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Private-Equity-Firma KKR : Das Vermächtnis der Barbaren

Einer der Gründer der Beteiligungsgesellschaft KKR, Henry Kravis (Mitte). Bild: Reuters

Private-Equity-Firmen wie KKR waren einst die Schurken der Wall Street. Heute sind sie in der Finanzwelt anerkannte Größen. Nun übergeben die Gründer die Geschäfte an die nächste Generation.

          Als im Februar 2014 im Met Life Stadion vor den Toren New Yorks der Super Bowl ausgetragen wurde, saßen zwei Männer nebeneinander in einer Zuschauerbox, die – jeder auf seine Weise – die wilden achtziger Jahre an der Wall Street verkörpern: Henry Kravis, Milliardär und einer der Gründer des Finanzinvestors Kohlberg Kravis Roberts (KKR), und der Schauspieler Michael Douglas, der 1987 die Hauptrolle des Finanzhais Gordon Gekko im Klassiker „Wall Street“ spielte.

          Norbert Kuls

          Freier Autor in der Wirtschaft.

          Kravis gilt als einer der Vorbilder für Gekko, spielte aber vor allem eine Hauptrolle in einem Sachbuch über die gleiche Ära, dessen Titel die Skrupellosigkeit der Finanzleute schon im Titel suggerierte: „Barbarians at the Gate (Barbaren vor den Toren)“ war die Geschichte des feindlichen Übernahmekampfs um den großen amerikanischen Nahrungsmittelhersteller RJR Nabisco, den KKR im Jahr 1989 für 31 Milliarden Dollar gewann. Es war der Höhepunkt einer bis dahin beispiellosen, kreditfinanzierten Übernahmewelle, mit der Kravis und die Partner von KKR reich wurden.

          Das Zusammentreffen der in die Jahre gekommenen Wall-Street-Ikonen sorgte damals für Aufsehen. Sogar der „New York Times“ war es eine Meldung wert. Das Treffen zweier älterer Football-Fans mit Halbglatze (Kravis) und grauem Bart (Douglas) symbolisierte aber auch die Veränderungen der Branche. Kravis und Douglas, die einst zusammen auf dem Internat waren, gehören nicht mehr zu den jungen Wilden der Achtziger, sondern längst zum Establishment.

          Imageglättung durch soziale und karitatives Engagement

          Die vor rund vierzig Jahren gegründete Firma KKR ist zu einem der größten Finanzinvestoren der Welt geworden. Die Gesellschaft verwaltet Vermögenswerte von fast 140 Milliarden Dollar. Mehr als 100 Unternehmen mit insgesamt fast einer Million Mitarbeitern, darunter der deutsche Rüstungszulieferer Hensoldt, befinden sich in ihrem Besitz.

          Als Barbaren, Unternehmensjäger oder als Heuschrecken wie in Deutschland bezeichnet die Gesellschaften heute auch kaum noch jemand. Der gängige und unverfängliche Begriff lautet Private Equity. Kravis und anderen Finanzinvestoren wie seinem Erzrivalen Stephen Schwarzman von Blackstone ist es gelungen, das rauhe Image zu glätten. Sie präsentieren sich heutzutage vor allem als Unternehmensretter und Wohltäter. Das gilt sowohl für das Geschäft mit den Übernahmen als auch für ihr soziales und karitatives Engagement. Kravis hat dreistellige Millionen-Dollar-Spenden an Krankenhäuser, Universitäten und kulturelle Einrichtungen überwiesen. Zwar kommt immer mal wieder Kritik an der Branche auf, an der niedrigen Besteuerung der Gewinne, an hohen Verwaltungsgebühren, an Sonderdividenden, die sich Beteiligungsgesellschaften auf Kosten der übernommenen Firmen genehmigen. Aber die Rolle von Private Equity im Wirtschaftskreislauf ist weitgehend akzeptiert.

          Kravis geht es nun um sein Vermächtnis. „Ich will, dass KKR uns überlebt, so wie das bei Goldman Sachs war“ sagte Kravis im vergangenen Jahr in einem Interview. Die Wurzeln von Goldman gehen auf die Maklerfirma für Schuldscheine zurück, die der fränkische Auswanderer Marcus Goldman 1869 in New York gegründet hatte. Goldman nahm 13 Jahre später seinen Schwiegersohn Samuel Sachs mit ins Geschäft auf. Heute ist Goldman Sachs kein Familienunternehmen mehr, sondern eine der bedeutendsten Banken der Welt und Mitglied des renommierten Dow-Jones-Aktienindex.

          Stabwechsel: Die beiden Gründer geben das Tagesgeschäft ab

          In dieser Woche machte KKR selbst einen wichtigen Schritt auf diesem Weg. Der mehr als 70 Jahre alte Kravis skizzierte gemeinsam mit Mitgründer und Ko-Vorstandschef George Roberts den Stabwechsel an die nächste Generation. Die beiden Gründer, die Cousins sind und sich seit Kinderzeiten gut kennen, haben zwei Mittvierziger mit der Leitung des Tagesgeschäfts von KKR betraut. „Die Ankündigung dreht sich um die Zukunft und darum, sicherzustellen, dass wir das richtige Team und die Führungsstruktur haben, um unseren Kunden und Partnern in den kommenden Jahrzehnten dienen zu können“, teilten Kravis und Roberts mit.

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