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Rio Tinto Profitiert von geplantem Schuldenabbau

10.12.2008 ·  Die Aktie von Rio Tinto verbucht kurzfristig Kursgewinne. Allerdings nicht, weil die Geschäfte so gut laufen, sondern weil das Unternehmen Kosten senkt und Schulden abbauen will. Die operativen Aussichten sind eher vage.

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Mit einem Kursgewinn von etwas mehr als zwölf Prozent auf 37,40 Dollar in lokaler Währung reagierte die Aktie des Rohstoffkonzerns Rio Tinto auf angekündigte Kostensenkungen, den damit verbundenen massiven Stellenabbau und den Verkauf von Unternehmensteilen.

Der Bergbaukonzern will nach eigenen Angaben 14.000 Stellen streichen, angesichts der schwächeren Nachfrage und nach der geplatzten Übernahme durch den Konkurrenten BHP Billiton seine Investitionsausgaben kürzen und mehr Unternehmensbereiche verkaufen als bislang geplant. Wie der Konzern am Mittwoch bekanntgab, soll die Dividende für 2008 dennoch auf dem Niveau des Vorjahres gehalten werden.

Rio Tinto - hohe Schulden - zunehmende Finanzierungskosten

Rio hatte zur Finanzierung seines 38 Milliarden Dollar teuren Zukaufs von Alcan hohe Schulden aufgenommen. Das rächt sich nun, nachdem immer klarer wird, dass sich die globale Wirtschaft in einer ausgeprägten Rezessionsphase befindet. Längst ist die Euphorie aus dem Rohstoffmarkt geschwunden, nachdem die Preise in diesem Bereich in den vergangenen Monaten massiv nach unten gelaufen sind.

Genau das dämpft die Umsatz- und Gewinnaussichten der Unternehmen der Branche deutlich. So kann es kaum verwundern, dass in den vergangenen Monaten auch die Aktie von Rio Tinto deutlich gefallen ist und von Mitte Mai des laufenden Jahres bis vor einer Woche knapp 85 Prozent ihres Wertes verloren hat.

Diese Kursentwicklung lässt sich mit Gewinnmitnahmen und der Liquidierung von Positionen ebenso erklären, wie mit den zu erwartenden Umsatz- und Gewinnrückgängen sowie der aufgrund der Kreditkrise zunehmenden Finanzierungskosten. Immerhin hat das Unternehmen bei einer Marktkapitalisierung von etwas mehr als 20 Milliarden Pfund Kredite und Anleihen im Wert von etwas mehr als 33 Milliarden Pfund ausstehen.

Knapp 24 Milliarden davon müssen in den kommenden beiden Jahren refinanzier werden. Das kann teuer werden, immerhin haben die Risikoprämien in Form der CDS in den vergangenen Monaten deutlich zugelegt. Die Speads für entsprechende Kontrakte mit einer Laufzeit von fünf Jahren sind von Mai bis Anfang Dezember von 86 auf bis 1.132 Basispunkte gestiegen, bevor sie in jüngster Zeit etwas korrigiert haben. Die Anleihen des Unternehmens haben entsprechend an Wert verloren. Nun sollen Anteilsverkäufe 15 Milliarden Dollar in die Kassen spülen, um für Linderung zu sorgen.

Kreditrisiken haben zugenommen

Allerdings mindern gefallene Metallpreise und sinkende Nachfrage den Wert der Geschäftsteile. In der Finanzkrise haben potentielle Käufer zudem große Schwierigkeiten, die Finanzierung zu stemmen. Bislang sind bei Verkäufen nur drei Milliarden Dollar zusammengekommen. „Drastische Zeiten schreien nach drastischen Maßnahmen“, sagte Analyst Tim Schroeders von Pengana Capital in einer ersten Reaktion der Nachrichtenagentur Reuters. „Sie konzentrieren sich jetzt definitiv aufs Überleben, was unter diesen Umständen genau das Richtige ist.“

Rein optisch sehen die Aktien von Rio Tinto mit Kurs-Gewinnverhältnissen von 2,9 und 3,8 auf Basis der durchschnittlichen Gewinnschätzungen für das laufende und das kommende Geschäftsjahr optisch unglaublich günstig aus. Allerdings werden Anleger bei der Bewertung die hohen Schulden ebenso berücksichtigen, wie die Wahrscheinlichkeit, dass die Gewinnschätzungen angesichts der gefallenen Rohstoffpreise und der hohen Produktionskosten viel zu hoch sind.

In diesem Sinne mag der Abbau von Schulden der richtige Weg sein, um das Unternehmen wieder auf eine solidere Basis zu stellen. Diese Strategie mag dazu beitragen, dass die Aktie kurzfristig im Rahmen einer allgemeinen technischen Erholung weiter nach oben laufen kann. Allerdings sind Absicherungsstrategien ratsam, sind doch die Gewinnaussichten alles andere als positiv.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @cri
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