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Reaktion an der Börse Premiere-Aktie im freien Fall: Kurs stürzt um bis zu 45 Prozent ab

21.12.2005 ·  Der Zuschlag für die Bundesliga-Rechte galt für Premiere als wesentlich. Nach offiziell bestätigten F.A.Z.-Informationen hat aber der Ligaverband entschieden, die Rechte anderweitig zu vergeben. Die Premiere-Aktie ist um bis zu 45 Prozent abgestürzt, hat sich aber etwas erholt.

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Die Aktie von Premiere hat den Erstzeichnern bisher nur Verluste eingebracht. Doch Analysten von Sal.Oppenheim, der Landesbank Rheinland-Pfalz und der Investmentbank Lehman Brothers, die den Börsengang begleitet hat, empfahlen die Aktie bis zuletzt weiter zum Kauf. Sal.Oppenheim nannte zuletzt ein Kursziel von 31 Euro, Morgan Stanley von 35,50 Euro, und aus Sicht von Lehman Brothers war der Titel sogar 38 Euro wert.

Allerdings hing dies immer am Zuschlag für die Übertragungsrechte zur Fußball-Bundesliga. Nach nun von der Deutschen Fußball-Liga bestätigten F.A.Z.-Informationen hat Premiere das Rennen um die Rechte ab der kommenden Saison für drei Jahre verloren. Premiere geht komplett leer aus. Hätte Premiere den Zuschlag erhalten, hätte der Titel die seit dem Börsengang aufgelaufenen Kursverluste vielleicht wieder rückgängig machen können. Lehman Brothers mahnte aber schon zuletzt: „Wenn Premiere die Bezahlrechte nicht bekommt, könnte die Bewertung des Unternehmens um 50 bis 100 Prozent einbrechen.“ Letzteres käme einem Totalverlust gleich.

Aktie schon vor Bekanntgabe stark unter Druck

Die Warnung war und ist berechtigt, wie sich am Mittwoch zeigt: Gegen 13.30 Uhr hat der Ligaverband offiziell bekanntgeben, daß Premiere nicht zum Zug gekommen ist. Das Urteil der Marktteilnehmer im Fall Premiere ist hart: Die Aktie befindet sich im freien Fall und ist um mehr als 42 Prozent auf rund 13,50 Euro abgestürzt, lag kurzzeitig sogar mit 45 Prozent auf dem Allzeittief von 12,85 im Minus. Kurz nach Bekanntgabe der Entscheidung ist die Aktie kurzzeitig vom Handel ausgesetzt worden; zuvor hatte sie mit rund 16 Prozent im Minus gelegen. Gegen 13.45 Uhr wird der Titel wieder gehandelt und hat sich etwas vom Tief entfernt; gegen 14.35 Uhr steht ein Minus von 37 Prozent auf 14,85 Euro zu Buche. Das Handelsvolumen ist mit mehr als 236 Millionen Euro rund zehnmal so hoch als zuletzt.

Eine gute Nachricht für „normale“ Fernsehkonsumenten und Fußball-Fans: Die ARD bekommt wieder vom der Deutschen Fußball-Liga den Zuschlag für Zusammenfassung an den Spieltagen in der Sportschau, die allerdings etwas später ausgestrahlt werden muß.

„Geschäftsmodell von Premiere vor Zerreißprobe“

Die Bundesliga-Übertragungen waren bisher einer der wichtigsten Pfeiler für das Geschäft von Premiere. „Das Geschäftsmodell von Premiere steht vor einer Zerrreißprobe“, sagte Christian Schindler, Analyst bei der Landesbank Rheinland-Pfalz (LRP), vor diesem Hintergrund. Allerdings könne der konkrete Einfluß des Verlustes der TV-Rechte an der Bundesliga noch nicht beziffert werden. Es komme nun alles darauf an, wie sich Premiere für die Zeit nach Ablauf der derzeit noch laufenden Verwertungsrechte positioniert, so der Analyst im Gespräch mit Dow Jones Newswires.

Michael Schacht, Analyst von Credit Agricole Cheuvreux, schätzt, Premiere könne in den nächsten zwei bis drei Jahren bis zu 33 Prozent seiner Abonnenten verlieren. Zuletzt gab Premiere die Zahl der Abonnenten mit 3,4 Millionen Euro an, während Kabel Deutschland über 370.000 Pay-TV-Kunden verfügt, wie Bloomberg News anmerkt.

„Auch ohne Bundesliga attraltives Sportprogramm“

In einer Pflichtmitteilung an die Börse kommentiert Premiere die Schlappe: „Die DFL hat sich für ein Spieltagsmodell entschieden, in dem die ARD samstags bereits ab 18.30 Uhr, nur 75 Minuten nach Spielende, eine umfassende Zusammenfassung im Free-TV zeigen kann. Premiere hätte in diesem Szenario trotz unveränderter Exklusivität eine finanzielle Mehrbelastung von rund 40 Prozent tragen müssen. Premiere hatte im Bieterverfahren ein Spieltagsmodell angestrebt, bei dem die Free-TV-Verwertung auch samstags erst um 22.00 Uhr beginnt und dafür ein materiell umfassendes und hochwertiges Gebot abgegeben. Premiere wird daher die Spiele der Fußball-Bundesliga von der Saison 2006/2007 bis zur Spielzeit 2008/2009 nicht live übertragen.“

Und das Unternehmen versucht zu retten, was zu retten ist: „Premiere hat jetzt in den nächsten drei Jahren einen erheblich größeren finanziellen Spielraum, um sein Programmangebot in allen Bereichen weiter auszubauen. Auch ohne die Spiele der Fußball-Bundesliga zeigt Premiere zukünftig ein attraktives Sportprogramm mit einem hohen Live-Fußballanteil“, heißt es weiter in der Stellungnahme. Bereits im August dieses Jahres habe man sich alle Live-TV-Rechte an der Uefa Champions League für die Spielzeiten 2006/2007 bis 2008/2009 gesichert. Die Top-Begegnungen des Spieltags seien in Deutschland künftig exklusiv auf Premiere zu sehen.

Entscheidung in Tendenz vor Bekanntgabe schon klar

„Der Vorstand der Deutschen Fußball-Liga (DFL) hat die Vergabe an diese Bieter befürwortet“, hatte eine mit den Verhandlungen vertraute Person am Mittwoch vormittag schon gesagt. Allerdings hatte noch die Versammlung der Mitgliedsvereine der DFL Deutsche Fußball Liga angestanden, die den Vorschlag absegnen mußte. Daher gab es noch eine Unsicherheit, die Verträge seien noch nicht unterzeichnet.

Auch das „Handelsblatt“ hatte berichtet, die Pay-TV-Rechte sollten offenbar an KDG und Unity Media - die früheren Kabelnetzbetreiber Ish und Iesy - gehen. Die „Süddeutsche Zeitung“ berichtete auf ihrer Internetseite zudem, das DFL-Präsidium habe sich einstimmig für eine neue Verteilung der Fußballrechte entschieden. Ausschnitte in der ARD-“Sportschau“ sollten auch weiter zu sehen sein, allerdings etwas später.

Premiere lehnte eine Stellungnahme zu den Informationen ab. Die Unsicherheit am Markt, ob Premiere die Rechte nun bekomme oder nicht, sei groß, sagten Händler und Analysten. Kabel Deutschland und die DFL waren für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen. Die ARD wollte die Informationen nicht kommentieren.

Ausmaß der Exklusivität der Knackpunkt

Nach Angaben aus den Kreisen haben die Kabelnetzbetreiber KDG und Unity Media eine Gemeinschaftsfirma namens Arena gegründet, die das Gebot für die Live-Übertragungsrechte abgegeben hat. Bei einem Zuschlag für die Kabelfirmen könnte die ARD die Zusage bekommen, weiterhin Zusammenfassungen in ihrer „Sportschau“ am Samstagabend auszustrahlen. Premiere hatte nach Angaben aus den Kreisen höhere Summen als bisher geboten, dafür aber längere Exklusivität - also eine spätere Ausstrahlung von Zusammenfassungen im frei empfangbaren Fernsehen - gefordert.

Knackpunkt war offenbar die Frage, wie viel mehr Exklusivität Premiere zugesichert wird. Der Sender hatte immmer gesagt, daß er für ein Plus an Exklusivität mehr Geld zahlen würde. Dieses Drängen auf Exklusivität könnte dem Sender bei der Vergabe nun zum Verhängnis geworden sein.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @thwi mit Reuters
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