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Reifenhersteller Michelin-Aktie fehlt die Kraft

05.08.2005 ·  Ein deutlicher Anstieg des Netto-Ergebnisses erhöht den Druck der Michelin-Aktie am Freitag nach oben. Betrachtet man jedoch die Ergebnisse im einzelnen, wirkt die Entwicklung eher platt.

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Mit Erleichterung wurden die Zahlen aufgenommen, die der französische Reifenhersteller Michelin am Freitag der Börse präsentierte. Der weltgrößte Reifenproduzent hat mit einem Gewinnplus im ersten Halbjahr die Erwartungen übertroffen. Positiv reagierte auch der Kurs, der bis zum Mittag zunächst um 5,3 Prozent auf 54,75 Euro anzog.

Das französische Unternehmen konnte einen Anstieg des Nettogewinns im ersten Halbjahr des laufenden Geschäftsjahres von 8,9 Prozent auf 389 Millionen Euro vermelden. Analysten hatten unter dem Strich mit 318 Millionen bis 374 Millionen Euro gerechnet. Auch bei Umsatz und Betriebsgewinn schnitt Michelin besser ab als von Analysten erwartet.

Wenig imposante Zahlen

Für sich genommen sehen die Zahlen indes wenig imposant aus. Denn für den Anstieg des Nettogewinns ist fast alleine eine deutliche Reduzierung der Steuern verantwortlich. Der Betriebsgewinn stieg dagegen gerade einmal um 0,7 Prozent auf 687 Millionen Euro, wobei Analysten hatten einen Rückgang erwartet hatten. Die operative Gewinnmarge fiel mit 9,2 Prozent nur 0,1 Prozentpunkte höher aus als im Vorjahr.

Auch der Umsatz kletterte nur um 0,1 Prozent auf 7,49 Milliarden Euro. Genau wie Goodyear konnte Michelin Preiserhöhungen auf der Basis gestiegener Materialkosten durchsetzen, ein Umstand den Analysten jedenfalls begrüßten. Michelin hat dies auch nötig. Denn während Goodyear immerhin 2,5 Prozent mehr Reifen absetzte, sank der Absatz bei Michelin um 3,6 Prozent. Das führt der französische Hersteller, de vor allem im Ersatzreifengeschäft tätig ist, auf eine schwache Marktentwicklung zurück.

Besonders stark schrumpfte der europäische Markt für Lkw-Ersatzreifen. Allein in Deutschland betrug der Rückgang im ersten Halbjahr elf Prozent. Genaue Absatzzahlen hat Michelin nicht veröffentlicht, doch hat das Unternehmen gerade im Ersatzreifengeschäft bei Pkws schlechter abgeschnitten als der Markt. Der Grund ist darin zu suchen, daß Michelin gerade in jenen Märkten besonders stark ist, die besonders stark schrumpften.

Europa-Fixierung hemmt

Im vergangenen Jahr tätigte Michelin 53 Prozent seiner Umsätze in Europa und ein Drittel in Nordamerika. Goodyear kommt in diesen Regionen auf 26 bzw. 50 Prozent. Was Michelin also zum Nachteil gereicht ist seine starke Fixierung auf Europa, auch wenn die Franzosen nach eigenen Angaben einen wachsenden Marktanteil in China verzeichnen. Schon das erste Quartal war bei Michelin nicht besonders gut ausgefallen. Das zweite war deutlich besser, von Dynamik ist aber nicht viel zu spüren.

Bewertet ist die Michelin-Aktie derzeit mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen von 11 für das laufende und 10 für das kommende Geschäftsjahr. Angesichts der eher schleppenden Entwicklung der europäischen Märkte fehlt Michelin derzeit die expansive Kraft, die wesentlich höhere Bewertungen rechtfertigen würden.

Charttechnisch befindet sich die Aktie seit Mitte 2003 in einem längerfristigen Aufwärtstrend, der jedoch trotz einer guten Marktsituation in den vergangenen Monaten deutliche Ermüdungserscheinungen zeigt. Seit März läuft die Aktie seitwärts , nachdem sie von ihrem Sechs-Jahres-Hoch bei 55,60 Euro heruntergefallen ist. Auf der positiven Seite ist zu vermerken, daß sie ihr letztes Hoch im Juni heute hat übertreffen können und sie damit eine Chance hat, das Jahreshoch wieder zu erreichen. Doch allzu groß sollte die Hoffnungen nicht sein.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @mho
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