04.05.2007 · Eine ungünstige Charttechnik führten Börsianer für die starken Kursverluste der Solarworld-Aktie am Donnerstag ins Feld. Trotz am Freitag vorgelegter guter Ergebnisse für das erste Quartal könnte es sein, dass die Notierung diese vorerst nicht wettmachen kann.
Dass die Solarindustrie in Deutschland an Schwung verloren hat und mittlerweile ihr Heil im Ausland sucht, ist ein Umstand, der sich mittlerweile herumgesprochen hat. Auch beim Branchenprimus Solarworld ist dies nicht anders, der am Freitag Geschäftszahlen für das erste Quartal vorlegte.
Die Gesellschaft profitierte im ersten vor allem von ihrem Auslandsgeschäft, dessen Anteil am Gesamtumsatz zulegte. Die Nachfrage nach Solarmodulen wird weltweit von neuen Förderprogrammen angetrieben, die oftmals die deutsche Gesetzeslage zum Vorbild haben.
Export stützt Ertragslage
Der Solartechnikhersteller ist trotz gesenkter Preise für Solarmodule mit einem kräftigen Gewinnanstieg ins Jahr gestartet. Bei einem Umsatzplus von 60 Prozent auf 132,8 Millionen Euro sei im Auftaktquartal der Überschuss um 30 Prozent auf 21,4 Millionen Euro gestiegen, teilte das Bonner Unternehmen mit. Vor Zinsen und Steuern (Ebit) habe Solarworld ein Plus von 31 Prozent auf 35,1 Millionen Euro verbucht.
Vorstandschef Frank Asbeck hatte bereits Ende März mitgeteilt, dass die Nachfrage nach Solarmodulen im ersten Quartal um 40 Prozent angezogen war. Im Umsatz spiegelten sich die erhöhten Produktionsmengen und im Ergebnis die auf allen Wertschöpfungsstufen erreichten Kostenreduktionen wider, erklärte das Unternehmen.
Neben der guten Versorgung der inländischen Vertragspartner zu gesenkten Preisen sei die Auslandsquote um rund 17 Prozentpunkte seit Jahresende (43 Prozent) auf rund 60 Prozent erhöht worden. Asbeck verwies darauf, dass man angesichts der Preisnachlässe bei Solarmodulen die Kosten massiv gesenkt habe.
Prognosenerhöhung in Aussicht gestellt
Die Prognose für das laufende Geschäftsjahr will Solarworld zu einem späteren Zeitpunkt anheben. „Unsere bisherige Prognose ist konservativ und wir werden diese nach dem zweiten Quartal nach oben anpassen“, sagte Asbeck am Freitag in Bonn der Finanz-Nachrichtenagentur dpa-AFX. Zum Umfang machte er keine Angaben. Bislang hatte er für 2007 einen Zuwachs von 20 Prozent in Aussicht gestellt.
Über den bisherigen Verlauf des zweiten Quartals äußerte er sich zufrieden. „Der April ist sehr gut gelaufen“, sagte Asbeck. Dieses werde traditionell besser abschneiden als das erste Jahresviertel. Vor allem die Nachfrage aus dem Ausland sei stark.
Betrachtet man die Kursentwicklung der Solarworld-Aktie, so zeigt sich deutlich, dass die große Zeit der Solar-Aktien Mitte 2004 begann und im Frühjahr 2006 endete. Nach der Baisse erreichte der Kurs im Jahr 2003 bei 50 Cent sein Allzeittief und vervierfachte sich binnen Jahresfrist. In den darauf folgenden zwei Jahren kletterte der Kurs aber um das 35fache.
Dann folgte eine massive Konsolidierung, in der die Notierung fast um die Hälfte bis auf 37,83 Euro durchsackte, bevor sie zu einer neuerlichen Erholung ansetzte, die Anfang Februar bei 67,36 Euro ihr Ende fand. Neuerlich fiel der Kurs bis auf 53,26 Euro. Eine sich danach anschließende moderate Erholung fand am Donnerstagmorgen ein deutliches Ende, als der Kurs um über fünf Prozent nachgab und sich dieses Minus den Tag über hielt.
Ungünstige Charttechnik
Die Gründe sind nicht ganz ersichtlich. Die Umschichtungen im Portfolio der DWS, die zunächst Aktien verkauft und dann wieder gekauft hatte, erscheint dafür kaum tragfähig. Als Ursache nannten Beobachter daher eine ungünstige Charttechnik.
Tatsächlich könnte sich die Notierung unter diesem Gesichtspunkt besser darstellen. Das Scheitern des Kurses am Montag am Hoch der Vorwoche, als das Hoch der vorausgegangenen sieben Tage schon verfehlt wurde, begründet eine fallende Linie seit Mitte April, die der Kursrutsch vom Donnerstag natürlich verschärft hat, zumal dabei die exponentielle 38-Tage-Linie und der kurzfristige Aufwärtstrend nach unten durchbrochen wurden.
Dagegen hält der seit Oktober gültige Aufwärtstrend weiterhin. Die Lage könnte sich aber am Freitag weiter verschlechtern, wenn es der Notierung nicht gelingt, das Aprilhoch von 63,50 Euro zu überwinden. Davon ist sie aber bei einem Plus zum Handelsbeginn von zwei Prozent auf 60 Euro weit entfernt. Tatsächlich macht sie damit noch nicht einmal die Kursverluste des Vortages wett.
Vorzeichen sind nicht unbedingt günstig
Eine entscheidende Rolle spielt die Zone zwischen 60 und 60,85 Euro. Kann sich die Notierung darüber behaupten, besteht die Möglichkeit, dass die Erholung noch weiter fortgesetzt werden kann. Bleibt sie darunter, dürfte sie gescheitert sein, so dass der Kurs möglicherweise weiter bis in den Bereich von 55 Euro konsolidiert.
Hinzu kommt, dass die Aktie mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen von 32,7 für das laufende und 24 für das kommende Jahr angesichts des schwieriger gewordenen Inlandsmarktes eben nicht unbedingt preiswert ist und die mögliche Prognosenerhöhung offenbar doch noch vom weiteren Verlauf des zweiten Quartals abhängt.
Insofern dürfte es sich empfehlen, erst einmal abzuwarten, wie sich der Kurs weiter entwickelt. Sollte sich eine Prognosenerhöhung nach dem zweiten Quartal abzeichnen, könnte die Notierung einen weiteren Anlauf nehmen, alte Höhen wieder zu erreichen.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.339,94 | +0,38% |
| FAZ-INDEX | 1.377,69 | −0,11% |
| TecDAX | 752,47 | +0,08% |
| MDAX | 10.196,40 | −0,34% |
| SDAX | 4.817,28 | +0,29% |
| REX | 434,70 | −0,15% |
| Eurostoxx 50 | 2.161,87 | +0,25% |
| F.A.Z. EURO | 69,61 | +0,13% |
| Dow Jones | 12.454,80 | −0,60% |
| Nasdaq 100 | 2.527,05 | −0,17% |
| S&P500 | 1.317,82 | −0,22% |
| Nikkei225 | 8.580,39 | +0,20% |
| EUR/USD | 1,2515 | −0,14% |
| Rohöl Brent Crude | 106,90 $ | +0,14% |
| Gold | 1.569,50 $ | +0,06% |
| Bund Future | 144,35 € | +0,25% |