Millionen Tonnen Stahl auf Jahresbasis zu einem Export von einer Million Tonnen übergegangen. So ein Wechsel hätte nach Ansicht der Experten von Macquarie Research unter normalen Umständen zu deutlichem Preisdruck auf dem Weltmarkt geführt. Der Umschwung wurde allerdings zumindest teilweise dadurch ausgeglichen, daß Amerika seine Stahlnachfrage im laufenden Jahr deutlich steigerte. Die Importe sind in den ersten sieben Monaten des laufenden Jahres im Vergleich mit der Vorjahresperiode um 75 Prozent auf 30 Millionen Tonnen auf Jahresbasis gestiegen. Aus diesem Grund ist bisher die Preislage im Stahlmarkt gespannt geblieben.

... Stahlpreise scheinen ein „Top“ auszubilden

Insgesamt scheint es allerdings Anzeichen dafür zu geben, daß die Stahlpreise dabei sind, ein Hoch auszubilden. Denn die kombinierte Nachfrage aus China und Amerika ist in den vergangenen Monaten deutlich zurückgegangen. In Amerika ist auch der Stahlpreis um bis zu zwölf Prozent gefallen. In Europa rechnet Macquarie noch bis ins kommende Jahr mit stabilen bis leicht steigenden Preisen.

Die längerfristige Preisentwicklung bei Stahl dürfte davon abhängen, ob das Angebot an Rohstoffen knapp bleibt oder ob es zu einer Produktionsausweitung kommt. Die zweite Frage ist, ob sich die Stahlnachfrage im kommenden Jahr wieder deutlicher beleben wird oder nicht. Daten zeigen jedenfalls, daß China immer mehr Eisenerze importiert und sowohl die Aluminium- als auch die Stahlproduktion immer weiter ausweitet. Auf dieser Basis dürfte sie Phantasie der Stahlpreise zumindest bei einer verhaltenen weltwirtschaftlichen Entwicklung begrenzt bleiben. Gleiches dürfte auch für die Gewinn- und damit auch Aktienkursentwicklung der Stahl- und anderen Rohstoffunternehmen gelten. Denn vieles ist von den Kursen schon vorweggenommen worden. Eine Korrektur dürfte kaum verwundern.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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