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Rohstoffe Aktie von Rio Tinto trotzt Verkaufsempfehlungen

03.02.2005 ·  Rio Tinto, der drittgrößte Minenkonzern der Welt, hat den Jahresgewinn fast verdoppelt und will in großem Ausmaß eigene Aktien erwerben. Zwar senken Analysten dennoch den Daumen - die Aktie ficht das aber nicht an: Sie haussiert.

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In Australien und auch auf dem deutschen Markt setzt die Aktie von Rio Tinto (australische Notiz) am Donnerstag ihren Anfang Januar begonnenen Kursanstieg fort. 44,10 australische Dollar und 26,20 Euro bedeuten jeweils ein neues Rekordhoch für die Notiz. Der Grund für das Kursplus: Rio Tinto hat mit dem Ergebnis für das vergangene Jahr und das zweite Geschäftshalbjahr die Markterwartungen erfüllt, wie Dow Jones-vwd und Bloomberg News übereinstimmend berichten.

Rio Tintoverdient vor allem mit Kupfer sein Geld und profitiert von der hohen Nachfrage besonders aus China. Der Kupferpreis erreichte im Dezember ein Rekordhoch bei 3.150 Dollar je Tonne, notiert aktuell aber unter 3.000 Dollar. „Das Ergebnis spiegelt sicherlich den Anstieg der Rohstoffpreise wider“, so Atul Lele, Vermögensmanager bei White Funds Management in Sydney, zu Bloomberg.

Mit der Bekanntgabe seines Jahresergebnisses kündigte das Unternehmen den Rückkauf eigener Aktien in einem großem Ausmaß an. Auch meinte der Vorstand, die Nachfrage nach Rohstoffe werde weiter steigen. Analysten äußern sich indes zurückhaltender: In ihren Reihen wird nicht an einen weiteren Anstieg von Rohstoffpreisen geglaubt, so etwa bei Helaba Trust. Einige Analysten wie jene der Deutschen Bank sehen die Notiz deutlich über dem von ihnen gesteckten Kursziel und empfehlen Anlegern daher, den Titel zu verkaufen. Für UBS und Credit Suisse First Boston ist Rio Tinto lediglich eine Halteposition.

Nettoergebnis um 87 Prozent gestiegen

Das Nettoergebnis ist um 87 Prozent auf 2,81 Milliarden Dollar gestiegen, teilte der Minenbetreiber am Donnerstag mit. Das bereinigte Ergebnis habe ein Plus von 61 Prozent auf 2,22 Milliarden Dollar verzeichnet. Analysten hatten mit einem Nettoergebnis in einer Bandbreite von 2,8 Milliarden bis 2,9 Milliarden Dollar gerechnet. Das Halbjahresergebnis von 1,37 Milliarden Dollar traf ebenfalls die Erwartungen.

Anders als beim Gewinn sieht es dagegen mit der Ankündigung eines Aktienrückkaufs im Volumen von 1,5 Milliarden Dollar aus, der knapp neun Prozent der Marktkapitalisierung des Konzerns entspricht. Einige Beobachter hatten damit gerechnet, daß Rio Tinto anstatt eines Aktienrückkaufes möglicherweise eine Offerte für den Wettbewerber WMC Resources Ltd vorlegen werde. WMC hatte wiederholt ein Übernahmeangebot der Xstrata plc abgelehnt. Xstrata hatte 7,20 australische Dollar je WMC-Aktie geboten.

„Markt wird Aktienrückkauf begrüßen“

Rio Tinto will die Spekulationen über ein mögliches Gebot für den Wettbewerber WMC Resources Ltd nicht kommentieren. Das Unternehmen wolle flexibel bleiben, bei günstigen Gelegenheiten Zukäufe zu tätigen. Zu einer speziellen Kaufgelegenheit werde Rio Tinto keine Aussagen machen, sagte Chairman Paul Skinner.

Gleichwohl kann Vermögensmanager Lele dem mutmaßlich kursstützenden Aktienrückkauf-Programm viel Gutes abgewinnen. „Die Tatsache, daß Rio Tinto indirekt Geld an die Anleger verteilt und nicht wie irre für Akquisitionen ausgibt, wird vom Markt sicherlich begrüßt“, wird Lele von Bloomberg zitiert.

Bei der Deutschen Bank und bei Helaba Trust schauen Analysten aber weniger auf dieses Detail. „Die Aktie sieht aus unserer Position ziemlich teuer aus“, so James Barty von der Deutschen Bank in London. „Wir vermeiden Rio Tinto, denn das Unternehmen wirkt wie eines, das deutlich über dem von uns errechneten fairen Wert liegt.“

Helaba Trust: Metallpreise auf dem Höhepunkt

Und Helaba-Analyst Fabian Kania sieht zwar noch für 2005 steigende Erträge, sieht die Metallpreise aber auf dem Zenit. Auch verweist er auf wachsende Produktionskapazitäten und rechnet mit einer nachlassenden Nachfrage aus China (die Analysten aber auch schon für 2004 erwartet hatten, ohne daß es entsprechend kam). „2006 drohen aus heutiger Sicht daher Ertragseinbußen“, so Kania vor Veröffentlichung der Zahlen.

Diese Einschätzung kontrstiert wiederum mit dem Ausblick des Vorstands von Rio Tinto und dem bisherigen Wachstumstempo Chinas: Die schon vor Jahresfrist beschworene „harte Landung“, also ein deutliches Abbremsen des Wachstums, läßt auf sich warten.

Der Kursverlauf spiegelt Pessimismus nicht wider - im Gegenteil. Anleger vertrauen offenbar auf sehr robuste Rohstoffpreise und sehr gute Erträge bei Rio Tinto. Mit dem Mitte Januar erfolgten und inzwischen bestätigten Sprung über das bisherige Rekordhoch hat der Titel starke Kaufsignale gesendet und keine Hürden mehr vor sich. Das Kurs-Gewinn-Verhältnis von 13,6 mutet dabei moderat an, allerdings ist Rio Tinto etwas teurer als BHP Billiton mit einem KGV von 12,2 oder Xatrata mit 8,7. Angesichts dessen ist Rio Tinto eine komfortable Halteposition. Wer trotz des jüngsten Rückgangs bei Kupfer an weiter robuste Rohpreise glaubt und an eine kursstützende bis -beflügende Wirkung von Aktienrückkäufen, greift auch jetzt noch zu.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @thwi
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