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Photovoltaik Geld verdienen mit der Sonne

29.08.2010 ·  Die Subventionen für Solarstrom sinken überall in Europa. Trotzdem lohnt es sich, in Solarenergie zu investieren - auf dem Dach oder im Depot.

Von Christian Siedenbiedel
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Kaum etwas ist gerade so spannend wie die Entwicklung der Sonnenenergie: In der Wüste sollen riesige Solarkraftwerke entstehen, Solarflugzeuge umrunden die Welt. In Deutschland sind in diesem Sommer so viele Solarzellen auf Dächern und Feldern montiert worden wie nie zuvor in der Geschichte dieser Technologie. Und je kritischer hierzulande über Atomstrom debattiert wird, desto zukunftsträchtiger und lukrativer müsste das harmlosere Geschäft mit der Sonne doch eigentlich werden.

Wer als Anleger von diesem Trend profitieren will, stößt allerdings auf ein Problem. Die Subventionen, die überall in Europa für Sonnenenergie gezahlt wurden, werden gerade zurückgefahren. In Deutschland ist die erste Kürzung der sogenannten Einspeisevergütung zum 1. Juli erfolgt, eine zweite kommt zum 1. Oktober. Nicht zufällig hat der Andrang bei Herstellern, Händlern und Monteuren von Solaranlagen daraufhin deutlich nachgelassen. Und auch die Kursentwicklung vieler Solaraktien hat ihre Besitzer zuletzt nicht unbedingt erfreut (siehe Infografik).

Trotz Kürzung weiter lohnenswert

Zwei Fragen drängen sich deshalb auf, was das Investieren in Sonnenenergie betrifft: Lohnt es sich noch, sich eine sogenannte Photovoltaikanlage aufs Dach setzen zu lassen? Oder gibt es Aktien, mit denen man genauso gut von der globalen Nutzung der Sonnenenergie profitiert?

Die Solarindustrie selbst hatte aufgeheult, als im Frühjahr die Kürzung der Einspeisevergütung für Solarstrom bekannt wurde. Von „Tausenden von gefährdeten Arbeitsplätzen“ war die Rede. Man konnte den Eindruck gewinnen, zumindest in Deutschland werde von nun an keine einzige neue Anlage mehr errichtet. Fast alle Studien, die seither erstellt wurden, zeigen jedoch: Solaranlagen lohnen sich auch mit weniger Subventionen. „Auch nach der Kürzung der Einspeisevergütung haben Solaranlagen attraktive Renditen“, sagt Ruxandra Haradau-Döser, Solarexpertin des Bankhauses Metzler.

Für typische Anlagen auf Privathäusern mit mittlerer Sonneneinstrahlung berechnete die Stiftung Warentest Renditen von fünf bis neun Prozent im Jahr. Für regelrechte Solarparks kommt die Investmentbank Goldman Sachs sogar auf stolze sieben bis zwölf Prozent. „Photovoltaikanlagen versprechen auf jeden Fall mehr Rendite als das gute alte Sparbuch“, sagt Philipp Vohrer von der regierungsnahen Agentur für Erneuerbare Energien in Berlin (siehe Modellrechnung).

Preisverfall rechnet sich

Der entscheidende Grund für die Höhe der Renditen: Nicht nur die Subventionen sinken, sondern auch die Preise der Anlagen. Nicht immer im gleichen Maße und manchmal zeitversetzt. Aber doch recht zuverlässig. So mussten Anleger für eine typische Anlage auf einem Privathaus zuletzt nur noch rund 2900 Euro je Kilowatt Leistung ausgeben. Das waren fast 30 Prozent weniger als noch zu Beginn des Jahres 2009.

Dieser Preisverfall vor allem für Solarmodule, eine Technik, die längst zum austauschbaren Massenprodukt geworden ist, war ein Problem für Solarfirmen - und neben den sinkenden Subventionen eine Ursache dafür, dass sich gerade deutsche Solaraktien nicht immer wie erhofft entwickelt haben.

Kursverfall könnte sich auch rechnen

Wer überlegt, jetzt in Solaraktien zu investieren, kann allerdings von diesem Kursverfall profitieren. „Die Nachrichten über die Senkung der Subventionen sind seit Monaten auf dem Markt“, sagt Metzler-Expertin Haradau-Döser. „Sie sind zum großen Teil schon in den Kursen enthalten.“ Zumindest einige Solaraktien haben deshalb ein recht niedriges Verhältnis von Kurs und Gewinn, sie sind also günstig zu haben.

Allerdings: Allein die niedrige Bewertung sagt nichts darüber aus, ob die Aktie ein gutes Investment darstellt. Drei Fragen sind entscheidend: Wie stark wird der Solarmarkt insgesamt unter dem Subventionsabbau in vielen Ländern leiden? Welche Chance haben die deutschen Solarunternehmen gegen die Konkurrenz aus Billigländern wie China? Und nicht zuletzt: Welches Geschäftsmodell der verschiedenen Solarfirmen wird erfolgreich sein?

Die guten Zahlen vieler Solarunternehmen für die erste Jahreshälfte 2010 sagen wenig aus. Schließlich gab es hierzulande eine regelrechte Torschlusspanik bei Käufern von Solaranlagen, die sich alle vor dem 1. Juli noch den hohen Stromabnahmepreis für die nächsten 20 Jahre sichern wollten. Nächstes Jahr dürfte die Nachfrage weltweit zunächst sinken, und zwar getrieben von der Entwicklung in Deutschland.

Statt neuer Anlagen mit elf Gigawatt Leistung wie dieses Jahr werden weltweit nur noch 9,5 Gigawatt erwartet. Die schwache Nachfrage macht es auch den deutschen Solarfirmen schwerer. Zudem ist ihr Marktanteil einer Studie der Beratungsfirma PRTM zufolge seit 2006 von 53 auf 31 Prozent gesunken; der Anteil der Amerikaner stieg von 9 auf 21 Prozent und der Anteil der Chinesen von 21 auf 32.

Vorteile für Spezialisten und Marktführer

Ein Kriterium für die Auswahl von Solaraktien kann daher die Konkurrenzsituation sein. Die Wettbewerber aus Fernost sind vor allem für Hersteller von Solarmodulen eine Gefahr; etwa für Q-Cells aus dem ostdeutschen Industriestandort Bitterfeld. Die meisten Analysten raten im Augenblick von dieser Aktie ab. Anders ist es beim deutschen Solarmodul-Marktführer Solarworld: Das Unternehmen sei auch in den Vereinigten Staaten „gut positioniert“, sagt Haradau-Döser: „Solarworld stellt Solarmodule her, die überdurchschnittlich effizient sind.“

Weniger Konkurrenz hatten bislang Firmen wie Centrotherm, die Maschinen zum Bau von Solarzellen anbietet, oder SMA Solar, die auf kompliziertere Bauteile spezialisiert ist. Letztere stellt sogenannte Wechselrichter her, die man braucht, um Gleichstrom aus Solarzellen in Wechselstrom fürs Netz umzuwandeln. Sie finden hierzulande genauso Einsatz wie etwa in China. Die SMA-Aktie erlebte am Freitag an der Börse in Frankfurt einen regelrechten Freudentaumel, als die Investmentbank Merrill Lynch sie auf ihre „Most Preferred List“ setzte - und Gerüchte aufkamen, First Solar, der legendäre Marktführer aus Amerika, plane ein Übernahmeangebot.

Viele Fragen sehen Analysten dagegen nach wie vor beim Hamburger Solarkonzern Conergy. Der legte zwar fürs zweite Quartal gute Zahlen vor. Er kämpft aber immer noch mit gewaltigen Schulden. Und offenbar auch mit Management-Problemen: Zumindest hat Vorstandschef Dieter Ammer sich von seinem potentiellen Nachfolger getrennt. Das ermutigte Anleger nicht gerade.

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