12.12.2008 · Die Ablehnung des Rettungspakets für die amerikanische Autoindustrie wird die Finanzmärkte weltweit stark belasten. Der Dollar gerät unter Druck. In Asien brechen schon am Morgen die Aktienkurse ein. Und auch für Europa werden Kursverluste befürchtet.
Von Christian von HillerDie Börse gilt in der Wirtschaftstheorie als Modell für einen Markt, an dem sich die Vorzüge einer freien und ungehinderten Preisbildung besonders gut entfalten können. Doch nun hängen auch die Finanzmärkte immer stärker am Tropf der Staatshilfen. Deshalb ist nach dem Scheitern des amerikanischen Plans zur Rettung der drei Autohersteller Chrysler, Ford und General Motors mit weiteren Kurseinbrüchen an den Finanzmärkten zu rechnen.
Am frühen Freitagmorgen erreichte die Finanzmärkte in Asien die Nachricht, dass der amerikanische Senat das milliardenschwere Rettungspaket abgelehnt hat. Schon im Vorfeld hatten die Aktien von General Motors und Ford an der New Yorker Börse mehr als 10 Prozent an Wert verloren. Und auch in Frankfurt stürzten die Aktienkukrse am Freitag ab. Der Dax lag am Vormittag 3,5 Prozent im Minus bei 4598 Punkten. Vor allem Daimler geriet unter die Räder - die Aktie tendierte 5 Prozent schwächer bei 23,86 Euro.
Der Dollar stürzt ab
Das nächste Opfer war der Dollar. Er stürzte schon in den Nachtstunden am Freitag im fernöstlichen Devisenhandel auf den niedrigsten Stand seit 13 Jahren. Die amerikanische Währung notierte auf einem Stand von nur noch 89,64 Yen. Auch zum Euro verlor der Dollar an Wert. Die europäische Gemeinschaftswährung kostete 1,3333 Dollar.
Im Vormittagshandel in Frankfurt notierte der Euro um 1,33 Dollar und lag damit rund einen Cent unter dem im New Yorker Handel erreichten Sechs-Wochen-Hoch von 1,3402 Dollar.Die Devisenhändler stoßen nun offenbar Dollarbestände ab, da sie befürchten, dass die amerikanische Wirtschaft nun in eine schärfere Rezession geraten wird, als sie bisher erwartet hatten.
„Kein Land entkommt der Krise“
Kein Land werde der Wirtschaftskrise entkommen, hatte der IWF-Chef Dominique Strauss-Kahn am Donnerstag gesagt. Und dieser Ansicht sind offenbar auch die Aktienanleger an den asiatischen Finanzmärkten. Die Nachricht über die Ablehnung der Staatshilfen für die amerikanischen Autohersteller löste an der Börse Hongkong eine Verkaufswelle aus. Der Hang-Seng-Index stürzte um knapp 7 Prozent. In Singapur fiel der Aktienindex Straits-Times-Index um 3,8 Prozent. In Tokio verlor der Nikkei-Index 5,6 Prozent.
Nun rücken die Anleger wieder sämtliche Belastungsfaktoren in den Vordergrund, die auf der Weltwirtschaft lasten werden, wenn der Staat nicht seine schützende Hand über Banken und Industrie hält. So werden für den Freitagnachmittag noch mit weiteren Schreckensnachrichten über den Verlauf der Konjunktur in den Vereinigten Staaten gerechnet.
Hohe Verluste an Europas Börsen?
Für die europäischen Aktienmärkte werden weitere hohe Kursverluste erwartet. Besonders auf Daimler werden sich die Augen richten. Bei dem Stuttgarter Autokonzern mögen sich die Verantwortlichen beglückwünschen, sich rechtzeitig aus dem Engagement bei Chrysler gelöst zu haben. Für diese Erleichterung mögen die Investoren privat Verständnis haben. Doch für sie ist diese Episode abgehakt. Sie schauen nach vorn. Und da dürfte die Erleichterung darüber überwiegen, dass die Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) standhaft für die Interessen der deutschen Hersteller von Luxusautos eingestanden ist. Dies sollte die erwarteten Kursverluste bei deutschen Autoaktien begrenzen.
Im Guten wie im Schlechten werden die Kurse an den Finanzmärkten in dieser Zeit besonders stark von der öffentlichen Hand bewegt und weniger von der unsichtbaren Hand der Marktkräfte. Wie schlecht die Situation nun wieder eingeschätzt wird, zeigt sich am Freitag auch an den Anleihemärkten: Der Kurs der Terminkontrakte auf Bundesanleihen, Bund-Future, ist am Morgen um 63 Stellen auf 123,05 Punkte gestiegen. Die hohe Nachfrage nach Anleihen des deutschen Staates hat deren Rendite von 3,2 Prozent auf 3,1 Prozent fallen lassen.
In der Krise wenden sich nicht nur Industrie und Banken an den Staat. Auch die Anleger begeben sich verstärkt mit ihrem Geld in seiner schützende Obhut.
Auch die Anleger werden umdenken müssen ...
Stefan Kröger (coach_pilot)
- 12.12.2008, 10:05 Uhr
@coach_pilot
Fritz Vandermöhlen (FritzV)
- 12.12.2008, 10:46 Uhr
Die wahren Abenteuer sind im Kopf
Fredericus Secondo (FredericusSecondo)
- 12.12.2008, 11:08 Uhr
Zeiten der Verunsicherung
Anton Paschke (Anton_Paschke)
- 12.12.2008, 13:11 Uhr
Sich zu wünschen,Herr Vandermolt
Markus Teuber (arathorn)
- 12.12.2008, 13:52 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |