21.01.2008 · Die niedrigen Stände der Indizes S&P-500, Dow und Nasdaq deuten auf Ungemach hin. Selbst stützende Aussagen von Fed-Chef Bernanke können den Verkaufsdruck nicht mindern.
Von Ben StevermanWie ermüdete Schwimmer auf dem mühsamen Weg zum Ufer hoffen Investoren darauf, endlich festen Boden zu erreichen. Der marktbreite S&P-500 hat in den vergangenen Handelstagen knapp sechs Prozent abgegeben, während der Dow Jones um fünf Prozent fiel und der Nasdaq Composite knapp über fünf Prozent verlor.
Seit Jahresbeginn 2008 hat der Dow damit mehr als acht Prozent an Wert eingebüßt und befindet sich auf seinem niedrigsten Stand seit März 2007, während der S&P-500 mit minus neun Prozent ein 15-Monats-Tief markierte.
Die letzten Bastionen fallen
Vor dem Hintergrund täglich neuer Hiobsbotschaften und drohender weiterer Milliardenabschreibungen der Großbanken gelangen immer mehr Anleger zu der Überzeugung, dass Bärenmarkt und Rezession in den Vereinigten Staaten unmittelbar bevorstehen. „Die Wahrscheinlichkeit eines Baissemarktes und einer Rezession ist groß, daran besteht kein Zweifel“, sagt John Merrill von Tanglewood Capital Management.
Nach seiner Ansicht könnte der Markt ohne weiteres von einer gewöhnlichen Korrektur in einen Baissemarkt abgleiten, in dem sich die Abwärtsdynamik verselbständigt. Für fünf Aktien, die an der New Yorker Börse nach oben liefen, haben 27 an Wert verloren. An der Nasdaq betrug das Verhältnis von Kursgewinnern und -verlierern 7 zu 23.
Selbst die letzten Bastionen der Marktstärke, beispielsweise Agraraktien, „können ihren Widerstand nicht länger halten“, sagt Gary Wolfer von Univest Wealth Management. Unternehmen der Branche Düngemittel und Agrarchemie brachen am 17. Januar um 10,6 Prozent ein.
Mehrere Negativfaktoren
Das Zusammenwirken folgender Faktoren könnte weiteren Abwärtsdruck auf Aktienmärkte und Wirtschaft ausüben:
• Gigantische Abschreibungen und Verluste bei Finanzkonzernen wie Merrill Lynch and Citigroup, wobei sich die Malaise im April fortsetzen dürfte, wenn die Ergebnisse des ersten Quartals 2008 vorgelegt werden.
• Erwartungen, dass die Unternehmensgewinne im laufenden Quartal so niedrig ausfallen könnten wie seit Jahren nicht mehr.
• Ein steter Strom wenig erfreulicher Wirtschaftsdaten, darunter der am 17. Januar veröffentlichte Philadelphia-Fed-Index. Der die Entwicklung des Geschäftsklimas im verarbeitenden Gewerbe der amerikanischen Bundesstaaten Philadelphia, New Jersey und Delaware messende Index fiel im Januar auf minus 20,9. „Das verarbeitende Gewerbe der Vereinigten Staaten geht vor unseren Augen in die Knie“, kommentierte Ken Kim von Stone & McCarthy Research Associates diesen unerwartet schwachen Wert.
Trendumkehr in Sicht?
Vor Börsenbeginn am 17. Januar wurde die Lage der Großbanken noch prekärer, nachdem Moody's ankündigte, das Aaa-Rating des zweitgrößten amerikanischen Anleiheversicherers Ambac zu überprüfen. Ambac rechnet mit beträchtlichen Verlusten in seinem Geschäft mit Versicherungen für hypothekarisch gesicherte Wertpapiere im Volumen von mehreren hundert Milliarden Dollar; eine Herabstufung des Aaa-Ratings durch Moody's dürfte weitere enorme Abschreibungen bei Banken nach sich ziehen.
Ambac nannte diese Ankündigung „überraschend“ und teilte mit, eine Analyse dieser Prüfung und ihrer Auswirkungen auf die Pläne des Unternehmens vorzunehmen. Die Aktie von Ambac brach um 52 Prozent auf 6,24 Dollar ein und markierte in der Tagesspitze bei 4,50 Dollar ein neues 52-Wochen-Tief. Während ihres Höchststands im Mai vergangenen Jahres notierte die Aktie bei 96,10 Dollar. Papiere des größten amerikanischen Anleiheversicherers MBIA gaben 31 Prozent ab und gingen mit 9,22 Dollar aus dem Handel, was ebenfalls einem 52-Wochen-Tief entspricht.
Chris Burba, technischer Analyst bei S&P, geht in seinen Prognosen von einer möglichen Trendumkehr bei Aktien „in nächster Zeit“ aus, da sich Anleger scharenweise zu Schnäppchenkursen eindecken dürften. Ein hierdurch ausgelöster Anstieg dürfte nach Einschätzung von S&P jedoch kaum eine Erholung der Aktienmärkte darstellen. „Jede mehrtägige oder in nächster Zeit eintretende Aufwärtsbewegung dürfte von Investoren genutzt werden, um langfristige Hausse-Positionen glattzustellen und Baisse-Positionen aufzubauen, die sich mit dem breiteren Markt entwickeln“, schrieb Burba.
Druck hält unvermindert an
Selbst die jüngsten Äußerungen des Fed-Vorsitzenden Ben Bernanke, in der er staatliche Maßnahmen zur Ankurbelung der Wirtschaft unterstützte, konnten den Verkaufsdruck nicht mindern. In einer Rede vor dem Haushaltsausschuss des amerikanischen Repräsentantenhauses am 17. Januar drängte Bernanke auf rasche Umsetzung eines derartigen Maßnahmenpakets, dessen Umfang mit insgesamt etwa 100 Milliarden Dollar beziffert wird.
Während die meisten Beobachter damit rechnen, dass die Fed Ende dieses Monats eine Leitzinssenkung um 50 Basispunkte vornehmen wird, befürchten viele, dass dieser Zinsschritt zu kurz greift und zu spät kommt. „Die amerikanischen Aktien bleiben unter Druck, solange die Rezessionsängste anhalten.
An diesem Punkt reichen ermutigende Kommentare der Fed für eine Markterholung nicht aus“, sagt Marc Chandler, Analyst bei Brown Brothers Harriman. „Es setzt sich mehr und mehr die Wahrnehmung einer bevorstehenden Rezession fest“, fügt Aaron Smith von Moody's Economy.com an.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |