01.08.2003 · Hedgefonds wurden die längste Zeit verteufelt. Während der Baisse kamen sie in Mode. Die ursprünglichste Strategie ist die des "Marktneutralen Investments", wie sie J. Nicholas im Buch gleichen Namens beschreibt.
Hedgefonds wurden in Deutschland die längste Zeit als dubiose, rücksichtslose und riskante Anlageform verteufelt. Viele, die darüber geredet und geschrieben haben, dürften dabei die längste Zeit nicht gewusst haben, was Hedgefonds eigentlich sind und was ihre Manager tun. Die hielten sich gerne im Hintergrund und trugen damit sicherlich dazu bei, dass sich zum Teil wilde Gerüchte um sie rankten. Immer wenn an den Finanzmärkten etwas passierte, das man sich auf anhieb nicht logisch erklären konnte, schob man es ganz gerne den ominösen Hedgefonds in die Schuhe. Egal ob es denn stimmte oder auch nicht.
Im Rahmen der "grossen Baisse" der vergangenen drei Jahre sind sie dann von denselben Schlaumaiern in den Himmel gehoben worden als die ultimative Anlageform, mit der sich selbst in fallenden Börsen gutes Geld verdienen lasse. Beides stimmt wohl nur bedingt. Denn Hedgefonds sind alles andere als homogen. Beinahe jeder Manager hat seine eigene Anlagephilosophie, die unter Umständen völlig verschiedene Stile beinhalten kann.
Marktneutrale Strategie als Ursprungsform eines Hedgefonds
Die begrifflich wohl ursprünglichste Form eines Hedgefonds ist die des "Marktneutralen Investments", wie es Joseph G. Nicholas im Buch gleichen Namens - Campus Verlag, ISBN 3-593-36935-4 - beschreibt und an Praxisbeispielen erläutert. Nach seiner Definition verbergen sich hinter dem Begriff "marktneutral" eine Reihe von Anlagestrategien, denen eines gemeinsam ist: die Neutralisierung bestimmter Marktrisiken.
Dazu zählt er etwa die Arbitrage mit Wandel- und normalen Anleihen, Arbitrage mit hypothekarisch gesicherten Wertpapieren, Fusionsarbitrage, marktneutrale Aktienstrategien, statistische Arbitrage, Arbitrage mit verwandten Werten und nicht zuletzt das Hedging an der Börse. Soche Ansätze versuchen, das systematische Risiko, das beispielsweise in Form externer Schocks oder eines plötzlichen Stimmungsunschwungs besteht, zu begrenzen.
Was sich zunächst kompliziert anhört, ist in Wirklichkeit gar nicht so schwierig. Das Problem besteht vor allem darin, eine Chance unter tausenden von Möglichkeiten zu finden, unter Berücksichtigung der verbleibenden Risiken die geeignete Strategie dafür zu entwickeln und sie dann sauber umzusetzen. Manche Fondsmanager nutzen zur Idendifizierung statistische Werkzeuge und komplexe Modelle, mit denen sie grosse Mengen von Daten verarbeiten können. Andere konzentrieren sich auf die offensichtlichen Möglichkeiten und verlassen sich dabei auf ihre "Nase".
Beispiel Fusionsarbitrage
Dazu gehört beispielsweise die Fusionsarbitrage. Macht Firma A ein Übernahemeangebot an die Aktionäre der Firma B, so bietet sie in der Regel deutlich mehr, als das, was die Aktie von B an der Börse wert ist. Die steigt dann zwar sofort ein Stück an, aber nicht bis zum vollen Gegenwert des Angebots, da die Übernahme immer noch platzen kann.
Ist es ein Barangebot, kauft der Hedgefondsmanager einfach die Aktie B, wenn er ziemlich sicher ist, dass die Fusion über die Bühne geht und das dann entstandene Unternehmen erfolgreich sein kann. Wird ein Aktientausch vorgeschlagen, so kauft er die Aktie des Zielunternehmens B und verkauft gleichzeitig die des Bieters A leer. Damit ist er weitgehend unabhängig von der grundsätzlichen Marktbewegung, während er gleichzeitig von der Konvergenz der beiden Papiere zu einer Einheitsaktie bei erfolgreicher Fusion profitiert. Nicholas führt mehrere Beispiele an, wie Albertsons`s und American Stores mit einer "Fusionsrendite" von 26 Prozent oder MCI Worldcom und Skytel mit sechs Prozent in vier Monaten. Aber auch den Flop von Ciena und Tellabs mit einem Verlust von 35,6 Prozent, da die Fusion geplatzt ist.
Alles in allem ist das Buch eine hoch interessante und lehrreiche "Führung" durch die Welt des "Marktneutralen Investments". Joseph G. Nicholas vergisst im Nachwort auch nicht darauf hinzuweisen, bei der Analyse von Hedgefondsstrategien die Beziehung zwischen Ursache und Wirkung genau zu analysieren. Denn sonst laufe man Gefahr, sich vom Schein trügen zu lassen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |