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Rettungspaket Irland verschont seine Banken

17.09.2009 ·  Die Aktionäre der Allied Irish Banks und der Bank of Ireland können aufatmen: Die Kurse der beiden irischen Banken reagierten auf Vertragsdetails des Rettungsplans der irischen Regierung mit starken Zuwächsen.

Von Bettina Schulz, London
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Die Aktienkurse der beiden irischen Banken Allied Irish Banks und Bank of Ireland haben am Donnerstag mit gewaltigen Kurssprüngen auf die Vertragsdetails des irischen Bankenrettungspaketes reagiert. Der Aktienkurs der Allied Irish Banks schnellte um bis zu 30 Prozent auf 3,2 Euro in die Höhe und der Kurs der Bank of Ireland um bis zu 12 Prozent auf 3,18 Euro. Beide Banken profitieren davon, dass ihnen der Staat risikoreiche Kreditpositionen abkauft, ohne dass sie diese Kredite auf die extrem niedrigen Panikpreise am Markt abschreiben müssten.

Das Grundkonzept der irischen Bankenrettung sieht vor, dass die Staatsorganisation NAMA den Banken bis Mitte nächsten Jahres Problemkredite zu einem Nominalwert von 77 Milliarden Euro abkauft, den Banken dafür Staatsanleihen gibt und die Banken wieder mit dem Kreditgeschäft beginnen können. Die NAMA wird die Kreditpakete langfristig so verwalten, dass der Steuerzahler spätestens in zehn Jahren eine Gewinnschwelle erreicht hat, selbst wenn der Marktwert der Kredite bis dahin nur um 10 Prozent gestiegen ist.

Jahrelange Vergabe von Billigkrediten führten zum Kollaps

Die NAMA hat als Grundszenario angenommen, dass die Immobilienpreise in Irland in den nächsten zehn Jahren nur mit der Inflation steigen, die Realpreise in zehn Jahren also immer noch 45 Prozent unter den Rekordpreisen des Jahres 2006 liegen, was extrem konservativ gerechnet ist. Irische Banken haben - angefangen mit der Niedrigzinspolitik der Europäischen Zentralbank und späteren Kreditblase an den Finanzmärkten - über Jahre hinweg billigste Kredite vergeben, meist Hypotheken für Bauprojekte, Kredite für den Erwerb von Bauland und für Immobilien.

Das funktionierte so gut, dass die irischen Banken schließlich auch entsprechende Kredite innerhalb der Immobilienblase in Großbritannien und den Vereinigten Staaten vergaben. Die Immobilienkrise in Irland, Großbritannien und Amerika traf die irischen Banken mit voller Wucht, so dass der irische Staat nach dem Zusammenbruch von Lehman Brothers in Europa die Initiative ergriff und im Schnellverfahren sämtliche Verbindlichkeiten aller irischen Banken garantierte, da das Vertrauen der internationalen Finanzmärkte in die irischen Banken schwand.

Aktienkurse hängen stark von Abschreibungen ab

Nur 40 Prozent der Problemkredite, die jetzt an den Staat verkauft werden sollen, werfen noch eine Rendite ab, werden also noch bedient. Allerdings variiert dies von Bank zu Bank stark. Die Banken müssen ihren Kreditbestand auf den Kaufpreis der NAMA abschreiben und entsprechende Kapitallücken über Kapitalerhöhungen auffüllen. Die weitere Aktienkursentwicklung der Banken hängt also erheblich davon ab, welche Abschreibungen noch getätigt werden müssen, und wie stark die Aktien durch künftige Kapitalerhöhungen verwässert werden.

Entscheidend ist die Frage, wie hoch der Abschlag bei der Ermittlung der Kaufpreise ausfallen wird. Finanzminister Brian Lenihan hat in seiner Rede zur Präsentation des Gesetzesvorschlages vor dem irischen Parlament gesagt, auf die gesamte Kreditposition aller fünf irischen Banken in Höhe von 77 Milliarden Euro werde im Durchschnitt ein Abschlag von 30 Prozent angesetzt. Der Marktwert aller Kredite zusammen belaufe sich auf 47 Milliarden Euro. Dies bedeute also einen Wertverlust von 45 bis 50 Prozent. Die irische Staatsagentur NAMA wird diesen gewaltigen Preisverlust auf den krisengeschüttelten Märkten nicht ansetzen. Sie will den Abschlag von durchschnittlich 30 Prozent in Rechnung stellen.

Der Abschlag variiert von Bank zu Bank gewaltig. Das mit Abstand schlechteste Portfolio hat die Anglo Irish Bank, die wegen ihrer gewaltigen Verluste, zahlreicher Managementskandale und des völligen Vertrauensverlusts an den Märkten zu 100 Prozent vom Staat übernommen wurde. Aus ihrer Bilanz wird der größte Batzen schlechter Kredite in Höhe von 28 Milliarden Euro an die NAMA übergehen.

Fokus vor allem auf Allied Irish Banks und Bank of Ireland

Abgesehen von den beiden kleineren Hypothekenbanken, der Educational Building Society und der Irish Nationwide Building Society, sind für Investoren vor allem die Aktien der Allied Irish Banks und der Bank of Ireland interessant. Beide Banken werden voraussichtlich einen Abschlag auf ihre Kreditpositionen angerechnet bekommen, der deutlich unter 30 Prozent liegt. Allied Irish Bank (AIB) wird Kredite von 24 Milliarden Euro an die NAMA verkaufen. Nimmt man einen Abschlag von 25 Prozent an, müsste sie nochmals 2,5 Milliarden Euro abschreiben, nachdem sie bereits 3,5 Milliarden Euro Rückstellungen gebildet hat. Ihre reine Aktien-Kernkapitalquote läge dann bei 4,71 Prozent beziehungsweise Kernkapitalquote bei 7,83 Prozent. Am Donnerstag verkündete die AIB, sie werde 2 Milliarden Euro Kapital aufnehmen, habe aber mehrere Optionen wie den Verkauf von Geschäftseinheiten. JP Morgan sagt, langfristig müsse die Kernkapitalquote (Tier 1) auf 8 Prozent steigen. Insgesamt werde AIB daher 4,5 Milliarden Euro Kapital aufnehmen müssen.

Die Bank of Ireland wird Kreditpositionen in Höhe von 16 Milliarden Euro an den Staat verkaufen, von denen 95 Prozent nicht notleidend seien, gab die Bank am Donnerstag bekannt. Sie habe auf diesen Kreditbestand per Ende September 1,2 bis 1,4 Milliarden Euro abgeschrieben. Der Abschlag auf ihre Kredite werde „signifikant“ unter 30 Prozent liegen.

JP Morgan schätzt, die Bank of Ireland werde nur einen Abschlag von 20 Prozent in Kauf nehmen müssen. Das würde bedeuten, dass die Bank nochmals 1,8 Milliarden Euro abschreiben müsste. Nach Angaben der Bank of Ireland beläuft sich ihre Kernkapitalquote (Tier 1) auf 6,7 Prozent. Sollte diese auf 8 Prozent aufgestockt werden, müsste sich die Bank nach Ansicht von J.P. Morgan noch 1 Milliarden Euro Kapital beschaffen.

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Wirtschaftskorrespondentin in London.

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