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Photovoltaikindustrie Solarwerte - warten auf die nächste Subventionsbonanza

19.01.2011 ·  An den Finanzmärkten kommt es regelmäßig zu ausgeprägten Manien. Dazu zählte der künstliche Boom der Solarwerte. In Europa ist er längst geplatzt. Bei sinkender Förderung bleibt nur die Hoffnung auf eine neue Subventionsbonanza anderswo.

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An den Finanzmärkten kommt es regelmäßig zu ausgeprägten Manien. In diesen Phasen wetten Anleger ungeachtet aller Logik und Vernunft auf das scheinbar grenzenlose Wachstum und den Erfolg bestimmter Branchen.

Sie werden dabei unter anderem von unkritischen Medienberichten und einseitigen Analysen verkaufsorientierter Banken und Unternehmen beeinflusst. Das führt zu einer derartig starken Konsensmeinung, dass Gegenargumente kaum noch gehört werden.

Solarboom war und ist primär auf „Subventionssand“ gebaut

Was heute für den Rohstoffbereich gilt, traf noch vor wenigen Monaten auf die Solarbranche zu. Massivste staatliche Förderung auf Kosten der Allgemeinheit führte zu einer starken Nachfrage, zu starken Investitionen und letztlich zu einem wahren Boom - zunächst auch an der Börse. Allerdings war er nur auf Sand gebaut, da sich die meisten Solaranlagen trotz der hohen Energiepreise am Weltmarkt zumindest in Mitteleuropa ohne Subventionen nicht lohnen, da unglaublicher Preiswettbewerb bei der Herstellung der Technologien einsetzte und weil viele der Produkte inzwischen im Ausland gefertigt werden.

So hat sich der volkswirtschaftliche Produktions- und Wachstumseffekt weitgehend verflüchtigt, während die Kosten für die Erstattung exorbitanter Einspeisevergütungen langsam ins uferlose steigen und die Energie in Deutschland stark verteuern. Auf diese Weise wird in Deutschland nicht nur Kaufkraft abgeschöpft, sondern das Land handelt sich als Produktionsstandort Wettbewerbsnachteile ein.

Nun soll die Förderung für neue Anlagen gekürzt werden. Schon zum ersten Juli könnten die Sätze um bis zu 15 Prozent zurückgehen, heißt es. Für Ende des Jahres sei ein weiterer Einschnitt geplant. Die Förderung könnte sich demnach im Vergleich zu den noch im Jahr 2009 gebotenen Konditionen fast halbieren. Damals erhielten Eigenheimbesitzer noch 43 Cent Förderung für jede Kilowattstunde Solarstrom, die sie ins Stromnetz einspeisten. Bis Ende des Jahres 2011 könnte dieser Satz auf knapp 22 Cent sinken, sollten in Deutschland weiter so viele Solaranlagen installiert wie in den vergangenen Monaten.

In jüngerer Zeit hatten wiederholte Diskussionen über die Kürzung der massiven Subvention zu wahren Installationswellen geführt, da viele noch auf den unglaublichen Subventionszug aufspringen und davon profitieren wollten. Nun soll sich die Entwicklung offensichtlich selbst regulieren, indem die Kürzungen umso rascher greifen, je mehr Solaranlagen installiert werden.

Das Konzept sei noch in der „Feinabstimmung“, hieß es am Dienstag in Koalitionskreisen. Bundesumweltminister Norbert Röttgen und die Solarwirtschaft hätten sich aber offenbar schon darauf verständigt. Auch Wirtschaftsminister Rainer Brüderle sprach sich für eine rasche Senkung der Fördersätze aus. „Die Kosten für Verbraucher dürfen nicht explodieren“, forderte er. Verbraucherschützer begrüßten die geplante Senkung. „Das ist ein richtiger Schritt, aber noch nicht das Ende der Fahnenstange“, sagte Holger Krawinkel, Energieexperte beim Bundesverband der Verbraucherzentralen. „Denkbar wäre schon jetzt ein Fördersatz um die 15 Cent“, sagte Krawinkel. Die Preise für Solarmodule waren in den vergangenen Jahren stark gefallen.

Fallende Subventionen, zunehmender Margendruck - warten auf die nächste Subventionsbonanza

Das Thema ist nicht nur auf Deutschland beschränkt, sondern bezieht sich auch auf andere Länder wie Frankreich oder Spanien, die die Installation von Solar- und Windkraftanlagen massiv subventioniert hatten und in denen nun die damit in Zusammenhang stehenden Kosten aus dem Ruder laufen. Selbst die Solarbranche ist mit Kürzungen einverstanden, da sie die Akzeptanz der Branche rasch schwinden sieht. Sie möchte sich nicht den Ast absägen, auf dem sie so lange so bequem saß und noch sitzt.

Die Börse hat diese Entwicklung längst vorweggenommen. Denn nach massiven Kursgewinnen in den Jahren der allgemeinen Euphorie von 2003 bis 2007 kam es bei den meisten Aktien der in Europa börsennotierten Solar-Unternehmen zu massiven Kursverlusten. Neben der betriebswirtschaftlichen Misswirtschaft in einzelnen Firmen trugen sinkende Margen bei zunehmendem Wettbewerb dazu bei. Bei reduzierter Förderung dürfte sich der Margendruck gar intensivieren.

Aus diesem Grund sind steigende Kurse bei Aktien der Branchenunternehmen in Europa selbst nach den massivsten Kursverlusten der vergangenen Monaten wohl nur in Ausnahmefällen zu erwarten. Es mag das eine oder andere vernünftig und solide geführte Unternehmen geben, das im Zulieferbereich eine Nische gefunden hat oder das fair bewertet ist. So mögen Aktien von Phoenix Solar oder Solarworld gewisse zyklische Reizen bieten. Ein neuer Boom jedoch wäre - abgesehen von spekulativen Sektorrotationen - nur dann denkbar, wenn sich irgendwo auf der Welt eine neue Subventionsbonanza auftäte. Dagegen haben die Aktien der chinesischen Unternehmen Renesola, Jaso und Trina Auftrieb. Überzeugen können allerdings nur die vorgelegten Zahlen der beiden letztgenannten Unternehmen, deren Aktien optisch sogar noch günstig aussehen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors wieder.

Quelle: @cri
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