03.10.2007 · Nach einem Zeitungsbericht plant die Bundesregierung neue Steuersubventionen für Biodiesel einzuführen. Das dürfte die Aktienkurse der Hersteller beflügeln.
Als im Jahr 2005 Öl- und Treibstoffpreise schier unaufhörlich stiegen, kam - nicht zum ersten Mal - die große Stunde der alternativen Treibstoffe: Äthanol schien zur Alternative zu werden und erhielt kam auch das bekannte Biodiesel mehr Aufmerksamkeit.
Entsprechend gefragt waren die Aktien der Biodieselhersteller, soweit sie bereits an der Börse war und bei Neuemissionen wurden den Konsortialbanken die Stücke förmlich aus den Händen gerissen. Die Biopetrol-Aktie stieg von ursprünglich einmal 8,30 bis auf 23,85 Euro, EOP Biodiesel kletterten von zehn bis auf 21 Euro. Selbst wenig bekannte ausländische Firmen wie Australian Biodiesel erlebten noch Anfang 2006 einen kurzen Höhenflug von 60 Cent bis auf 1,02 Euro.
Betriebsschließungen befürchtet
Doch dann kippte die Bundesregierung die Steuerfreiheit für Biodiesel, so dass der Preisvorteil gegenüber dem Normalkraftstoff bis zum kommenden Jahr endgültig dahinschmelzen würde. Doch inzwischen hatten die Biokraftstoffhersteller aufbauend auf einen nach Steuervorteilen prognostizierten Bedarf viel zu große Kapazitäten aufgebaut.
Rund 4,5 Millionen Tonnen Biodiesel können die deutschen Unternehmen produzieren. Doch nachdem der Steuervorteil durch eine staatlich verordnete Beimischungsquote ersetzt wurde, sank die Bedarfsprognose auf 1,5 Millionen Tonnen.
„Wenn die Politik nichts tut, droht uns die Schließung von 43 Dieselproduzenten. Nur die größten fünf werden überleben“, warnt Karin Retzlaff, stellvertretende Geschäftsführerin des Verbands der Biokraftstoffindustrie (VDB) in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.
Regierungsparteien wollen Aus für mittelständische Betriebe verhindern
Nach den folgerichtigen Gewinnwarnungen gerieten die Aktienkurse unter schier grenzenlosen Druck. Petrotec fielen von 18,34 bis auf 5,65 Euro, EOP Biodiesel von 21 bis auf 5,80 Euro, BDI Biodiesel von 57 bis auf 16 Euro.
Nun scheint es, als ob die Stoßgebete der Hersteller von der Bundesregierung erhört würden. Nach einem Bericht der „Berliner Zeitung“ plant das Kabinett angesichts der Krise in der Branche neue Steuererleichterungen für Öko-Treibstoff einzuführen. Es werde erwogen, die zum Jahreswechsel anstehende Steuererhöhung für Biodiesel um sechs Cent je Liter auszusetzen.
„Die nächste Steuerstufe könnte das Aus vieler mittelständischer Betriebe bedeuten“, sagte die stellvertretende Unionsfraktionschefin Katherina Reiche. Deswegen müsse man schnell handeln, weil ansonsten viele Arbeitsplätze gefährdet seien.
Mehr Biosprit im Schienennahverkehr
Auch die SPD ist dem Bericht zufolge für Erleichterungen. Sie will demnach die bestehenden Ausnahmeregeln für Landwirte, die bislang keine Steuer auf Biodiesel zahlen müssen, auf die Kommunen ausdehnen. „Wir wollen einen Steuersatz Null für den gesamten Öffentlichen Personennahverkehr inklusive Schienenpersonennahverkehr“, sagte der Biokraftstoffexperte der SPD-Bundestagsfraktion, Marko Mühlstein. Allein dadurch könne der heimische Biodieselabsatz um bis zu 1,2 Millionen Tonnen im Jahr angeschoben werden.
Außerdem wollen Union und SPD demnach die Mineralölwirtschaft zwingen, noch mehr Biokraftstoffe abzunehmen, so der SPD-Experte Mühlheim laut der Zeitung. Genaue Details wolle die Koalition nach Angaben Reiches und Mühlsteins festlegen, wenn Finanzminister Peer Steinbrück den neuesten Biokraftstoffbericht vorgelegt habe.
Gleich, ob sich dieser Bericht nun bestätigt oder nicht oder ob nun doch am Ende alles ganz anders kommt - es wird die Biodiesel-Aktien und im gleichen Atemzug auch sicher die Äthanol-Aktien in der aktuell wieder regelrecht euphorischen Stimmung ins Blickfeld der Anleger rücken.
Aktien trotz Kurssturz auf Basis aktueller Prognosen nicht günstig
Denn eigentlich warten diese nur auf eine gute Nachricht, um in die ausgebombten Aktien wieder zu investieren. Das zeigt sich nicht zuletzt daran, dass die Kurse zum Teil in den vergangenen Tagen und Wochen Stabilisierungstendenzen aufwiesen.
Die Hoffnung, die sie dabei trägt ist, dass sich die Aktien als unterbewertet herausstellen könnten. Geht man nach den aktuellen Analystenprognosen, so sind nämlich trotz aller Kursverluste immer noch nicht durchgängig wirklich günstig, zumindest wenn man sich auf das laufende Jahr bezieht (vgl. Infografik).
Ob indes eine neue Steuererleichterung die Initialzündung für einen ähnlichen Erfolg sein kann wie einst für viele Solaraktien, wird von nicht wenigen bezweifelt. Denn auf dem Weltmarkt machen den deutschen Anbieter preisgünstigeres Biodiesel und Äthanol das Leben schwer.
Wie umweltfreundlich ist Biodiesel tatsächlich?
Zudem machen Studien die Runde, die besagen, Biodiesel sei nicht annähernd so umweltfreundlich wie gedacht. So ist die Ökobilanz nach Berechnungen des Mainzer Atmosphärenchemikers und Chemienobelpreisträgers Paul Crutzen gar nicht so positiv. Statt der globalen Erwärmung entgegenzuwirken, erhöhe das Destillat die Konzentration von Treibhausgasen in der Atmosphäre.
Ursache sei das durch die Stickstoffdüngung in der Landwirtschaft entstehende Lachgas, das als Treibhausgas etwa dreihundert Mal so stark wirke wie die gleiche Menge an Kohlendioxid. Und besonders schlecht schneidet demnach Rapsdiesel ab. Der verursachte Treibhauseffekt sei bis zu 1,7 Mal so groß wie der von herkömmlichem Diesel. Auch der aus Mais destillierte Alkohol hat bis zu fünfzig Prozent mehr Treibhauswirkung als eine vergleichbare Menge Normalbenzin. Lediglich der Sprit aus Zuckerrohr schneidet positiv ab, weil beim Zuckerrohranbau in den tropischen Ländern oft wenig gedüngt werde.
Sollte diese Ansicht zur herrschenden Meinung werden, so dürfte ein endgültiges Aus für die Subventionen näher rücken, es sei denn, der Politik ist eine größere Autarkie in der Treibstoffversorgung als Ziel wichtiger. Aber dies ist noch weit entfernt. Nichtsdestoweniger dürften Biodiesel-Aktien erst einmal aufholen, solange sich die erhoffte neuerliche Förderung nicht wieder in Luft auflöst.
Dilletantismus
Rüdiger Noll (krn)
- 02.10.2007, 20:29 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |