Steigende Metallpreise haben den europäischen Minen- und Metallaktien in der vergangenen Woche Kursgewinne beschert. Nach einem Jahr fallender Preise für die Rohstoffe hoffen Investoren nun, dass die Trendwende da ist.
Experten begründen ihre Zuversicht damit, dass nun die Anbieter ihre Kapazitäten gesenkt haben. „Nun haben wir endlich Produktionskürzungen. Darauf haben die Märkte lange gewartet“, sagt Michael Stam, Fondsmanager bei Fortis Investment Management. Dies bedeute, dass sich ein potenzieller Nachfrageanstieg nun unmittelbar in der Gewinn- und Verlustrechnung der Konzerne niederschlage.
Kräftige Kursgewinne
Der Dow Jones Stoxx Basis Resources-Index hat in der vergangenen Woche 7,3 Prozent zugelegt, in den letzten vier Wochen sogar zwölf Prozent. Dies ist der größte Gewinn in vier Wochen seit 1999. Zugleich ist dies der einzige der 18 Stoxx-Branchenindizes, der seit Jahresbeginn gestiegen ist. Die Aktien von ThyssenKrupp und Lonmin, dem größten afrikanischen Platinproduzenten, kletterten in der vergangenen Woche um 13 Prozent. Die Titel von Anglo verteuerten sich um zwölf Prozent und von Rio Tinto, der drittgrößten Minengesellschaft, um zehn Prozent.
Die größte Minengesellschaft BHP Billiton hat in der vergangenen Woche angekündigt, die Kupferförderung um 20 Prozent zu senken. Die chilenische Codelco, größter Kupferhersteller der Welt, schloss sich ebenso wie zuvor bereits Phelps Dodge den Produktionskürzungen an. Die finnische Outokumpu Oyj will die Förderung von Zink in der größten europäischen Minn stoppen. Usinor drosselt die Stahlherstellung um zehn Prozent.
Niedrigeres Angebot lässt Preise steigen
Diese Ankündigungen ließen die Metallpreise in die Höhe schnellen. So verteuerte sich Kupfer um zehn Prozent, Nickel um 19 Prozent, während Aluminium und Zink acht Prozent zulegten. „Nach den Angebotskürzungen haben Investoren das Gefühl, dass nun das Schlimmste für die Metallpreise vorbei ist“, sagt Mark Burridge, Analyst von Merrill Lynch.
Die Strategen von Merrill Lynch, Sadiq Currimbhoy und David Bowerts erhöhten am Freitag ihre Anteile von Metall- und Minenaktien in ihrem weltweiten Portfolio. Analyst Burridge riet seinen Kunden, Metall- und Minenaktien zu kaufen: „Jetzt ist die Zeit für den Einstieg gekommen.“ Die Angebotsseite habe reagiert, nun sollten Investoren nicht warten bis auch die Nachfrage wieder anschlage.
Fondsmanager Stam hat Stahlaktien einschließlich ThyssenKrupp für seinen Fonds gekauft mit der Erwartung, dass sich die Weltwirtschaft im kommenden Jahr erholt und die Unternehmensgewinne steigen. „Die Kursgewinne bei den Minen- und Stahlaktien sind ein Zeichen dafür, dass die Trendwende des Wirtschaftswachstum kurz bevor steht, in Amerika wahrscheinlich Mitte 2002“, erklärt Stam seine Strategie.
Blick zurück macht Mut
Den Optimismus für die Aktien leiten die Experten aus der Vergangenheit ab. Am Ende der Asienkrise 1999 seien es auch die Minen- und Stahlaktien gewesen, die als erstes wieder angezogen hätten, so Stam. Im zweiten Halbjahr 1998 waren die Aluminiumpreise im Vergleich zu 1997 rund 20 Prozent gefallen, Kupfer markierte Anfang 1999 ein Zwölfjahrestief.
Broken Hill Proprietary, seinerzeit der zweitgrößte Kupferproduzent, teilte am 25. Juni 1999 mit, amerikanische Kupferminen, die 1,7 Prozent des weltweiten Kupferbedarfs bedienten, zu schließen. Im Juli folgten dann Asarco, Phelps Dodge und Highland Valley Copper mit Förderkürzungen.
Daraufhin stiegen die Kupferpreise im zweiten Halbjahr 1999 um 28 Prozent. Das niedrigere Angebot traf zugleich auf eine höhere Nachfrage durch die wirtschaftliche Erholung in Asien. Der Dow Jones Euro Stoxx Basic Resources-Index legte vom 25. Juni bis zum Jahresende 1999 rund 42 Prozent zu. Die Aktie von Billiton verteuerten sich um 78 Prozent, Rio um 48 Prozent und Anglo um 44 Prozent.