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Regenerative Energien Heißhunger auf Solaraktien macht Ersol den Börsengang leicht

21.09.2005 ·  Solaraktien sind groß in Mode. Die Gunst der Stunde nutzend, strebt jetzt Ersol Solar Energy an die Börse. Der Solarzellenproduzent hat dabei alles im Gepäck, was den Anhängern der Branche typischerweise gefällt.

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Solaraktien sind „in“ bei den Börsianern. Das zeigt sich nicht nur an den haussierenden Kursen, sondern an den vielen Branchenvertretern, die derzeit eine Börsennotiz anstreben. Aktuell streben alleine in Deutschland gleich drei Anbieter aus dem Bereich Solarenergie an die Börse.

Neben Q-Cells und Sunline steht auch der Solarzellenhersteller Ersol Solar Energy Schlange. Mit einer Präsentation haben die Thüringer, die zu den zehn größten Solarzellproduzenten weltweit gehören, am Dienstag in Frankfurt die Werbetour für ihre Aktien gestartet.

Dabei ließ sich auch an der Anzahl der Besucher ablesen, wie rege das Interesse gerade an dem Sektor ist: Der Präsentationsraum war nämlich bis auf den letzten Platz gefüllt. Noch im Vorjahr wäre die Resonanz auf ein Unternehmen in der Größenordnung der Erfurter sehr wahrscheinlich deutlich verhaltener ausgefallen.

Strategie und Wachstumschancen passen

Obwohl es normalerweise oft nicht ratsam ist, mit den Börsen-Lemmingen zu rennen, brauchten die Anwesenden in diesem Fall ihr Kommen nicht zu bereuen. Denn der Vorstand der 1997 gegründeten Firma wartete mit einer interessanten Investmentstory auf. Und zwar in zweierlei Hinsicht, überzeugt das Unternehmen doch sowohl mit seiner Strategie als auch mit seinen Wachstumsaussichten.

Eine überaus vorteilhafte Sache stellt die Tatsache dar, daß die Siliziumversorgung durch den Abschluß langfristiger Lieferverträge mit namhaften Siliziumherstellern bis in das nächste Jahrzehnt bereits jetzt angemessen abgesichert ist. Auch die Abnahme der eigenen Solarzellenproduktion ist bereits zu einem großen Teil zu festen Preisen vereinbart. Das gibt nicht nur bei den Umsatz- und Gewinnprognosen viel Sicherheit, sondern macht auch unabhängig von einem der größten Probleme, mit denen die Branche zu kämpfen hat. Dieses besteht nämlich in Lieferengpässen bei dem für die Herstellung von Solarzellen wichtigen Vorprodukt Silizium.

Nachdem Ersol diese Klippe offenbar mit viel Weitblick umschifft hat, sind die Voraussetzungen gut für eine anhaltende Expansion. Die hauseigenen Planungen sehen dabei bis ins Jahr 2008 eine Steigerung der Kapazitäten auf 110 Mega-Watt (MW) vor. Verglichen mit den Ende 2004 vorhandenen Kapazitäten von 25 MW, die 2005 auf 60 MW ausgebaut werden sollen, stellt das eine ansehnliche Steigerung dar. Der Weltmarktanteil von derzeit rund zwei Prozent soll dadurch auf etwa fünf Prozent steigen. Mittelfristig, das heißt bis ins Jahr 2010, strebt Ersol sogar einen weltweiten Marktanteil von zehn Prozent an.

Politik spielt in den Planungen untergeordnete Rolle

Bei der Expansion hilft auch ein vorteilhaftes Umfeld, das begünstigt durch die hohen Ölpreise eine sehr starke Nachfrage beinhaltet. Wie groß das Potential vor diesem Hintergrund ist, läßt sich auch daran ablesen, daß derzeit erst weniger als ein Prozent der globalen Energieversorgung aus regenerativen Energien stammt. „Wir stehen erst am Anfang einer globalen Entwicklung“, zeigt sich Vorstandschef Claus Beneking überzeugt.

Zu dem guten Lauf, den die Branche derzeit hat, paßt die aufgrund des Ausgangs der Bundestagswahlen deutliche gesunkene Gefahr einer Abschaffung der Förderung erneuerbarer Energien. Ersol selbst wähnt sich aber ohnehin relativ unabhängig von der Politik und möglichen Subventionen. So beobachtet Beneking die gegenwärtige Regierungsbildung in Berlin „ganz gelassen.“

Er verweist in diesem Zusammenhang nicht nur auf die parteiübergreifende Unterstützung der Solarindustrie, sondern vor allem auf den hohen Auslandsumsatz von Ersol. Schon rund die Hälfte seiner Solarzellen verkauft der Konzern außerhalb Deutschlands. Außer in den südeuropäischen Staaten ist Ersol vor allem auf dem asiatischen Markt erfolgreich.

Übernahme macht Ersol zum integrierten Solarunternehmen

Die ohnehin bereits gute Positionierung, die sich das Unternehmen erarbeitet hat, wurde Anfang Juli durch den Kauf des langjährigen Lieferanten ASI noch einmal weiter verstärkt. Durch diesen Schachzug hat sich Ersol zum integrierten Solarunternehmen weiterentwickelt. ASI macht nämlich aus Silizium sogenannte Ingots, aus denen Ersol anschließend Siliziumscheiben (Wafer) produziert. ASI ist stark in der Produktion von sogenannten monokristallinen Ingots tätig, die Ersol bislang nur zu zehn Prozent zur Wafer-Produktion verwendet. Die monokristallinen Ingots haben nach Angaben von Beneking aber einen höheren Wirkungsgrad als die bisher üblicheren Zellen.

Das riecht nach der Chance auf höhere Marge. Und in der Tat gibt sich das Management mit der bisher erreichten Marge beim Gewinn vor Steuern, Zinsen, Abschreibungen und Amortisationen von 19 Prozent keineswegs zufrieden. Dieses Niveau wird nur als absolute Untergrenze gesehen, eigentlich soll diese Kennziffer aber noch kräftig ausgebaut werden. Auch die Analysten vom Konsortialführer Deutsche Bank sehen bei der Rentabilität noch Luft nach oben. Bei ihren Berechnungen halten sie eine Steigerung der operativen Marge von im Vorjahr neun Prozent bis auf 25 Prozent im Jahr 2007 für machbar.

Auf Wachstumskurs

In den ersten sechs Monaten 2005 hielt das Unternehmen seinen Wachstumskurs. Zusammen mit ASI wurde pro forma ein Umsatz von 33,5 Millionen Euro und ein Nettogewinn von 1,9 Millionen Euro erzielt. Im Gesamtjahr dürfte der Umsatz auf 75 Millionen steigen, nach 37,6 Millionen Euro im Vorjahr. Der Nettogewinn soll gleichzeitig auf 6,1 Millionen vorankommen, nach 1,8 Millionen Euro im Jahr 2004. Im Jahr 2006 könnte der Nettogewinn laut Analysten dann schon auf einen Wert zwischen 17 und 18 Millionen Euro anschwellen.

Fazit: Trotz der guten Aufstellung und der interessanten Wachstumschancen ist an der Börse natürlich letztlich alles eine Frage der Zeit. Die Preisspanne wird ebenso wie die Zeichnungsfrist aber frühestens am 26. September festgelegt. Erst dann kann die Ersol-Aktie abschließend beurteilt werden. Den Aussagen der Beteiligten nach zu urteilen, ist bei Ersol im Branchenvergleich mit einem Bewertungsaufschlag zu rechnen. Gerechtfertigt wird das mit den höheren Gewinnspannen als im Sektordurchschnitt.

Als Vergleichsmaßstab für Ersol wurde des öfteren Solarworld angeführt. Das spricht für die Wahl einer vergleichbaren Bewertung. Diesem Titel wird auf Basis der für 2006 geschätzten Gewinne aktuell ein Kurs-Gewinn-Verhältnis von fast 34 zugebilligt. Manchen Value-Investoren, die zudem oft gerne Abseits von der Masse agieren, dürfte dies etwas zu hoch sein. Aber da die Lemminge an der Börse wieder rennen, scheint eine rege Nachfrage zusammen mit Zeichnungsgewinnen fast schon programmiert. Und was möglich ist, wenn sich die Anlegerherde erst einmal in Bewegung setzt, zeigt sich am Aktienkurs von Solarworld, der seit Mai des Jahres 2003 von zwei auf über 123 Euro explodiert ist.

