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Q-Cells : Erster Dämpfer für Solar-Aktien

Die Zeiten sind hart Bild: AP

Die atomare Katastrophe in Japan und die Ergebnisse der Landtags-Wahlen haben deutsche Anleger sich auf Solar-Aktien stürzen lassen. Analysten warnten vor Enttäuschungen der Erwartungen. Q-Cells bringt am Dienstag die erste.

          Während der Dax seit dem Erdbeben trotz aller Erholungsversuche knapp 2 Prozent verloren hat, haussiert der TecDax. Nicht weniger als 7,7 Prozent hat der Index gut gemacht, der schon lange als Solar-Dax apostrophiert wird. Der Öko-Dax, in dem die Solarwerte sogar noch stärker gewichtet sind, legte gar knapp 29 Prozent zu.

          Martin Hock

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Dabei warnten Analysten von Vornherein vor einer Übertreibung. Das sei vor allem ein deutsches Phänomen, meinte Ben Lynch, Analyst bei der Commerzbank in London. Da denke man jetzt, die Politik werde sich nach der Reaktorkatastrophe grundlegend ändern - eine Auffassung, der die Landtagswahlen in Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz Auftrieb gaben.

          Markt erwartet raschen Solar-Boom

          Unabhängig davon seien deutsche Anbieter nicht in der besten Marktposition, beurteilte Colm O'Connor, Spezialist für Solar-Aktien bei Kleinwort Benson Investors (früher KBC AM) die Lage. Langfristig gehe es auf diesem Markt um Kosteneffizienz und da könnten deutsche Unternehmen nicht konkurrieren.

          Bild: F.A.Z.

          Und Lynch warnte: Sollten die Gewinnschätzungen für europäische Unternehmen im Lauf des ersten Halbjahres nicht erhöht werden, könnte es Probleme geben. Denn der Markt wolle nicht warten.

          Aber Q-Cells enttäuscht

          Die ersten Probleme dieser Art scheine sich nun schon am Dienstag abzuzeichnen. Der Solarzellenhersteller Q-Cells gab bei Vorlage der Jahreszahlen eine sehr verhaltene Prognose für das laufende Jahr ab. Wegen des anhaltenden Preisdrucks erwartet Q-Cells nur einen operativen Gewinn auf Vorjahresniveau. Auch der Umsatz soll nicht eben explodieren, sondern 1,3 bis 1,5 Milliarden Euro betragen, nach 1,35 Milliarden im Vorjahr.

          Vor allem aber zeigt sich, dass die operativen Margen wohl jedenfalls sinken werden. Gerade Zellenhersteller stehen am härtesten im Wettbewerb mit chinesischen Unternehmen. Der Wettbewerb nehme zu, sagte auch Vorstand Nedim Cen.

          Zudem gebe es weitere Unsicherheiten, da in den bedeutendsten Solarmärkten Deutschland und Italien im Jahresverlauf weitere Förderkürzungen anstünden. Gerade erst am Dienstag wurde bekannt, dass die italienische Regierung zwar keine Kapazitätsgrenzen einführen, aber das für Subventionen zur Verfügung stehende Geld deckeln will, so Umweltministerin Stefania Prestigiacomo. Ab 2012 würden die Subventionen begrenzt.

          Härtere Konkurrenz auf neuen Märkten

          Für 2012 kündigte Q-Cells allerdings vage Zuwächse bei Umsatz und Gewinn an. Rückenwind erhofft er sich dann aus den Vereinigten Staaten, China und Indien. Doch ob Q-Cells auf diesen Märkten wird konkurrieren können, ist zumindest offen. Jon Sigurdsen, der den Carlson DnB NOR Renewable Energy Fund managet, sieht auf dem amerikanischen Markt Vorteile für einheimische Unternehmen. Diese verstünden es besser als ihre europäischen Konkurrenten, Forschungserfolge rasch auch in kommerzielle Erfolge zu verwandeln.

          Vergangenes Jahr hatte der Konzern dank des Booms in Deutschland und Italien die Rückkehr in die Gewinnzone geschafft und einen Rekordumsatz erzielt. Bei einem Umsatzplus von über 70 Prozent auf 1,35 Milliarden Euro verbuchte der Konzern netto einen Gewinn von rund 19 Millionen Euro nach einem Milliardenverlust vor Jahresfrist. Der Betriebsgewinn erreichte 82,3 Millionen Euro nach einem Minus von 362,5 Millionen 2009.

          Die Q-Cells-Aktie startete mit deutlichen Abschlägen in den Handel, wenngleich die ersten Verluste die stärksten waren. „Der Ausblick ist eine Enttäuschung“, erklärte auch DZ-Bank-Analyst Sven Kürten. Die Reaktion auf den Erfolg der Grünen bei der Landtagswahl in Baden-Württemberg und die Ereignisse in Japan sei zu stark gewesen, fügte Kürten hinzu der seine Verkaufsempfehlung und bekräftigte.

          Mit einer Bewertung der Aktie mit geschätzten Kurs-Gewinn-Verhältnissen von knapp 17,9 für das laufende und 18,8 für das kommende Jahr ist Q-Cells eine der teuersten Solar-Aktien im TecDax. Zudem gehen Analysten von einer steigenden Bewertung aus.

          Der Wunschtraum von der Solar-Revolution

          Eine Revolution in der weltweiten Energieversorgung ist ein Wunschtraum. Hier täuscht die deutsche Brille. Das liegt vor allem an der schlichten Tatsache, die diese Revolution auch in Deutschland unmöglich macht. Ein rascher, massiver Anbau der Erneuerbaren Energien scheitert an zahlreichen Faktoren.

          Der wichtigste davon ist die Tatsache, dass der Strompreis um ein Vielfaches steigen würde. Eine grüne oder andere Regierung, die eine Revolution anstrebte, würde bei den nächsten Wahlen - wenn nicht schon vorher - womöglich aus dem Parlament gefegt.

          Zudem müssten die Leitungsnetze massiv ausgebaut werden, ebenso neue Speicherkraftwerke entstehen. Doch schon der Bau neuer Windanlagen wird zunehmend schwieriger. Erst jüngst lehnten gleich drei rheinhessische Gemeinderäte in kurzer Zeit den bau weiterer Windräder ab - die Standorte seien ungeeignet. Gegen den Bau neuer Leitungsnetze regt sich ebenfalls Widerstand. Keine (rot-)grüne Landesregierung kann sich ihr eigenes Stuttgart 21 leisten.

          Nicht nur die Q-Cells-Aktie ist unter diesen Gesichtspunkten überkauft. Die Aufschläge für die deutschen Solar-Aktien halten sich am Dienstag in Grenzen. Q-Cells galt schon immer als Solar-Unternehmen mit Schwierigkeiten und so hoffen wohl viele Anleger auf einen Einzelfall. Eine weitere Enttäuschung aber könnte den Markt drehen lassen, zumal die Aktien chinesischer und amerikanischer Solar-Unternehmen, deren Chancen auf diesen Zukunftsmärkten größer sind, oft billiger gehandelt werden.

          Sicher wird Photovoltaik in der Energieversorgung eine größere Rolle spielen. Doch manche Anleger scheinen die Geschwindigkeit zu überschätzen, mit der eine solche Umwälzung vonstatten gehen kann. Und leider auch die Möglichkeiten so machen deutschen Unternehmens. Es sind nicht immer die Vorreiter, der profitiert, wenn Märkte reifen und wachsen.

          Quelle: F.A.Z.

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