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Zertifikate und ETFs

Rohstoffe Kupferproduzenten müssen kämpfen

Der Preis für Kupfer befindet sich seit Januar auf Talfahrt. Bergbaukonzerne wie Rio Tinto oder BHP Billiton werden von Streiks und sinkenden Aktienkursen geplagt.

© AFP Vergrößern Kostentreiber: In der Mine Oyu Tolgoi von Rio Tinto wird zwar schon gearbeitet, daraus geliefert wird jedoch noch nichts.

Leitungskabel, Dachrinnen, Skulpturen und Grabplatten: In Deutschland ist Kupfer zu einem begehrten Diebesgut geworden. Auf dem Weltmarkt hingegen herrscht seit diesem Jahr ein Überangebot, der Kupferpreis ist seit Jahresbeginn um etwa 14 Prozent gefallen. Ein Grund: Die Konjunktur des weltgrößten Nachfragers China kommt nicht in die Gänge. Auch die Bergbaukonzerne haben zu kämpfen. Seit Januar sind die Kurse der Aktien von Rio Tinto um 28 Prozent und von BHP Biliton um 24 Prozent gefallen.

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„Der globale Kupfermarkt dreht sich“, sagt Daniel Briesemann, Analyst bei der Commerzbank. In diesem Jahr ging es mit dem Preis des roten Metalls vor allem nach unten, was aber auch für andere Industriemetalle wie Aluminium, Blei und Zink und viele andere Rohstoffe und Edelmetalle gilt. Eine Tonne Kupfer kostete am Freitag etwa 6700 Dollar. Ende Januar musste man noch knapp 8250 Dollar hinlegen. In den vergangenen drei Jahren habe ein Angebotsdefizit an Kupfer geherrscht, sagt Briesemann. Für dieses Jahr erwartet der Spezialist für Industriemetalle jedoch einen Überschuss an Kupfer. Das liege an der Eröffnung neuer Minen, der Erweiterung schon bestehender und an einer immer noch nicht wirklich anziehenden Weltkonjunktur - sprich, einer geringeren Nachfrage. Vor allem schlechte Wirtschaftsnachrichten aus China hätten den Preis nach unten getrieben. Briesemann beobachtet seit Anfang des Jahres schwache Importe in die Volksrepublik. „Wenn die Chinesen auf die Bremse treten, hat das Auswirkungen auf den Weltmarkt“, sagt er. Das asiatische Schwellenland dominiert den Rohstoffmarkt. 40 Prozent aller jährlich auf dem Weltmarkt angebotenen Industriemetalle werden dort verbraucht.

Kupferaktien auf Talfahrt

Eine größere Kurserholung des Kupferpreises sei derzeit nicht in Sicht, sagt Analyst Tobias Merath von der Credit Suisse. Denn die Liquiditätsengpässe im chinesischen Finanzsystem, die Abkühlung der dortigen Konjunktur sowie das reichhaltige Kupferangebot bestünden weiter. Wie bei anderen Rohstoffen haben Anleger mehrere Möglichkeiten, sich am Kupfermarkt zu engagieren. Dazu gehören Zertifikate ebenso wie Optionsscheine. Das Angebot bei den Industriemetallen ist aber deutlich kleiner als etwa bei den Edelmetallen. Alternativ bleibt der Weg über den Aktienmarkt. Die Kursentwicklung kann jedoch von den Rohstoffpreisen abweichen. Momentan bewegen sich Preise und Kurse jedoch im Gleichklang - nach unten. Der weltgrößte Kupferproduzent Codelco aus Chile ist nicht börsennotiert.

Bei vielen anderen Bergbaukonzernen gehört Kupfer jedoch zu einer breiten Produktpalette. Die Risiken für die Rohstoffkonzerne jedoch wachsen. Entscheidend für den Erfolg der Unternehmen sind vor allem die Kupfervorkommen sowie die Förderungskosten. Die größten Förderländer sind Chile, Amerika und Peru. Außerdem müssen die Bergbaukonzerne immer tiefer graben und finden dabei immer weniger Metalle. Während die Erze im Jahr 1980 noch etwa 1,6 Prozent Kupfergehalt hatten, sind es nun nur noch 1,2 Prozent - Tendenz weiter fallend.

Infografik / Kupferpreis / Kursentwicklung der Bergbaukonzerne © F.A.Z. Vergrößern Kupferpreis und Kursentwicklung der Bergbaukonzerne seit einem Jahr

„Die Margen der Kupferproduzenten sind momentan von zwei Seiten unter Druck“, sagt Briesemann von der Commerzbank. Ein geringerer Kupferpreis bedeute niedrigere Gewinne. Zudem seien die Ausgaben in den vergangenen zwei Jahren deutlich gestiegen. Durch Streiks sei es nicht nur zu höheren Kosten und Einnahmeausfällen gekommen, die Konzerne hätten sich auch auf höhere Löhne für die Minenarbeiter einigen müssen. Des Weiteren hätten sich die Preise für Energie und Materialien erhöht. Ende Januar gab Antofagasta, ein chilenischer Kupferproduzent mit einer Jahresproduktion von 700.000 Tonnen, bekannt, dass die Produktionskosten in diesem Jahr wahrscheinlich um 36 Prozent steigen würden.

Mit Problemen anderer Art sieht sich derzeit das zweitgrößte Minenunternehmen der Welt, Rio Tinto, konfrontiert. Erst in der vergangenen Woche wurde das britisch-australische Unternehmen in der Mongolei ausgebremst: So hätte schon längst die erste Kupferlieferung aus den riesigen Vorkommen der dortigen Oyu-Tolgoi-Mine exportiert werden sollen. Auf Anordnung der mongolischen Regierung musste die Fracht auf einen unbestimmten Zeitpunkt verschoben werden. Die Aktie von Rio Tinto verlor nach Bekanntgabe der Verzögerung 4,5 Prozent an Wert.

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Der amerikanische Bergbaukonzern Freeport McMoRan hat nach eigenen Angaben dagegen den Betrieb auf der Grasberg-Mine in Indonesien - der zweitgrößten Kupfer- und größten Goldmine der Welt - wiederaufgenommen. Diese war nach Unfällen mit mehreren Toten von Mitte Mai an bis 21. Juni geschlossen. Seit Anfang des Jahres ist der Kurs der Aktie um etwa 18 Prozent gefallen. Den negativen Entwicklungen konnte sich auch der größte Kupferproduzent Europas und der größte Kupferrecycler der Welt, Aurubis, nicht entziehen. Die Aktie hat innerhalb eines Jahres über 20 Prozent auf momentan etwa 43 Euro verloren.

Quelle: F.A.Z.

 
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