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Ratings Agenturen und Analysten waschen sich in Unschuld

03.06.2010 ·  Die Ratingagenturen S&P, Moody's und Fitch trugen in den vergangenen Jahren maßgeblich zur Entstehung der Wirtschafts- und Finanzkrise bei, erklären Kritiker. Sie selbst und ihre Analysten wollen jedoch von Verantwortung nichts wissen.

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Die drei großen und bekannten Ratingagenturen S&P, Moody's und Fitch trugen in den vergangenen Jahren maßgeblich zur Entstehung der Wirtschafts- und Finanzkrise bei, erklären Kritiker.

Sie hätten viele Anleger durch zu positive Bewertungen zum Kauf strukturierter Wertpapiere von Investmentbanken verleitet. Diese Papiere jedoch waren weniger wert als angenommen und führten bei fallenden Immobilienpreisen zu deutlichen Verlusten, zu großem Abschreibungsbedarf, zur Insolvenz von Banken und schließlich zu staatlichen Rettungsaktionen auf Pump.

Verantwortungsbewusstsein ist nicht sonderlich ausgeprägt

Allerdings wollen weder die Ratingunternehmen noch ihre Analysten die Verantwortung dafür übernehmen. Sie versuchen sich in ihrer Gesamtheit hinter dem ersten amerikanischen Verfassungszusatz zu verstecken, der die Meinungsfreiheit garantiert (siehe auch: „Wir wollen Anlegern das Vertrauen zurückgeben“). Auf diese Weise wollen sie mögliche Schadenersatzklagen von Anlegern und Banken vermeiden. Denn diese könnten, sollten sie juristisch möglich werden, so große Volumina erreichen, dass die Ratingagenturen selbst rasch an ihre finanziellen Grenzen stoßen würden.

Aber auch auf individueller Ebene ist die Bereitschaft zur Übernahme von Verantwortung nicht sonderlich ausgeprägt. Einige Analysten der Ratingagentur Moody's haben bei einer Anhörung vor der Finanzmarkt-Untersuchungskommission der amerikanischen Financial Crisis Inquiry Commission in New York die die Schuld an zu guten Bewertungen von risikoreichen Produkten weit von sich gewiesen. Investmentbanker hätten Analysten kontrolliert und sie dazu gebracht, gute Bewertungen für Verbindlichkeiten auszustellen, die schlechtere verdient hätten, erklärte beispielsweise Mark Froeba. Er war der frühere Vizepräsident der Moody's-Derivateabteilung.

Es sei zu Einschüchterungen gekommen, um die Kooperationsbereitschaft zu erhöhen, sagte er sogar und ließ auf diese Weise die Schwäche des Systems erkennen. Eric Kolchinsky, der ehemalige Leiter des Anleger-Geschäfts der Agentur, betonte, der Druck sei extrem gewesen, den Marktanteil von Moody's auszubauen. Damit meinte er, die Analysten des Unternehmens seien daran interessiert gewesen, möglichst viele Ratings zu vergeben, um auf diese Weise möglichst hohe Einnahmen zu erzielen. Natürlich verteidigte auch Moody's-Vorstand Raymond McDaniel das eigene Unternehmens. Ratingagenturen seien keine Wächter, die einen Verkauf von Wertpapieren stoppen könnten. „Märkte wachsen ohne Ratings“, erklärte er.

Selbst Warren Buffett distanziert sich aus Eigeninteresse nur verhalten

Selbst der bekannte Großanleger Warren Buffett hat sich nicht ernsthaft von den unter Beschuss geratenen Ratingagenturen distanziert. „Ich denke, sie haben wie alle anderen falsch gelegen“, sagte der Chef der Investmentgesellschaft Berkshire Hathaway am Mittwoch dem Fernsehsender CNBC auf dem Weg zum Untersuchungsausschuss zu den Ursachen der Finanzkrise. Investoren sollten ihre Hausaufgaben in Kreditfragen machen und sich nicht auf Ratingagenturen verlassen, erklärte er weiter. Seine moderate Beurteilung kann kaum überraschen, denn er zählte in den Zeiten des Booms zu den größten Anteilseignern von Moody's. Seine Aussagen sind deswegen interessengeleitet.

In den Vereinigten Staaten werden im Moment die Entwürfe des Senats und des Repräsentantenhauses zur Reform der Wall Street in Einklang gebracht. Sie sehen auch Maßnahmen zur Beaufsichtigung der Ratingagenturen vor. Auch in Europa stehen Veränderungen an. Frankreichs Zentralbankchef Christian Noyer hat vorgeschlagen, Kreditversicherer wie die Allianz-Tochter Euler Hermes oder die französische Coface zu europäischen Ratingagenturen weiterzuentwickeln. Auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble erklärte, es sei richtig, das Oligopol der drei amerikanische Agenturen Standard & Poor's, Moody's und Fitch aufzubrechen. Nach Ansicht des EU-Kommissionspräsidenten Jose Manuel Barroso gibt es zu wenig Wettbewerb.

Auf dieser Basis werden Anleger die Aktien von Moody's und McGraw-Hill, der Mutter von S&P, kritisch betrachten.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors wieder.

Quelle: @cri
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