Nach Jahrzehnten mit im Trend fallenden Preisen und entsprechend geringer Investitionsneigung ist in den vergangenen zwei, drei Jahren Bewegung in den gesamten Bereich gekommen. Das zeigt sich nicht nur in den zum Teil massiv gestiegenen Preisen, sondern auch an der rasanten Veränderung der „Unternehmenslandschaft“.
Mittlerweile vergeht kaum ein Tag, an dem nicht ein neues Übernahme- oder Fusionsvorhaben innerhalb des Sektors bekannt wird. Manche Ziele lösen einen wahren Bieterwettbewerb aus. Zum Beispiel die kanadischen Minenunternehmen Inco und Falconbridge.
Bieterwettbewerb um kanadische Minenkonzerne
Hatte Inco zunächst ein Übernahmeangebot für Falconbridge vorgelegt, so kam kurz danach der amerikanische Minenkonzern Phelps Dodge auf den Plan und bekundete die Absicht, gleich beide Unternehmen an sich ziehen zu wollen. Allerdings scheint er zunächst die Rechnung ohne die Konkurrenz gemacht zu haben.
So legte zunächst der Schweizer Minenkonzern Xstrata eine interessantere Offerte für Falconbridge auf den Tisch - sie wurde inzwischen vom Falconbridge-Management zur Annahme empfohlen -, und nun scheint Phelps Dodge auch bei Inco ins Hintertreffen zu geraten. Denn am Freitag legte der ehemalige brasilianische Staatskonzern Companhia Vale do Rio Doce (CVRD) ein attraktiveres Angebot von 86 kanadischen Dollar je Aktie in Bargeld vor.
Das ist nicht nur mehr, sondern setzt die Inco-Aktionäre bei der Annahme auch geringeren Marktrisiken aus, als das Phelps Dodge-Gebot von ursprünglich 85,67 Dollar, das eine Barkomponente von nur 20,15 Dollar beinhaltet. Auch der kanadische Konkurrent Teck Cominco bietet mit ursprünglich 87,24 Kanada-Dollar je Inco-Aktie mehr als CVRD, davon ist bisher allerdings nur knapp die Hälfte in Cash. Aus diesem Grund scheint auch hier das Rennen in eine andere Richtung zu laufen, es sei denn Phelps Dodge besserte deutlich nach.
Aber nicht nur hier zeigt sich die Dynamik, sondern auch in anderen Teilen der Welt. So hat der weltgrößte Rohstoffhändler Glencore International offenbar die Absicht, sich in den chinesischen Aluminiumsektor einzukaufen. Das schweizerische Unternehmen wird sich am zweitgrößten chinesischen Aluminiumproduzenten Qingtongxia Aluminium Group beteiligen. Glencore ist ein Privatunternehmen, das einen Anteil von 40 Prozent am Bergbauriesen Xstrata hält und bereits Aluminiumhütten mit einer Produktionskapazität von 385.000 Tonnen kontrolliert.
Steigt CVRD zu den Branchenriesen auf?
Die brasilianische CVRD möchte mit der angestrebten Übernahme in Kanada offensichtlich zu den Branchenriesen BHP Billiton und Rio Tinto aufzuschließen. Die Kombination würde zum drittgrößten, diversifizierten Minenunternehmen weltweit führen und Eisenerze, Nickel, Bauxit, Tonerde sowie Mangan- und Eisenverbindungen anbieten können. CVRD spricht von einer erst klassiken Projektpipeline und skalenträchtigen, langlebigen und kosteneffizienten Produktionsstätten.
Solche Argumente klingen zunächst einleuchtend und logisch. Allerdings stellt sich die Frage, ob die Rechnung langfristig auch aufgehen wird. Immerhin dürften die gegenwärtigen Aktivitäten das Rohstoffangebot auf dem Weltmarkt in Zukunft erhöhen und in Verbindung mit einem effizienter werdenden Verbrauch die Preise längerfristig wieder unter Druck bringen. Nicht umsonst scheinen die Unternehmend der Branche mit Kurs-Gewinnverhältnissen im einstelligen Bereich optisch sehr günstig auszusehen, obwohl die Kurse in den vergangenen Monaten zum Teil deutlich gestiegen sind.
Auf dieser Basis dürfte es ratsam sein, den anhaltenden „Rohstoffhype“ mit einer gewissen Skepsis zu betrachten und zumindest einen Teil des „Finanzpulvers“ für günstigere Gelegenheiten trocken zu halten.