Home
http://www.faz.net/-gv7-qujx
HERAUSGEGEBEN VON WERNER D'INKA, BERTHOLD KOHLER, GÜNTHER NONNENMACHER, FRANK SCHIRRMACHER, HOLGER STELTZNER

Photovoltaik Solaraktien empfehlen sich nur als Beimischung

14.11.2006 ·  Nach Conergy warten am Dienstag vier weitere Solar-Unternehmen mit unterschiedlich guten Zahlen auf. Immer deutlicher wird: in den Kursen stecken sehr hohe Erwartungen. Das macht die Werte anfällig.

Artikel Bilder (8) Lesermeinungen (0)

Es gibt nur wenige Branchen, in denen deutsche Unternehmen führend sind. Dazu gehört indes unzweifelhaft die Photovoltaik, nicht zuletzt dank einer staatlichen Förderung, die hierzulande erheblich früher einsetzte als in anderen Staaten.

Das hat zur Herausbildung einer Industrie geführt, die nunmehr auch verstärkt im Export tätig wird, wie bereits am Montag die Zahlen des Solaranlagenbauers Conergy demonstrierten. Zum Teil aber auch, weil ihnen nichts anderes mehr übrig bleibt. Auch am Dienstag gibt es wieder Zahlen aus der Solarbranche, diesmal gleich von vier Unternehmen. Indes belegen die veröffentlichten Zahlen, daß die Sonne längst nicht mehr über allen Solar-Unternehmen so hell strahlt wie noch vor zwölf Monaten.

Administrative Startschwierigkeiten bremsen Solon aus

Das haben die Aktienkurse zum Teil auch schon vorweggenommen. Lag etwa die Notierung der Solon-Aktie am Montag fast den gesamten Tag moderat im Plus, sicherlich mitgetrieben von den Ergebnissen von Conergy (Ausgebliebene Gewinnwarnung treibt Conergy-Aktie), so stürzte sie gegen 16.30 Uhr plötzlich ab und beendet den Handel rund zwei Prozent im Minus bei 27,35 Euro und fiel damit endgültig wieder unter den kurzfristigen Abwärtstrend, den sie am Ende der vergangenen Woche noch durchbrechen zu können schien.

Die Erklärung folgte am Dienstag morgen mit Vorlage der Zahlen. Zwar hat der Solarmodulhersteller in den ersten neun Monaten 2006 einen deutlichen Umsatz- und Gewinnanstieg verzeichnet, doch der Ausblick, den Solon gab, war eher zurückhaltend.

Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) stieg gegenüber dem Vorjahreszeitraum um 91 Prozent auf 15,5 Millionen Euro. Nach Steuern und Minderheiten verbuchte Solon einen mehr als doppelt so hohen Nettogewinn von 9,5 Millionen Euro. Der Umsatz kletterte um 81 Prozent auf 218 Millionen Euro.

Doch räumte das Unternehmen ein, daß administrative Startschwierigkeiten im Ausland in den vergangenen Wochen zu Verzögerungen bei einzelnen Projekten geführt hätten. In Abhängigkeit davon, zu welchem Grad diese Projekte bis zum Jahresende realisiert werden könnten, erwartet das Unternehmen für das Gesamtjahr eine Steigerung des Konzernumsatzes gegenüber dem Vorjahr um 50 bis 75 Prozent bei einer entsprechenden Verbesserung des Konzernergebnisses. Zuletzt hatten die Berliner für 2006 Zuwächse beim Umsatz und Konzerngewinn von 75 Prozent in Aussicht gestellt.

Der Chart spricht gegen das Papier

Für das Jahr 2007 rechnet das Unternehmen mit einem Wachstum der Produktionsmenge und des Umsatzes um jeweils über 25 Prozent bei einer proportionalen Ergebnisverbesserung.

Analysten hatten bislang mit einer Steigerung des Ergebnisses je Aktie im laufenden Jahr um zwei Drittel und im kommenden Jahr um 30 Prozent gerechnet. Während die Prognose für 2006 noch eintreffen könnte, scheint die für 2007 gefährdet. Dennoch ist Solon mit Kurs-Gewinn-Verhältnissen (KGV) von etwa 18 für das laufende und über 14 für das kommende Jahr vergleichsweise günstig bewertet.

Das nützt allerdings recht wenig, wenn der Markttrend so eindeutig gegen ein Papier spricht. Seit dem Allzeithoch im Mai bei 48,14 Euro befindet sich die Notierung auf dem Weg nach unten. Jedes aufeinanderfolgende Hoch lag unter dem vorangehenden. In den vergangenen Wochen schien sich ein Boden zu bilden, doch damit dürfte es am Dienstag vorbei sein. 6,4 Prozent auf 25,60 Euro geht es kurz nach Handelseröffnung abwärts. Das ist zwar noch kein neues Tief, aber auch das ist im Tagesverlauf nicht auszuschließen.

Zuviel auf Halde bei Sunways

Auch die Ergebnisse von Sunways gaben nicht zu ungeteilter Freude Anlaß. Zwar hat der Solarzellenbauer das dritte Quartal mit einem Überschuß von 1,9 Millionen Euro abgeschlossen, nachdem im Vorjahreszeitraum die Verluste erstmals der Vergangenheit angehört hatten. Indes blieben der Betriebsgewinn mit 500.000 Euro, das Finanzergebnis mit minus 400.000 Euro und der Vorsteuergewinn mit 100.000 konstant.

Damit ist der Überschuß allein steuerlich bedingt, weil im Berichtszeitraum die Gründe für die Wertberichtigungen auf die latenten Steuern auf die Verlustvorträge aus den Geschäftsjahren vor 2001 entfielen und diese entsprechend aufgelöst wurden. Insgesamt spiegele die Situation die erneut stark gestiegenen Rohstoffkosten wider, so das Unternehmen im Quartalsbericht.

Doch auch andere Probleme scheint es im Konzern zu geben. So haben sich die Vorräte gegenüber dem Jahresbeginn um 35 Prozent auf 17,5 Millionen Euro erhöht. Der Vorstand stelle derzeit eine preisliche Neuorientierung und eine zunehmende Ausrichtung der Kunden auf hochqualitative Produkte fest, heißt es dazu. Eine Intensivierung der Exportaktivitäten soll im vierten Quartal zu einer Reduzierung dieser temporär erhöhten Lagerbestände führen. Für das Gesamtjahr 2006 erwartet der Vorstand weiterhin ein Umsatzwachstum im zweistelligen Bereich auf voraussichtlich 150 Millionen Euro.

Teure Aktie vor charttechnischen Herausforderungen

Mit geschätzten KGVs von 97 für das laufende und 25 für das kommende Jahr gehört das Sunways-Papier zu den teuersten Solar-Aktien. Dabei gehen die Analysten noch von einem höheren Umsatz von 161,65 Millionen Euro im laufenden Jahr aus, andererseits auch von einem deutlich niedrigeren Ergebnis je Aktie, das nach neun Monaten bereits 21 statt wie geschätzt sechs Cents beträgt. Indes gehen rund 13 Cents auf Steuereffekte zurück. Damit läge das KGV ohne Steuereffekte bei circa 60 für 2006, was immer noch viel ist.

Charttechnisch gilt ähnliches wie für die Solon-Aktie, außer daß die Notierung bereits seit dem Februar im Krebsgang läuft. Vorbörslich sieht es mit einem Plus von 2,7 Prozent besser aus. Um aber Chancen auf eine Erholung zu haben, sollte heute die Marke von 6,60 Euro fallen. Das schafft die Aktie kurz nach Handelsbeginn erst einmal und legt 11,5 Prozent auf sieben Euro zu. Ob dieses Niveau angesichts der Bewertung haltbar sein wird, ist fraglich - zumal der mittelfristige Abwärtstrend erst bei einem Niveau von über acht und der langfristige gar erst über zehn Euro durchbrochen werden kann.

Shell-Übernahme treibt Solarworld-Gewinn

Wesentlich besser sieht es da beim Aushängeschild der Branche aus, bei Solarworld. Vor allem die Übernahme des Solargeschäftes des Ölmultis Shell scheint sich bezahlt zu machen. Inklusive des außerordentlichen Ertrages von 53,9 Millionen Euro aus der Erstkonsolidierung der Shell-Aktivitäten sei im Zeitraum von Juli bis September der operative Gewinn (Ebit) um 198 Prozent auf 77,4 Millionen Euro gestiegen, teilte der Konzern mit.

Bereinigt ergab sich immer noch ein Plus von 40 Prozent auf 36,5 Millionen Euro. Damit lag Solarworld leicht unter den Erwartungen der Analysten, die im Schnitt mit einem Ebit von 37,2 Millionen Euro gerechnet hatten. Der Überschuß legte im dritten Quartal um 319 Prozent auf 63,3 Millionen Euro zu. Der Umsatz erreichte mit einem Plus von 29 Prozent 142,0 Millionen Euro.

Unternehmen profitiert vom Wafer-Export

Das Ergebnis des Unternehmens habe im dritten Quartal vom guten Export von Wafern profitiert, vor allem in den asiatischen Raum. Bei Umsatz und operativem Ergebnis seien die Erwartungen des Unternehmens genau getroffen worden, erklärte Vorstandschef Frank Asbeck.

Der Vorstand erwartet nun, daß sich der Konzerngewinn wegen des bedeutenden Einmal-Effektes aus der Shell-Transaktion und dem positiven operativen Geschäftsverlauf im Gesamtjahr mehr als verdoppeln werde. Erst im August hatte Solarworld seine Gewinnerwartungen hoch geschraubt und ein Plus von 40 Prozent in Aussicht gestellt. Die ebenfalls im Sommer angehobene Umsatzprognose behielt die Firma bei und peilt demnach weiterhin ein Wachstum von 40 Prozent an.

Der Solarzellen-Hersteller hatte im Februar die Übernahme des Großteils des Sonnenenergie-Geschäfts von Shell angekündigt. Damit will das Unternehmen weltweit zur Nummer drei in der Solarstromtechnik hinter Sharp und BP aufsteigen.

Chance auf Ende der Baisse

Durch diese erhebliche Veränderung des Konsolidierungskreises ist es derzeit etwas schwer, den Erfolg des Unternehmens genau zu beurteilen. Weniger gut läuft es indes für die Projektierungstochter Solarparc, auf die im dritten Quartal infolge des Kursverfalls 13 Millionen Euro abgeschrieben werden mußten.

Bewertet ist Solarworld auf Basis der Analystenprognosen mit geschätzten KGVs von 31 für das laufende und 18,5 für das kommende Jahr. Kann indes der Gewinn je Aktie tatsächlich verdoppelt werden, würde sich das KGV auf 23,6 für das laufende Jahr ermäßigen. Das ist zwar immer noch reichlich, reicht aber dafür, den am Montag mit einem Plus von vier Prozent eingeleiteten Aufschwung mit einem Eröffnungsgewinn von zwei Prozent fortzusetzen.

Das Entscheidende ist dabei, daß damit das Augusthoch überboten wurde und somit die Chancen gut stehen, daß sich die Notierung die moderate Baissephase der vergangenen fünf Monate endgültig überwindet. Indes steht sie dann vor der starken Widerstandszone bei 55 Euro, die schwer zu knacken sein könnte.

Q-Cells erhöht abermals Prognosen

Gute Zahlen gab es auch vom Solarzellenhersteller Q-Cells. Dieser hat in den ersten neun Monaten den Gewinn unerwartet deutlich gesteigert und seine Jahresziele erneut angehoben. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (Ebit) stieg bis Ende September um 126 Prozent auf 90,9 Millionen Euro. Von Reuters befragte Analysten hatten im Schnitt mit einem Ebit von 85,8 Millionen Euro gerechnet. Der Nettogewinn habe sich mehr als verdoppelt auf 62 (Vorjahreszeitraum: 24,8) Millionen Euro. Der Umsatz lag bei 383,9 Millionen Euro, ein Plus von 95 Prozent zum Vorjahreszeitraum.

Für das Gesamtjahr schraubte das Unternehmen seine erst im August angehobene Gewinnprognose erneut nach oben. Damit erhöht Q-Cells zum dritten Mal in diesem Jahr seine Ziele. Die Firma erwartet nun einen Jahresüberschuß von 85 Millionen Euro, nachdem bislang etwa 75 (Vorjahr: 39,9) Millionen Euro in Aussicht gestellt worden waren. Das Ebit soll mit bis zu 120 Millionen Euro ebenfalls höher ausfallen als bislang mit 115 Millionen Euro geplant. Der Umsatz soll dagegen unverändert um gut 75 Prozent auf rund 525 Millionen Euro steigen.

Fast die Hälfte des Umsatzes im Berichtszeitraum erwirtschaftet der nach eigenen Angaben nach Sharp weltweit zweitgrößte Solarzellenhersteller im Ausland. Vor Jahresfrist waren es noch 35 Prozent. Bis Ende 2007 soll sich die Quote auf 60 Prozent erhöhen.

Die Aktien sind hoch bewertet

Diese Meldungen bringe am Dienstag mit einem Plus von 5,8 Prozent kurz nach Eröffnung wieder Schwung in die Q-Cells-Aktie. Diese war nicht zuletzt wohl aufgrund ihrer sehr hohen Bewertung im Februar von 48,025 Euro eingebrochen und hatte im Juni ein Tief erreicht. Eine Erholung bis August aber hatte keinen Bestand. Die Aktie fiel von 37,31 Euro wieder zurück und startete vor einigen Tagen einen neuen Aufholversuch.

Indes muß als schlechtes Zeichen gewertet werden, daß es selbst in der Spitze bisher nicht gelang, das Augusthoch zu überwinden. Damit droht ein Abkippen in eine Handelsspanne zwischen 28 und 37 Euro. Das wäre insofern nicht verwunderlich, als die geschätzten KGV selbst nach der Erhöhung der Prognosen noch bei 32 für das laufende und 30 für das kommende Jahr liegen.

Das Problem der Solaraktien ist also weiterhin eines der Bewertung. Gute Aussichten sind bereits weitestgehend in den Kursen eskomptiert. Sind die Bewertungen niedriger, so sind es offenbar auch die Wachstumsaussichten. Damit bleiben die Werte spekulativ und eignen sich nur als Beimischungen.

Die in dem Beitrag geäußerte Einschätzung gibt die Meinung des Autors und nicht die der F.A.Z.-Redaktion wieder.

Quelle: @mho
Hier können Sie die Rechte an diesem Artikel erwerben

  Weitersagen Kommentieren Merken Drucken
Weitersagen
25.05.2012 17:45 Uhr
  Vortag
Dax 6.339,94 +0,38%
 OK
25.05.2012
Name Kurs Prozent
DAX 6.339,94 +0,38%
FAZ-INDEX 1.377,69 −0,11%
TecDAX 752,47 +0,08%
MDAX 10.196,40 −0,34%
SDAX 4.817,28 +0,29%
REX 434,70 −0,15%
Eurostoxx 50 2.161,87 +0,25%
F.A.Z. EURO 69,61 +0,13%
Dow Jones 12.454,80 −0,60%
Nasdaq 100 2.527,05 −0,17%
S&P500 1.317,82 −0,22%
Nikkei225 8.580,39 +0,20%
EUR/USD 1,2515 −0,14%
Rohöl Brent Crude 106,90 $ +0,14%
Gold 1.569,50 $ +0,06%
Bund Future 144,35 € +0,25%