30.10.2008 · Der Aktienkurs des Stuttgarter Herstellers schicker Sportwagen entzieht sich der Abwärtsbewegung europäischer Auto-Titel. Das liegt nicht nur an der irrsinnigen Spekulation um die VW-Aktie. Auch die Aussicht, künftig in Wolfsburg das Sagen zu haben, liefert Kaufargumente.
Analysten und Anleger kehren der Autobranche weltweit den Rücken. Die internationale Konjunkturflaute könnte, so die Befürchtung, zu einer handfesten Rezession führen und die führenden Autohersteller der Welt mit in die Krise ziehen. Die Auto-Aktien befinden sich seitdem in einem klaren Abwärtstrend. Alle Auto-Aktien? Nein, die eines Nischenanbieters aus Stuttgart, dessen Aktien noch nicht einmal in einem führenden Index gehandelt werden, entzieht sich der allgemeinen Trübsal.
Allein am vergangenen Mittwoch hatten sich die Porsche-Titel um 37 Prozent auf 63,05 Euro verteuert. Am Donnerstag setzte sich die Aufwärtsbewegung mit einem Plus von mehr als 3 Prozent auf 65,20 Euro fort. Dabei konnte sich die Aktie des Sportwagenherstellers in den vergangenen Wochen auch nicht der Abwärtsbewegung bei Auto-Titeln entziehen. Bis auf ein Jahrestief von 37,61 Euro war der Kurs Anfang Oktober gefallen. Seit Jahresanfang hat Porsche mehr als 65 Prozent an Börsenwert verloren.
Es waren auch die positiv aufgenommen Quartalszahlen von Volkswagen, die den Aktienkurs des künftigen Mehrheitsaktionärs Porsche beflügelten. Trotz schleppender Neuwagenverkäufe in wichtigen Märkten und anhaltend hoher Rohstoffkosten hat Volkswagen in den ersten neun Monaten deutlich zugelegt. Unter dem Strich steigerte Europas größter Automobilhersteller seinen Gewinn um 29 Prozent auf 3,73 Milliarden Euro.
Konjunkturprogramme in Deutschland und Europa
Die europäische Autobranche ist dermaßen unter Druck, dass die Bundesregierung nun ein rund 2 Milliarden Euro schweres Programm beschlossen hat, um Kaufanreize zu setzen. Pkw sind für zwei Jahre von der Kfz-Steuer befreit, wenn sie die Abgasnormen Euro 5 und Euro 6 erfüllen. Für Wagen in der Schadstoffklasse 4 fallen ein Jahr lang keine Steuern an.
Gleichzeitig will die EU-Kommission die Autohersteller mit 40 Milliarden Euro in Form zinsgünstiger Kredite stützen. Politisch gerechtfertigt werden diese Subventionen als Förderung emissionsarmer Fahrzeuge. Doch davon dürfte Porsche als Hersteller von Sportwagen wie dem 911 oder dem schweren Geländewagen Cayenne nur unterdurchschnittlich profitieren. Zwar hat Porsche in der Vergangenheit immer wieder beteuert, sich gegen Wechselkursschwankungen zum Dollar gut geschützt zu haben. Doch Porsche-Aktionäre sollten dennoch auch die Devisenmärkte im Blick behalten, da die Vereinigten Staaten rund 30 Prozent der Porsche-Umsätze ausmachen und andere vom Dollar abhängige Länder wie die Ölstaaten am Golf noch einmal 10 Prozent.
Signal zum Einstieg?
Ist die Übernahme der Mehrheit bei Volkswagen nun für Aktienanleger das Signal zu einem Einstieg bei Porsche? Fakt ist, dass nicht so sehr diese Transaktion die Rally am Mittwoch in Porsche-Aktien ausgelöst hat, sondern vielmehr die Nachricht, dass der Sportwagenhersteller Kurssicherungsgeschäfte von bis zu 5 Prozent der VW-Stammaktien auflösen will, um die irrsinnige Spekulation mit den Volkswagen-Titeln zu beruhigen. Nebenbei dürfte Porsche durch die VW-Spekulation einen Milliarden-Gewinn an der Börse einfahren.
