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Prognosen Banken erwarten weitere Kursrückschläge

22.01.2008 ·  Die verhaltene Reaktion der Börsen auf die Leitzinssenkung wird von Analysten allgemein als schlechtes Zeichen gewertet. Sie erwarten weitere Rückschläge.

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In den meisten Banken wird mit weiteren Kursrückschlägen am Aktienmarkt gerechnet. Auf eine schnelle Erholung deute derzeit jedenfalls wenig hin. Vielmehr sei mit einer weiter von großer Unsicherheit geprägten Marktstimmung mit hohen Kursausschlägen zu rechnen. Wann diese Phase enden werde, vermag niemand zu sagen.

„Es war ein sehr schlechtes Zeichen, dass die amerikanische Leitzinssenkung die Märkte nur kurz und auch nicht nachhaltig hat aufatmen lassen“, sagt Stefan Keitel, Chefstratege der Credit Suisse in Deutschland. „Daher ist auf kurze Sicht mit weiteren Rückschlägen zu rechnen. Die Korrektur ist noch nicht abgeschlossen.“

Quantitative Computermodelle handeln prozyklisch

Eine Symbiose aus negativen Meldungen von Banken und zur Konjunktur sowie einer psychologischen Komponente sei für den scharfen Kursrückgang verantwortlich. „Privatanleger haben fast schon panisch verkauft, die institutionellen Investoren haben ihre Risikopositionen deutlich zurückgefahren, und die quantitativen Computermodelle handeln auch eher prozyklisch“, sagt Keitel.

Gleichwohl sieht er hervorragende Kaufchancen auf die Anleger zukommen. „Die Mutigen können schon scheibchenweise einsteigen, wie es in diesen Tagen auch schon von Insidern zu beobachten war. Die Vorsichtigen sollten dies spätestens im zweiten Quartal tun.“ Dann nämlich sieht Keitel mehr Chancen als Risiken für steigende Aktienkurse. „Die expansive Geld- und Fiskalpolitik wird wirken, und zudem gibt sehr viel Liquidität im Markt, die keine vernünftige Alternative zu Aktien finden wird.“

Entkopplungstheorie ins Wanken geraten

Auch Keith Wade, Chefvolkswirt des Vermögensverwalters Schroders, hält es noch für zu früh, um nun bereits auf „bullish“ umzuschwenken. „Wir befinden uns in der Verlangsamungsphase der Konjunktur, in der die Märkte üblicherweise die größten Kursschwankungen erleben.“ Weitere Unbill könnte seiner Ansicht nach auf den Aktienmarkt zukommen, da „die Entkopplungstheorie ins Wanken geraten wird“.

Bisher gingen die meisten Marktteilnehmer davon aus, dass eine Rezession in den Vereinigten Staaten in erster Linie deren Problem bleiben wird und das Wachstum im Rest der Welt kaum beeinträchtigen wird. Die Analysten von Morgan Stanley gehen dagegen davon aus, dass sich zumindest die Schwellenländer dem Abwärtssog entziehen können.

Die meisten Banken gehen von weiteren Zinssenkungen in Amerika zur Stützung der amerikanischen Konjunktur aus. So erwartet die Commerzbank nach dem Zinsschritt am Dienstag von 4,25 auf 3,5 Prozent weitere Zinssenkungen bis zum Sommer auf dann 2 Prozent. Auch die Europäische Zentralbank dürfte nach Ansicht der Analysten ihren Leitzins vom zweiten Quartal an zu senken beginnen.

Quelle: F.A.Z., 23.01.2008, Nr. 19 / Seite 21
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