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Porträt „Aktienqueen“ mit 84

Ingeborg Mootz bezeichnet sich als zurückhaltenden Menschen. Aber auch als „Aktienqueen“. Nicht von ungefähr: Die 84 Jahre alte Frau aus Gießen ist mit Dividendenpapieren reich geworden. „Millionär werden ist nicht schwer“, meint sie.

© Wonge Bergmann „Aktienqueen” Ingeborg Mootz an ihrem Schreibtisch in Gießen

Ingeborg Mootz bezeichnet sich als zurückhaltenden Menschen. Aber wenn sie Vorschläge, wie die des verstorbenen Börsengurus Andre Kostolany - „Wenn Sie Aktien gekauft haben, schlafen Sie vier bis zehn Jahre und wenn Sie dann aufwachen, haben Sie ein Vermögen“ - hört, bricht es aus der 84 Jahre alten Frau heraus. „Wer mit Aktien Geld verdienen will, der muß die Kursschwankungen eines Wertes immer im Auge behalten, denn die sind so sicher wie das Amen in der Kirche“, widerspricht sie empört.

Wie zum Beweis steht die agile Rentnerin vom Sofa in ihrem Wohnzimmer auf und greift zur Tageszeitung: Aktueller Kursverlauf, Höchst- und Tiefststand einer Aktie: über das Wichtigste ist sie binnen weniger Minuten informiert. Daß die Kleinaktionäre Informationsquellen wie Zeitungen, Internet und Börsensendungen nicht konsequent nutzen, versteht sie nicht, schließlich könnten so aus „Finanzanalphabeten“ glückliche, und vor allem, wissende Anleger werden.

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18 Jahre alter Opel vor der Tür

Wenn die Aktien günstig zu haben sind, einsteigen, an ihrem höchsten Wert wieder aussteigen und erzielte Gewinne nicht sofort wieder ausgeben - so lautet die Kurzformel für Anleger, um an der Börse dauerhaft erfolgreich zu sein. Mootz hat das geschafft: Begonnen hat sie vor neun Jahren mit 1000 Veba-Aktien im Wert von damals 60.000 Mark, heute besitzt die Rentnerin 25.000 Aktien im Wert von mehr als 500.000 Euro.

Seit mehr als vier Jahrzehnten wohnt die Frau in einer kleinen Mietwohnung unweit des Gießener Uniklinikums, vor der Haustür parkt ihr 18 Jahre alter Opel Kadett. Sie kauft reduzierte Damenmode und bekommt vom Staat 1019 Euro Witwenrente - der Börsenreichtum hat das Leben von Ingeborg Mootz nicht einschneidend verändert. Als einzigen Luxus gönnte sie sich mehrere Reisen nach China.

Den Umgang mit Aktien sieht sie als sportliche Herausforderung: „Es macht mir Spaß, mit meinen Wertpapieren zu handeln,“ sagt sie, „aber ich bezeichne mich weder als geldgierig, noch als wohlhabend.“ Ihr Ziel sei es, die Anzahl ihrer Aktien immer weiter zu verdoppeln.

Ausbildung zur Vermögensberaterin

Für die Welt der Zahlen hat sich die gebürtige Norddeutsche schon länger interessiert. „Du kannst ja nicht mit Geld umgehen“, so lautete der Vorwurf ihres Ehemannes, als sie Anfang der siebziger Jahre um eine Haushaltsgelderhöhung bat. Um es ihren Mann „zu zeigen“, habe sie sich nach dem Ehestreit entschlossen, im Alter von 48 Jahren eine Ausbildung als Vermögensberaterin anzufangen. Nach eigener Aussage verdiente sie damit nach drei Monaten schon mehr als ihr Ehemann als Prokurist.

Diese Berufserfahrung half der Rentnerin 1997 beim Einstieg in den Börsenhandel. Bei jedem Kauf verfuhr sie nach dem gleichen Prinzip: Vor dem Kauf eines Wertpapier informierte sie sich über das Firmenportät, den Aktienkurvenverlauf der vergangenen Jahre und die vom Unternehmen gezahlte Dividende. Diese sind für Kleinaktionärin besonders wichtig. „Nur die Dividendenzahlungen sind für den Konsum bestimmt“, sagt Mootz. Kapital aus Aktienverkäufen habe sie immer wieder in neue Investitionen gesteckt und so über die Jahre die Anzahl ihrer Aktien erhöhen können.

„Millionär werden ist nicht schwer“

Mit ihrer Anlagestrategie wollte sie auch anderen Kleinaktionären helfen. Unter dem Motto „Millionär werden ist nicht schwer“ referierte sie an der Gießener Universität, nach den Vorträgen bestürmten sie die Zuhörer mit weiteren Fragen. Da entschloß sich die Börsenspekulantin im Eigenverlag eine Informationsbroschüre herauszugeben. Weil eine Leserin diese so spannend fand, war der Name dafür - Börsenkrimi - schnell gefunden. Ein Moskauer Großverlag will ihr Buch in Rußland verlegen. In Deutschland sucht Mootz derzeit noch einen Verleger, Ideen für ein nächstes Buch hat sie schon. Nahezu täglich gehen nun in ihrer Gießener Wohnung Bestellungen aus dem In- und Ausland ein. Wieviele Exemplare des Börsenkrimis sie verschickt hat, darüber schweigt die Anlageexpertin.

Eine Vierundachtzigjährige, die erfolgreich an der Börse spekuliert, diese Geschichte blieb auch den Medien nicht verborgen. Von ihnen wurde Mootz zur „Börsenkönigin“ und zur „Grande Dame“ der Kleinanleger geadelt. Als sie in einer Talkshow zwischen Persönlichkeiten wie Maximillian Schell und den Klitschko-Brüdern saß und Moderator Johannes Kerner frech Paroli bot, wähnte sie sich in einem Traum. „Ich kann es nicht glauben, daß sich soviele Menschen für meine Geschichte interessieren“, sagt sie sichtlich überrascht. Trotz allen Medienrummels will die wohl älteste Anlageberaterin Deutschlands wieder mehr Zeit mit ihrem großen Hobby verbringen: Aus 25.000 bald 50.000 Aktien werden zu lassen.

Quelle: F.A.Z.

 
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