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Veröffentlicht: 13.02.2013, 18:35 Uhr

Preisanstieg Die Schweiz kämpft gegen eine Immobilienblase

Seit Jahren steigen die Immobilienpreise in der Schweiz. Jetzt verlangt die Regierung von den Banken mehr Kapital. Dies trifft vor allem Inlandsinstitute.

von , Zürich
© Röth, Frank Schweizer Immobilien sind beliebt: Nun müssen die Banken bei der Vergabe von Wohnhypotheken mehr Kapital vorweisen

Selbst gemessen an den umstrittenen internationalen Aufsichtsregeln Basel III, verlangt die Schweiz von ihren Banken eine überdurchschnittliche Kapitalausstattung. Nun kommt eine weitere Anforderung hinzu. Die Regierung verordnet zusätzlich 1 Prozent Eigenkapital auf die risikogewichteten Positionen (RWA) bei Wohnhypotheken, wie sie am Mittwoch bekanntgab. Der Grund liegt nach den Worten von Finanzministerin Eveline Widmer-Schlumpf in der Gefahr einer Immobilienblase in der Schweiz. Die Schweizerische Nationalbank (SNB), die den Antrag auf Aktivierung des „antizyklischen Kapitalpuffers“ nach den Worten von Widmer-Schlumpf vor einer Woche gestellt hatte, warnt seit langem vor den Überhitzungstendenzen am Immobilienmarkt. Sie erwähnt in ihrer Mitteilung nunmehr einen „dringlichen Handlungsbedarf“.

Jürgen  Dunsch Folgen:

Auf einer Pressekonferenz in Bern sprach die Regierung von zusätzlich 3 Milliarden Franken (2,4 Milliarden Euro) hartem Kernkapital, welches die Banken bis zum 30. September mobilisieren müssen. Die Bankiervereinigung reagierte harsch. Sie findet, mit der Maßnahme presche die Schweiz einmal mehr der internationalen Entwicklung voraus. Eine „flächendeckende Immobilienblase Schweiz“ gebe es derzeit nicht. Unterstützung erhält der Verband durch die Finanzmarktaufsicht Finma, die nach eigenen Angaben mit dem Kapitalpuffer noch warten wollte. Das Land erlebte Anfang der neunziger Jahre einen Zusammenbruch des überhitzten Marktes, der zu erheblichen wirtschaftlichen Verwerfungen führte. Hierzu schreibt die SNB, die Ungleichgewichte im Markt seien derzeit „noch kleiner als unmittelbar vor dem Ausbruch“ der damaligen Immobilien- und Bankenkrise.

Gelassenheit bei Großbanken

Theoretisch könnte die Regierung den Eigenkapitalpuffer auf bis zu 2,5 Prozent ausdehnen. Jan Willem Acket, Chefökonom der Bank Julius Bär, sprach denn auch von einem „Warnschuss“ an jene Banken, die in der Kreditvergabe die Zügel schleifen ließen. Die größten Finanzierer von Wohnimmobilien in der Schweiz sind die staatlichen Kantonalbanken und die genossenschaftliche Raiffeisengruppe, der eine besonders expansive Hypothekenvergabe nachgesagt wird. Die beiden Großbanken UBS und Credit Suisse geben sich dagegen gelassen, obwohl zum Beispiel die Credit Suisse ihr fragliches Hypothekenvolumen auf 90 Milliarden Franken beziffert, denen RWA über rund 10 Milliarden Franken entsprechen. Die UBS betont, das Wachstum ihrer ausgereichten Wohnhypotheken (124 Milliarden Franken Ende 2011) sei in der jüngeren Vergangenheit „eher bescheiden“ gewesen. „Wir werden unsere schon seit drei Jahren verfolgte Hypothekenstrategie des qualitativen Wachstums entsprechend weiterverfolgen“, heißt es offiziell. Unter den Fachleuten schätzt Christian Stark vom Brokerhaus Cheuvreux, dass auf die Großbanken nur wenige hundert Millionen Franken zukämen. Dies sei im Kontext von Basel III vernachlässigbar. Dessen ungeachtet entwickelten sich die Aktienkurse beider Banken gestern sichtbar schlechter als der Markt.

Infografik / Immobilien / Heißer Markt © F.A.Z. Vergrößern

Fachleute erwarten als Folge der neuen Kapitalanforderungen eine Verteuerung der - allerdings extrem niedrigen - Hypothekenzinsen um bis zu 0,3 Prozent. Die Nationalbank betont, ihr geldpolitischer Spielraum für eine Anhebung der Leitzinsen sei beschränkt. Daher habe sie den Kapitalpuffer beantragen müssen. Die Hypothekenzinsen ziehen in der Schweiz seit kurzem leicht an. Fünfjährige Kredite gibt es nicht mehr für weniger als 1,5 Prozent.

Zugleich werfen zehnjährige Staatsanleihen deutlich mehr ab als die 0,45 Prozent, die Ende vergangenen Jahres zu Buche standen. Am Mittwoch zog die Rendite weiter an auf rund 0,78 Prozent. Ebenso gewann der Euro gegenüber dem Franken an Wert. Am Nachmittag notierte er bei 1,2350 Franken und damit klar oberhalb der von der SNB im September 2011 verhängten Mindestgrenze von 1,20 Franken. Ende vergangenen Jahres gab es für einen Euro 1,21 Franken.

Im Kampf gegen die Überhitzungstendenzen hatten die Schweizer Banken Mitte des Jahres 2012 schon zwei Maßnahmen beschlossen. Sie begrenzten die Verwendung von Pensionskassengeldern für Hypothekendarlehen. Zweitens legten sie fest, dass der Darlehensteil, der zwei Drittel des Marktwerts einer Liegenschaft überschreitet, binnen 20 Jahren zurückgezahlt werden muss.

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