23.06.2010 · Die Solarbranche gehörte zu den größten Verlierern am Aktienmarkt. Inzwischen geht es wieder nach oben. Analysten raten zum Kauf - aber nur kurzfristig. Vor allem die deutschen Unternehmen brauchen demnach bessere Geschäftsmodelle.
Von Thiemo HeegEgal ob chinesische Unternehmen oder deutsche: Solarwerte haben seit Jahresbeginn keinen leichten Stand. Im sonnenarmen Winter sah der Aufwärtstrend noch gut aus, doch dann zeigten die Anleger den zuvor heißbegehrten Titeln die kalte Schulter. Das große chinesische Solarunternehmen Yingli Green Energy wurde ebenso aus den Depots entfernt wie deutsche Konkurrenten vom Schlage Solarworld oder Q-Cells. Kursverluste von mehr als 50 Prozent innerhalb von fünf Monaten waren keine Seltenheit.
Auf die Stimmung drückte unter anderem die andauernde Diskussion um die Solarförderung. Ursprünglich sollte die auf Jahre garantierte sogenannte Einspeisevergütung für auf Dächern und Äckern erzeugten Sonnenstrom im Juli stärker gekürzt werden als bisher geplant. Das bringe zahlreiche Insolvenzen mit sich und koste Tausende Arbeitsplätze, warnte der Bundesverband Solarwirtschaft. Jetzt hat die Politik die Entscheidung erst einmal vertagt.
Nur kurzfristig ein günstiger Einstiegszeitpunkt
Nun stellt die Branche auf Zuversicht um. Ein „extrem positives Denken“ mache sich breit, konstatiert West-LB-Analyst Peter Wirtz. Aus dem gesamten Solarsektor sei zu hören, dass das Umfeld für das zweite Halbjahr 2010 trotz der voraussichtlichen Förderkürzung deutlich positiver gesehen werde als zuvor, urteilen auch die Analysten der DZ Bank.
Nicht nur sie reagierten mit Heraufstufungen. Die Deutsche Bank empfiehlt nun, die Papiere etwa von Q-Cells zu halten, anstatt wie bisher, zu verkaufen. Für Solarworld lautet die Empfehlung des Deutsche-Bank-Analysten Alexander Karnick inzwischen nicht mehr „halten“, sondern „kaufen“. Zur Begründung hieß es, die Entwicklung der Solarunternehmen dürfte in der zweiten Jahreshälfte besser verlaufen als zuvor erwartet. Trotz der Subventionskürzung bleibe die Nachfrage nach Solaranlagen in Deutschland hoch.
Bietet sich damit für Anleger nun also ein günstiger Einstiegszeitpunkt, nachdem die Kurse der Solarwerte im Keller sind? Allenfalls kurzfristig, lautet der verhaltene Tenor der Branchenauguren. West-LB-Analyst Wirtz sieht zwar das gegenwärtig positive Umfeld, bezweifelt aber, dass es nachhaltig ist. Nach seiner Einschätzung haben Solaraktien noch Aufwärtspotential in einer Größenordnung von 20 Prozent. Günstig bewertet sieht er unter anderem das Photovoltaik-Systemhaus Phoenix Solar.
„Es ist fünf vor zwölf für die deutsche Photovoltaikindustrie“
Auf Deutschlands Solaranbieter zu setzen könnte sich gegenwärtig auch wegen der Währungsentwicklung empfehlen. Die chinesische Konkurrenz leidet massiv unter dem schwächeren Euro. „Kommt es zu einer Neubewertung des Yuan, dann könnte dies eine sehr große Geschichte für die deutsche Solarindustrie werden“, sagte ein Börsenhändler. Die Chinesen verlören ihren enormen Preis- und Kostenvorteil, und die Deutschen könnten Marktanteile gewinnen.
Doch langfristig darauf zu setzen könnte sich auch als Fehler erweisen. Fundamental sei bei chinesischen Unternehmen alles in Ordnung, erläutern Analysten. Ganz im Gegensatz zu manchen deutschen Firmen. In einer Studie der Managementberatung Oliver Wyman heißt es, hiesige Manager müssten ihre Geschäftsmodelle anpassen, Kosten senken und sich global ausrichten: „Es ist fünf vor zwölf für die deutsche Photovoltaikindustrie.“ Und so raten einige Analysten unverdrossen zu chinesischen Sonnenfirmen wie Yingli oder Trina Solar. Schließlich seien die jetzt billig zu haben.
Viele Solarunternehmen fallen in puncto Nachhaltigkeit durch
Solarenergie gilt als gut, weil sie klimaschonenden Strom erzeugt. Sind also auch die Hersteller von Solarzellen gut? Diese Gleichung geht leider so nicht auf. Viele Unternehmen, die in der Photovoltaik-Industrie tätig sind, arbeiten längst nicht so sauber wie die Energie, die sie herstellen. Häufig werden hochtoxische Produkte eingesetzt, ohne dass angemessene Sicherheitsstandards eingehalten würden. „Wir sind sehr darüber besorgt, wie Solarzellen hergestellt werden und wie dies die Umwelt belastet“, sagt Seb Beloe, Leiter Nachhaltigkeit der britischen Fondsgesellschaft Henderson.
Er verschickte daraufhin an alle Hersteller einen detaillierten Fragebogen und fasste die Ergebnisse in einer Studie zusammen, die künftig regelmäßig aktualisiert werden soll. Von 25 Unternehmen schnitten 15 mit der schlechtestmöglichen Note ab. Dazu zählen Namen wie Uni-Solar, Sun-Power, Solar-Fun, Best Solar oder Sharp. Bei vier weiteren Unternehmen, beispielsweise Solar Cells Hellas oder Solaire Direct, sieht Beloe keine Schritte in Richtung Nachhaltigkeit. Der deutsche Hersteller Solon kommt auf 50 von 100 möglichen Punkten. Branchenbeste sind der deutsche Hersteller Solar-World mit 88 Punkten und der Q-Cells-Ableger Calyxo mit 90 Punkten.
Bei nachhaltigen Investments achten die Fondsmanager nicht nur auf die möglichen Folgen für die Umwelt, sondern auch auf einen verantwortungsbewussten Umgang mit Kunden, Angestellten, Lieferanten und Anteilseignern. hlr.
Vorsicht!
norbert doerre (ndoerre)
- 24.06.2010, 21:19 Uhr
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |