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Postbank Die Zufälligkeiten des Falls Zumwinkel

18.02.2008 ·  In einer medienwirksamen Aktion wird bei Post-Chef Klaus Zumwinkel eine Razzia durchgeführt. Unter der Last der Vorwürfe tritt der Manager rekordschnell zurück. Das macht die Bahn frei für den lang angestrebten Postbank-Verkauf. Zu viel Zufall?

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Manche Dinge erscheinen bisweilen etwas zu zufällig. Es ist erst wenige Tage her, da führten Steuerfahnder unter großer medialer Präsenz im Büro und im Privathaus des Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Post und gleichzeitig Aufsichtsratsvorsitzenden der Deutschen Postbank, Klaus Zumwinkel, eine Razzia durch.

Es kursierten sogar zunächst Meldungen, der Manager sei in Handschellen abgeführt worden. Das stimmt zwar nicht, tatsächlich aber wurde der 64-jährige vor laufenden Kameras von der Polizei mitgenommen.

Fernsehsender früher informiert als Betroffene

Die Fernsehsender wussten schon vorher Bescheid. Als die Ermittler klingeln, berichten Nachrichtenagenturen, dauert es eine ganze Weile, bis in dem fast noch völlig dunklen Haus überhaupt das Licht angeht und die Tür geöffnet wird. Das berichtet ein ZDF-Kamerateam, das sich schon zwei Stunden früher vor der Villa in Stellung gebracht hatte. Der erste Anwalt trifft dagegen erst fast zwei Stunden später ein und weiß laut eigener Aussage von nichts.

Video: Merkel begrüßt Zumwinkels Rückzug

So massiv war der Druck, der auf den Manager ausgeübt wurde, dass er bereits einen Tag später seinen Rücktritt anbieten muss. Dieser wird zuerst von der Bundesregierung angenommen, bevor noch der Post-Präsidialausschuss reagieren kann. Dieser stimmt erst mehr als eine Stunde später zu, obwohl die Post noch am Vorabend erklärte, der Vorstandschef führe die Geschäfte wie gewohnt fort.

Rücktritt dürfte Postbank-Verkauf beschleunigen

Am Montag berichtet dann das Handelsblatt, die Bundesregierung treibe den Verkauf der Postbank voran und will das Institut noch in diesem Jahr verkaufen. Wunschkandidat sei die Commerzbank, die sich mit der größten Filialbank Deutschlands zusammenschließen möge. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Zumwinkel mag tatsächlich schuldig sein, obwohl in einem Rechtsstaat, als der sich die Bundesrepublik versteht, die Unschuldsvermutung bis zum Beweis Schuldspruch zu gelten hat.

Aber sein Rücktritt kommt den Verkaufsinteressenten zum jetzigen Zeitpunkt sehr gelegen. Die vorzeitige Ablösung von Zumwinkel als Vorstandsvorsitzender der Deutschen Post könne eine Lösung für die Deutsche Postbank schneller vorantreiben als gedacht, äußerte sich NordLB-Analystin Martina Noss schon als Zumwinkel noch im Amt war.

Dieser hatte lange Jahre einem Verkauf, über den schon zum Zeitpunkt des Börsengangs spekuliert worden war, eine Absage erteilt. Im vergangenen November schien er sich dann erst zu bewegen. Man könne über die Zukunft der Bank im nächsten Jahr intensiver nachdenken, wenn die gesamte Regulierung abgeschlossen und die Verhältnisse auf dem Briefmarkt klar seien, sagte er damals. Anfang Januar ließ er erstmals Präferenz für einen Käufer erkennen.

Geschäftsbericht in die Affäre vorgezogen

Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, dass die Postbank am Tag vor der Razzia die Veröffentlichung der Jahresergebnisse auf den Tag nach der Razzia vorzog. Nach dem Ausweis hat das Institut die Finanzmarktkrise trotz eines Gewinneinbruchs im Schlussquartal bislang überraschend besser weggesteckt als mancher Wettbewerber und verzeichnete zudem vergleichsweise geringe Wertminderungen.

Das wundert einige Beobachter. Dirk Becker, Analyst bei Kepler Equities, meint, die Wertminderung in Höhe von 112 Millionen Euro dürfte nicht das Ende der Fahnenstange sein. Vielmehr seien weitere schlechte Nachrichten zu erwarten. Denn der Experte vermisste Aussagen der Bank zu ihrem 6,3 Milliarden Euro schweren strukturiertem Kreditportfolio. Die Post-Tochter habe lediglich 1,5 Prozent des Wertes ihres strukturierten Kreditportfolios nach unten korrigiert, andere Banken dagegen entsprechende Abschreibungen von mindestens 30 Prozent vorgenommen.

Das strukturierte Kreditportfolio

Im Trubel der medial auf höchster Stufe brennenden Zumwinkel-Affäre fiel das aber vielen offenbar nicht auf. Auch der möglicherweise harmlose Satz, die Risikovorsorge für faule Kredite werde sich angesichts eines erhöhten Kreditvolumens ausweiten, wurde angesichts angefachter Übernahmespekulationen nicht weiter auf die Goldwaage gelegt.

Natürlich gibt es keinen Beweis dafür, dass sich hinter der Steueraffäre Zumwinkel eine Postbank-Intrige verbirgt. Auch ist denkbar, dass das strukturierte Kreditportfolio der Postbank keine bösen Überraschungen birgt.

Allein die Frage „Cui bono?“ ist bei allem, was sich ereignet, zu stellen. Und es wäre ja auch nicht das erste Mal, dass eine angeschlagene Bank im Schoß einer anderen verschwindet und auf diese Weise saniert wird.

Verschwörungstheorien

Natürlich klingt dies alles nach Verschwörungstheorien, weil es dafür keinen Beweis gibt. Und den schärfer werdenden Druck der Steuerfahndung und der Steuereinziehung hat nicht nur inzwischen fast jeder Bundesbürger zu spüren bekommen, der eine Steuererklärung abgibt. Es ist schon bemerkenswert, wenn ein Sprecher des Finanzministeriums zur Selbstanzeige auffordert (Liechtenstein-Skandal: Selbstanzeige oder nicht?).

Und die Razzien sollen angeblich schon am Montag beginnen, so dass das rasche Ausscheiden Klaus Zumwinkels vielleicht sogar lediglich ein gerne genommener Nebeneffekt einer Politik ist, die bereits seit Jahren krampfhaft auf höhere Staatseinnahmen zielt. Das gilt auch für den unbändigen Verkaufsdrang des Bundes, der nun auch nicht neu ist.

Dennoch würde es nicht allzu sehr überraschen, wenn nach einer möglichen Fusion mit der Commerzbank oder dem Verkauf der Postbank an ein anderes Institut dann plötzlich hohe Abschreibungen vorgenommen werden - wie etwa bei der Hypo Real Estate nach dem Kauf der Depfa oder der Hypovereinsbank nach der Fusion der Bayrischen Vereinsbank mit der Hypobank, die im Osten Deutschlands Milliarden mit Immobilien in den Sand gesetzt hatte.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @mho
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