Aktie nur über Konsortialbanken zu zeichnen

Der Börsengang hat aus Sicht vieler Anleger aber einen dicken Haken: Wer die Aktien von Ersol zeichnen möchte, sollte ein Konto bei der Deutschen Bank, bei der Privatbank Sal. Oppenheim, der Hypo-Vereinsbank oder bei der Bremer Sparkasse haben. Diese vier Institute bilden unter Führung der Deutschen Bank das Konsortium, das Ersol an die Börse führt. Kunden aller anderen Kreditinstitute haben keine Chance, während der Zeichnung zum Zuge zu kommen.

„Das ist bei kleinvolumigen Börsengängen so üblich“, sagte ein Sprecher des Konsortialführers Deutsche Bank und verweist auf die neunundzwanzigfach überzeichnete Emission des Solarunternehmens Conergy im März dieses Jahres.

Die Dresdner Bank allerdings hätte die Annahme des Zeichnungsauftrages für Ersol auch verweigert, wenn die Deutsche Bank ihr Aktien hätte zukommen lassen. „Wir haben die Anweisung vom Vorstand, keine Zeichnungen anzunehmen, bei denen wir nicht im Konsortium sind“, sagt ein Berater der Dresdner Bank. Wer bei der Zeichnung nicht berücksichtigt wurde und Ersol unbedingt haben möchte, dem bleibt nur der Kauf nach der Erstnotiz an der Börse. Wenigstens das geht bei jeder Bank. (hap./ham.)

Die Details zum Börsengang der Ersol Solar Energy AG:

Emissionsvolumen: maximal 3,659136 Mio. Inhaberaktien, maximal 2,955.790 Millionen aus Kapitalerhöhung, maximal 703.346 Millionen Aktien aus Bestand der Altaktionäre.
Mehrzuteilungsoption maximal 439.096 Aktien

Anteilseigner bisher: Ventizz Capital Fund: 85,24 Prozent (5.456.389 Aktien), nwk nordwest Kapitalbeteiligungsgesellschaft der Sparkasse Bremen mbH: (341.058 Aktien, Equitrust AG: (514.076 Aktien), Vorstand inklusive ihm nahe stehende Personen: 1,4 Prozent

Anzahl der Aktien alt: 10,5 Millionen

Abgebende Aktionäre: Ventizz Capital Fund: 439.096 Aktien, nwk nordwest Kapitalbeteiligungsgesellschaft der Sparkasse Bremen mbH: 100.000Aktien, Equitrust AG: 150.000 Aktien, Vorstand inklusive ihm nahe stehende Personen: 14.250 Aktien

Anzahl der Aktien neu: maximal 13,895 Millionen Aktien

geplanter Emissionserlös: 120 bis 180 Millionen Euro

Lock-Up-Periode: sechs Monate, Vorstand/oberes Management: zwölf Monate, es gibt aber ein mittelfristiges Commitment zum Unternehmen

Angebotszeitraum: etwa vier Werktage, Beginn frühestens ab 26. September, Ende spätestens am 21. Oktober

Notierungsaufnahme: ein Bankarbeitstag nach Ende des Angebotszeitraums, frühestens am 30. September

ISIN: DE0006627532

Börsensegment: Prime Standard der Frankfurter Wertpapierbörse

Streubesitz: 37 Prozent nach Börsengang, unter Berücksichtigung aller Aktionäre, deren Beteiligung nach dem Börsengang jeweils unter fünf Prozent liegen - wird der Streubesitz sogar bei knapp 50 Prozent

Konsortium: Deutsche Bank (Konsortialführer), Bayerische Hypo- und Vereinsbank, Sparkasse Bremen AG, Sal. Oppenheim

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @JüB
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