07.12.2004 · Die Hälfte der amerikanischen Stromerzeugung wird aus Kohle gewonnen. Von der guten Konjunktur und den hohen Energiepreisen profitieren auch die Zechenbetreiber.
Am Tag nach der kürzlichen Wiederwahl des amerikanischen Präsident George W. Bush vollführten die Aktienkurse von amerikanischen Kohleproduzenten Freudensprünge. Die Kurse legten vielfach um über fünf Prozent zu. Der Grund: Von Bush werden keine so harten Umweltauflagen erwartet wie von seinem damaligen Herausforderer John Kerry.
Die Vertreter der Branche hatten sich entsprechend stark für die Wiederwahl von Bush engagiert. „Kerry und die Demokraten sind umweltbewußter und galten als potentielles Risiko für die steigende Nachfrage nach Kohle, die gerade erst ernsthaft beginnt“, schrieb damals Analyst Jonathan Wolff von der Bank Wachovia Securities.
Zudem kann die Branche in einer Bush-Administration auf persönliche Verbindungen bauen. Vizepräsident Dick Cheney stammt nämlich aus dem Bundesstaat Wyoming. Und Wyoming ist eines der größten amerikanischen Tagebaugebiete für Braunkohle - eine Art amerikanische Lausitz. Der Marktführer Peabody Energy Corp. produziert drei Viertel seiner Kohle in Wyoming.
Die Wall Street hat die Kohleaktien entdeckt
Am Tag nach der Wahl beendeten Kohleaktien eine Börsensitzung allerdings nicht das erste Mal mit kräftigen Gewinnen. Die Aktien befinden sich seit über einem Jahr auf Höhenflug und gehörten 2004 zu den Gewinnern an der Wall Street. Daher steht auch bei den bis Jahresende geplanten Börsengängen nicht ein Technologiewert, sondern ein großer Kohleproduzent im Mittelpunkt des Interesses.
Die Wall Street hat die Kohleaktien vor dem Hintergrund gestiegener Öl- und Gaspreise sowie zunehmender Furcht vor der Abhängigkeit von ausländischen Energieimporten entdeckt. Denn die Energieproduktion in Amerika kann nicht mit dem Verbrauch mithalten.
Kohle ist der einzige fossile Brennstoff, bei dem die inländische Produktion die Inlandsnachfrage übersteigt. Die Vereinigten Staaten besitzen weltweit nur die zehntgrößten Öl-, aber die größten Kohlereserven. „Wenn man nach Energiealternativen sucht, die im Überfluß vorhanden sind, ist Kohle die Antwort“, sagt Paul Forward, Analyst der Fondsgesellschaft Legg Mason.
Vom konjunkturellen Aufschwung zu profitieren
Fossile Brennstoffe werden in Amerika für 71 Prozent der Stromerzeugung genutzt, angeführt von Kohle (53 Prozent) und gefolgt von Erdgas (15 Prozent) sowie Öl (3 Prozent). Für den Rest sorgen Kernenergie (21 Prozent), Wasserkraft (7 Prozent) und alternative Energien wie Wind oder Sonne (1 Prozent).
Investoren kauften Kohleaktien, um vom konjunkturellen Aufschwung zu profitieren. Denn der Elektrizitätsverbrauch steigt gemeinhin mit zunehmender Industrieproduktion. Kohle profitierte zudem klar vom hohen Preis der Konkurrenzprodukte Öl und Gas.
Der Brennstoff gilt bei Stromversorgern jetzt als die billigere Alternative. In der Vergangenheit hatten Kohlekraftwerke wegen hoher Kosten, Umweltfragen und längerer Bauzeiten gegenüber Gaswerken Marktanteile verloren. Das Pendel scheint jetzt aber in die andere Richtung auszuschlagen.
RAG-Tochter kommt an die Börse
Anleger hoffen daher auf weitere Kursgewinne der Kohle-Titel. Am heutigen Mittwoch wird der stark beachtete Börsengang des viertgrößten amerikanischen Kohleproduzenten Foundation Coal Holdings Inc. erwartet. Das Unternehmen firmierte bis vor kurzem unter RAG American Coal und war eine Tochtergesellschaft des deutschen Energieproduzenten RAG, der früheren Ruhrkohle AG.
Die Beteiligungsgesellschaften Blackstone Group und First Reserve sowie der Bergwerksbetreiber American Metals & Coal hatten RAG American erst im Juli für 975 Millionen Dollar gekauft. Foundation will jetzt 23,6 Millionen Aktien für jeweils 17 bis 19 Dollar pro Stück emittieren. Das entspräche einem Erlös von bis zu knapp 450 Millionen Dollar.
Höhepunkt der jüngsten Kohle-Hausse
Der rasche Zeitpunkt des Börsengangs erfolgt fast auf dem bisherigen Höhepunkt der jüngsten Kohle-Hausse. Das macht die Foundation-Aktie aus Sicht von Anlegern attraktiv, obwohl das Unternehmen in den ersten neun Monaten dieses Jahres nicht profitabel war. Die Kursentwicklung der Konkurrenten ist jedoch atemberaubend.
So ist der Aktienkurs von Peabody seit Jahresanfang um über 85 Prozent gestiegen. Consol Energy Inc., die Nummer fünf der Branche, legte im gleichen Zeitraum um knapp 55 Prozent zu. (In diesem Jahr hat der deutsche Stromerzeuger RWE seinen verbleibenden Anteil von 19 Prozent an Consol verkauft. Ursprünglich war RWE an dem Unternehmen mit 74 Prozent beteiligt.)
Der einzige Nachzügler auf dem Börsenparkett ist der zweitgrößte Kohleproduzent Arch Coal, dessen Aktienkurs nur um 12 Prozent gestiegen ist. Damit liegt Arch allerdings immer noch über dem Marktdurchschnitt. Arch teilt sich den zweiten Platz in der Branche mit Kennecott Energy, einer Tochtergesellschaft des anglo-australischen Minenbetreibers Rio Tinto.
„Alles deutet auf einen anhaltenden Preisanstieg“
Rapide Kursgewinne machen die Aktien allerdings anfällig für Rückschläge. Als der Ölpreis in der vergangenen Woche deutlich nachgab, sackten die Kurse der Kohleaktien um bis zu 6 Prozent ab. Am Anfang dieser Woche standen die Kurse erneut unter Druck.
Die gestiegenen Kurse bilden hohe Erwartungen ab. Das dritte Quartal war in der Branche aber allenfalls gemischt. Nur Peabody wies mit einem verdoppelten Gewinn einen klaren Erfolg aus. Der Nettogewinn von Arch ging dagegen zurück, und Consol machte einen Verlust. Die Unternehmen argumentieren, die Erträge hingen immer der Entwicklung der Kohlepreise hinterher, weil Kohle mit langfristigen Verträgen verkauft wird.
Der Preis für Kohle ist aufgrund der gestiegenen Nachfrage gestiegen, und Branchenkenner rechnen nicht mit nachlassenden Preisen. „Alles deutet auf einen anhaltenden Preisanstieg, auch weil die Nachfrage aus China und Indien unverändert anzuhalten scheint“, sagt Jim Thompson, Chefredakteur des Branchen-Blattes Coal & Energy Price Report.
„Ich habe die meisten meiner Kohleaktien verkauft“
Dennoch glauben nicht alle Investoren an einen anhaltend starken Kursaufschwung. Donald Smith, Präsident des gleichnamigen New Yorker Vermögensverwalters, hat sich mittlerweile von Energiewerten getrennt, weil ihm viele Aktien in diesem Bereich nicht mehr günstig bewertet scheinen.
„Ich habe die meisten meiner Kohleaktien verkauft“, sagte Smith. Aber er hat nicht schlecht daran verdient. Smith hatte die Aktien des sechstgrößten Kohleproduzenten Massey Energy vor etwa 18 Monaten für 5 Dollar gekauft. Als deren Kurs jüngst über 30 Dollar kletterte, hat er sie wieder abgestoßen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |