Die Krise der Solarbranche spitzt sich immer weiter zu. Waren es zuerst die Zellen- und Modulhersteller, so scheint die Krise greift sie zunehmend auf Zulieferer und Ausrüster über. Jetzt erwischt es endgültig den Maschinenbauer Centrotherm. Dessen Aktienkurs fällt am Donnerstag um rund 25 Prozent auf ein neues Allzeittief von 3,80 Euro.
Anlass sind Nachrichten über akute Finanzierungsprobleme. Centrotherm hatte nach Börsenschluss am späten Mittwochabend mitgeteilt, dass Warenlieferungen an das Unternehmen künftig nicht weiter versichert würden. Grund sei die anhaltend schlechte Marktlage und die daraus folgende angespannte Finanzierungssituation. Die Warenversicherer entzogen der Firma also das Vertrauen, weiter so wirtschaften zu können, dass keine Ausfälle drohen. Centrotherm habe davon selber am Mittwoch erfahren.
Anleger gehen auf Nummer Sicher
Analyst Frank Neumann vom Bankhaus Lampe sagte: Dadurch dass die Warenkreditversicherer bei Centrotherm nicht mehr bereit zur Deckung der Kredite seien, „wird die Finanzierung für Centrotherm teurer, da sie die Waren früher bezahlen müssen“. Durch diesen so verursachten Bargeldabfluss würden die Reserven des Unternehmens weiter zusammenschmelzen.
„Die Anleger gehen daher lieber raus aus der Aktie, denn das Risiko wächst. Zumal die Auftragslage recht schwach ist und keiner weiß, wann sie wieder anziehen wird. Für Centrotherm wird es damit zunehmend schwerer, zur Profitabilität zurückzukehren.“ Der Vorstand erwartet Belastungen im niedrigen zweistelligen Millionen-Euro-Bereich.
Sanierungsgutachten beauftragt
Laut Mitteilung vom Vortag will Centrotherm in Abstimmung mit den Banken ein Sanierungsgutachten erstellen. Diese Expertenbewertung solle als Grundlage für weitere Gespräche mit den Geldhäusern dienen. Der Maschinenbauer war zum Jahresauftakt tief in die roten Zahlen gerutscht. Nach den ersten drei Monaten im laufenden Geschäftsjahr stand ein Reinverlust von 30,6 Millionen Euro zu Buche, im Vergleichszeitraum des Vorjahres hatten die Schwaben noch 12,2 Millionen Euro verdient. Bereits in der zweiten Hälfte 2011 hatte das Unternehmen rote Zahlen geschrieben.
Centrotherm leidet wie andere Unternehmen unter dem hohen Preisdruck in der Photovoltaikbranche. Aufgrund der weltweit hohen Überkapazitäten und der unklaren Entwicklung der Solarförderung, sind Investitionen wenig gefragt, viele Kunden können oder wollen diese auch nicht finanzieren. In den vergangenen Monaten mussten mehrere Solarhersteller hierzulande Insolvenz anmelden, darunter der frühere Marktführer Q-Cells. Am Mittwoch erst hatte die Dresdner Solarwatt bekannt gegeben, dass das Amtsgericht einer Sanierung in Eigenregie zwecks Vermeidung der Insolvenz zugestimmt habe.
Aktienkurs schon länger verfallen
Der Aktienkurs von Centrotherm hatte sich in der Krise lange Zeit noch gut gehalten. Während etwa der Kurs von Solarworld schon im Frühjahr 2009 endgültig in eine dauerhafte Talfahrt überging, konnte sich der Centrotherm-Kurs noch bis Mitte 2011 oberhalb der Marke von 24 Euro halten. Vor elf Monaten fiel die Unterstützung, seitdem ging es bergab, sieht man von einer zwischenzeitlichen Erholung zwischen November und März ab.
Derzeit rechnen Analysten im, Durchschnitt mit Verlusten von rund 40 Millionen Euro für das Jahr 2012. Nach der Meldung von Donnerstag könnten aber noch Anpassungen folgen.
Für Centrotherm geht es jetzt ums Überleben. Das zeigt sich nicht zuletzt an der Mitteilung, dass vor dem Hintergrund der laufenden Finanzierungsgespräche mit den Banken das Unternehmen offene Kredit- und Avallinien bis auf Weiteres nicht mehr nutzen kann. Solange die Konsolidierung der Branche nicht ein Ende gefunden hat, dürfte es aber schwer werden. Denn für Unternehmen in Krisenbranchen sind Finanzierungen schwer zu erhalten - gerade dann, wenn sie diese am nötigsten brauchen.