Während viele Hedge-Fonds, Versicherer, Investmentfonds und andere institutionelle Anleger zu den Verlierern dieser absurden VW-Spekulation zählen, ist Porsche auf jeden Fall auf der Gewinnerseite.
Die Analysten halten sich derzeit auffallend mit Kommentaren und Einschätzungen über Porsche zurück. Das ist deshalb ungewöhnlich, weil die Stuttgarter nun 42,6 Prozent an Volkswagen halten und sich weitere 31,5 Prozent über Optionen gesichert haben. Solche Transaktionen rufen eigentlich immer die Analysten auf den Plan, da eine Neubewertung zumindest der übernehmenden Gesellschaft ansteht.
In keinem großen Index vertreten
Porsche jedoch wird nicht in einem der großen Aktienindizes gehandelt. Noch nicht einmal im deutschen Nebenwerte-Index M-Dax wird der Titel gehandelt, obwohl Porsche selbst heute schon - vor der Übernahme von Volkswagen - ein ernsthafter Kandidat für den Dax wäre. So liegt die Marktkapitalisierung beispielsweise bei rund 5,5 Milliarden Euro und damit leicht über der des Dax-Neulings K+S, der zurzeit auf 5,4 Milliarden Euro kommt. Und der Streubesitz der Aktien - zweites wichtiges Kriterium für eine Aufnahme in einen der Indizes - liegt für die Porsche Automobil Holding SE, deren Vorzugsaktien börsennotiert sind, bei 100 Prozent.
Doch Wendelin Wiedeking, der Vorstandsvorsitzende von Porsche, weigerte sich bisher, sich den strengen Publizitätspflichten, die mit einer Aufnahme beispielsweise in den Dax verbunden sind, zu unterwerfen. Von daher schauen die Anleger auch schon mit Spannung darauf, was nach der Übernahme von Volkswagen geschehen wird. Da das Land Niedersachsen 20 Prozent der Anteile hält, sinkt der Streubesitz in VW-Aktien unter die Schwelle für eine Notiz im Dax, sobald Porsche die Marke von 75 Prozent überschreitet.
Kaufempfehlung bekräftigt
Die Analysten von M.M. Warburg haben am Mittwoch ihre Kaufempfehlung für die Porsche-Aktie noch einmal bekräftigt, allerdings das Kursziel von 140 Euro auf 71 Euro gesenkt. Diese Herunterstufung ist nicht als Misstrauensvotum zu werten, sondern dürfte der Marktsituation mit allgemein gesunkenen Kursen geschuldet sein.
Porsche habe weiterhin alle Handlungsmöglichkeiten in bezug auf Volkswagen in der Hand, hebt der Warburg-Analyst in seiner Begründung hervor. Das operative Geschäft des Sportwagenherstellers dagegen werde zunehmend in ein raueres Fahrwasser geraten.
Deutlich unter dem 200-Tage-Durchschnitt
Die BHF-Bank empfiehlt die Porsche-Aktie zwar sogar als „Strong Buy“ zum Kauf mit einem ambitionierten Kursziel von 115 Euro. Doch zugleich befürchten die Analysten der Bank, dass durch die angestrebte 75-Prozent-Mehrheit an Volkswagen die Verschuldung von Porsche auf 20 Milliarden Euro steigern könnte. „Aber dies wäre nur dann ein Problem, wenn Porsche nicht einen Beherrschungsvertrag erreicht“, heißt es weiter. In diesem Fall jedoch könnte Porsche immer noch seine Kaufoptionen auslaufen lassen und bei einem Anteil von 52 Prozent bleiben.
Aus charttechnischer Sicht ist negativ zu werden, dass der Kurs schon im Frühsommer bei rund 130 Euro unter die 200-Tage-Durchschnittslinie gefallen ist und mittlerweile rund 40 Prozent unter ihr notiert. Wer sich in der Porsche-Aktie engagieren will, sollte auf jeden Fall ein Stop-Loss in der Nähe des bisherigen 52-Wochen-Tiefs von knapp 38 Euro setzen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |