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Präzisionsoptik Nikon-Aktie trotzt hoher Bewertung

17.05.2006 ·  Mit einem Kurssprung reagiert die Nikon-Aktie trotz eines schwachen Gesamtmarktes auf die Prognosen des Unternehmens für das laufende Geschäftsjahr. Die Wende von der analogen zur digitalen Fotografie scheint das Unternehmen gut verkraftet zu haben.

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Nachdem Siegeszug der Digitalphotographie sind Kamerabauer und Filmhersteller in Schwierigkeiten geraten. Zunehmend greifen Verbraucher in aller Welt zu billigen Produkten aus dem Hause von Elektronikherstellern und scheren sich nicht mehr um Qualität und fototechnisches Know-How, das in Markengeräten steckt.

Dies hat eine ganze Branche in Bedrängnis gebracht, manches Unternehmen steckte gar auf, andere wie Leica Kamera gerieten in gefährliche Nähe an den Insolvenzabgrund. Im Gegensatz dazu fiel Nikon die Umstellung geradezu leicht.

Wende zu Digitalkameras rechtzeitig vollzogen

Gerade der Geschäftsbereich Bildprodukte konnte sich in den vergangen sechs Geschäftsjahren mit stetig steigenden Umsätzen als stärkste Sparte des Unternehmens etablieren, wohingegen diese im Bereich Präzisionsausrüstung nach deutlichen Rückgängen auch noch in dem im März 2005 zu Ende gegangenen Geschäftsjahr nicht das Niveau des Jahres 2000/2001 erreichen konnten.

Allerdings erlebte der Betriebsgewinn des Bildprodukte-Bereichs zwischen 2002 und dem März 2005 eine deutliche Talfahrt, die nur durch eine Wende im defizitären bereich Präzisionsinstrumente kompensiert werden konnte. Unter dem Strich gelang Nikon nach drei Verlustjahren im vorvergangenen Geschäftsjahr bereits eine deutliche Wende.

Die positive Tendenz hat sich offenbar in dem im März abgelaufenen Geschäftsjahr 2005/2006 fortgesetzt. Im Bereich Präzisionsinstrumente stiegen die Umsätze um 12,8 Prozent auf 243,2 Milliarden Yen (1,73 Milliarden Euro), trotz eines insgesamt geringeren Absatzes an IC- und LCD-Steppern. Diese Maschinen dienen zum Drucken von Schaltkreisen auf Silizium Nikon ist nach ASML der zweitgrößte Hersteller der Welt.

Auch der Betriebsgewinn verbesserte sich deutlich um 132 Prozent auf 26,4 Milliarden Yen (190 Millionen Euro). In beiden Fällen gelang es Nikon, die eigenen Prognosen zu übertreffen.

Neue Prognosen sorgen für Kurssprung

Der Umsatz des Bereichs Bildprodukte stieg um 17,2 Prozent auf 416,6 Milliarden Yen (2,96 Milliarden Euro) und der Betriebsgewinn um 105 Prozent auf 34,4 Milliarden Yen (244 Millionen Euro). Auch damit übertraf Nikon die eigenen Prognosen, wenngleich der Absatz von Spiegelreflexkameras und austauschbaren Linsen hinter diesen zurückblieb. Indes waren Kompaktkameras stärker gefragt als erwartet.

Überhaupt die Prognosen: der Ausblick, den Nikon gab, war genug die Aktie des Unternehmens gegen den negativen Trend des Nikkei in Tokio 6,3 Prozent nach oben zu treiben und auch in Deutschland gehört sie am Mittwoch zu den Hauptgewinnern. Obwohl der Markt am Nachmittag wieder deutlich die Verlustzone aufsucht, stiegen Nikon-Aktien um fast sieben Prozent auf 16,40 Euro und notieren damit so hoch, wie seit über fünf Jahren nicht mehr.

Nikon rechnet mit einem Anstieg des Reingewinns um 28 Prozent auf 37 Milliarden Yen (260 Millionen Euro) und einem Umsatzplus von insgesamt sieben Prozent auf 780 Milliarden Yen (5,55 Milliarden Euro). Das Unternehmen profitiert dabei von Investitionen anderer Konzerne wie Toshiba oder Samsung in folge einer höheren Nachfrage nach Chips und Flüssigkristallbildschirmen.

Profitieren vom Halbleiteraufschwung

Im Bereich Bildprodukte erwartet Nikon weitere Absatzsteigerungen. Aber auch Kostensenkungen sollen zu einem verbesserten Ergebnisbeitrag führen. Der Betriebsgewinn soll um knapp zehn Prozent auf 73 Milliarden Yen (520 Millionen Euro) steigen, getrieben vor allem von den Steppern, wo Nikon mit einem Gewinnplus von 36 Prozent rechnet als Folge einer verstärkten Ausrichtung auf profitablere Anlagen.

Nach einer Analyse des Marktforschungsunternehmens IC Insights sollen die weltweiten Investitionsausgaben der Chiphersteller im laufenden Jahr um zehn Prozent zulegen. Der Stepper-Absatz soll bei Chips um 15 und bei Flüssigkristallbildschirmen sogar um 22 Prozent zulegen.

Schlechter sind die Aussichten für das Kamerageschäft. Hier rechnet Nikon mit einem um zehn Prozent niedrigeren Betriebsgewinn von 31 Milliarden Yen aufgrund der Aufwertung der japanischen Valuta. Dennoch soll der Absatz bei Spiegelreflexkameras von 1,34 auf 1,75 Millionen Stück steigen, während die Zahl der Kompaktkameras gleich bleiben soll.

Auch wenn die Prognosen positiv sind und der Aktienkurs seit zwölf Monaten eine stetige Aufwärtsbewegung aufweist - ein Wermutstropfen ist die Bewertung. Auf Basis der Analystenschätzungen für das laufende und das kommende Jahr hat das Papier mittlerweile eine Bewertung mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen von 26,6 bzw. 24,4 erreicht.

Indes liegen die Prognosen deutlich unter denen des Unternehmens. Aber auch dann beträgt das KGV für das laufende Jahr noch immer rund 24, so daß sich die Bewertung nur wenig relativiert. Zumal die Halbleiterbranche ausgesprochen wetterwendisch ist und nicht gesagt, daß es im kommenden Geschäftsjahr mit IC-Steppern weiter gut läuft. Da indes die Charttechnische Entwicklung sich gerade am Mittwoch als robust erweisen hat, scheint ein Einstieg dennoch interessant - allerdings können Absicherungsstrategien nie schaden.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @mho
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