09.06.2008 · Verabschiedet hat sich das Ingenieurbüro BGI zu Höne Klußmann Altpeter wohl vom Stammgeschäft. Als Photovoltaik-Anbieter strebt man unter dem Namen BGI Ecotech jetzt zu neuen Höhen. Am Freitag betrug der Kursaufschlag mehr als 42 Prozent.
Manchmal ist es Zeit für einen Neuanfang. Das gilt wie anderenorts auch an der Börse. Wenn das angestammte Geschäft nicht mehr läuft und die Bemühungen um eine Wende nicht fruchten, muss man eben das Spielfeld und gegebenenfalls auch den Namen wechseln, um zu neuer Form aufzulaufen. Das gilt zumindest für den Aktienkurs der BGI Ecotech, die lange Zeit auf den Namen BGI zu Höne Klußmann Altpeter hörte, und diesen von den Namen der Gründer ableitete.
Gleich zwei Nachrichten verhalfen dem Kurs am Freitag zu einem Sprung von bis zu 80 Prozent, auch wenn am Tagesende davon nur rund 40 Prozent übrig blieben. Zum einen übernimmt BGI mit der Ralos Vertriebs GmbH ein Systemhaus im Bereich der Entwicklung, Planung, Bau und Betrieb hochwertiger Photovoltaikanlagen.
Altlasten saniert
Gestützt auf den erfreulichen Geschäftsverlauf der ersten fünf Monate des Jahres, plant man nun Umsätze im deutlich dreistelligen Millionenbereich zu erreichen und erwartet ein Betriebsergebnis im hohen einstelligen bzw. niedrigen zweistelligen Millionenbereich. Zum anderen beteiligen sich das Schweizer Beteiligungsunternehmen Cleantech Invest und andere Investoren wie die Mountain Super Angel und Sirius Venture Partners an BGI. Zudem wird man einer Kapitalerhöhung vornehmen.
BGI kam 997 an die Börse und war damit eine der ersten Umwelt-Aktien. Das Unternehmen bot damals vor allem Beratungsdienstleistungen bei Großprojekten, wie Brachflächenrevitalisierung, Bauvorhaben auf ehemaligen Industrieflächen oder der Modernisierung bestehender Industrieanlagen an und übernimmt das komplette Projektmanagement.
Man profitierte in den neunziger Jahren dabei vor allem von der umfassenden Altlastensanierung in den neuen Bundesländern und verzeichnete so das beste Jahr seiner Unternehmensgeschichte noch vor dem Börsengang. 1997 erreichte der Umsatz mit 11,8 Millionen Euro ein Maximum, 1996 der Jahresüberschuss mit 1,18 Millionen Euro. Danach schrumpfte der Umsatz bis auf 2,57 Millionen Euro im Jahr 2005.
Neuer Sonnenschein
Trotz eines Umsatzzuwachses auf 2,8 Millionen Euro im Jahr 2006 konnte ein Reingewinn zuletzt 1998 erzielt werden, allzumal sich der Jahresfehlbetrag auf rund 726.000 Euro nahezu verdoppelt hatte.
Im Sommer 2006 musste BGI bekannt geben, den Turnaround nicht erreicht zu haben, Mitte des Jahres warf Gründer und Alleinvorstand Stephan zu Höne das Handtuch und bis zum Jahresende rutschte die Notierung schließlich wieder auf 90 Cent ab.
Nachfolger Jürgen Laudenbach leitete dann durch die Fusion mit dem Darmstädter Photovoltaikanbieter Easy Natur die Wende vom Ingenieurbüro zum Solarunternehmen ein. Das gab auch dem Kurs, der sich schon zu Jahresbeginn leicht erholt hatte, wieder neuen Schwung und so konnte sich dieser bis auf drei Euro zum Jahresende 2007 erholen.
Zu Beginn des laufenden Jahres kam dann der Kurs richtig in Schwung, als das seinerzeit mir einer Marktkapitalisierung von rund acht Millionen Euro bewertete Unternehmen vorläufige, ungeprüfte Umsatzzahlen vorlegte, wonach dieser im Vorjahr um 75 Prozent auf rund 4,9 Millionen Euro gestiegen ist. Dabei entfielen 3,4 Millionen Euro auf Easy Natur, während das traditionelle Ingenieurgeschäft nur noch 1,5 Millionen Euro beisteuerte.
Warten auf Geschäftszahlen
Trotz des Kurssprungs wäre BGI im Vergleich zu den eigene Prognosen auch unter Einbeziehung der erneuten Kapitalerhöhung mit einer Marktkapitalisierung von rund 35 Millionen Euro sehr moderat bewertet.
Indes waren di9e Vorgängerunternehmen zuvor im Privatbesitz und unterlagen somit keiner Publizitätspflicht. Nach einer Mitteilung auf seinen Internet-Seiten setzte Ralos im Jahr 2006 34 Millionen Euro um. Auch BGI hat bislang zum letzten Mal für das Geschäftsjahr 2006 einen Bericht vorgelegt.
Insofern ist ein Investment in jedem Fall als spekulativ einzustufen. Kann BGI die nun geweckten Erwartungen wenigstens ansatzweise erfüllen, bliebe aber immer noch ein deutlicher Bewertungsspielraum, auch wenn Solar-Aktien nicht mehr ganz so gefragt sind wie früher. Risikofreudigere Investoren könnten insofern kleine Positionen aufbauen, konservative Anleger sollten erst einmal Geschäftszahlen, wenigstens für 2007, abwarten.
| Name | Kurs | Prozent |
|---|---|---|
| DAX | 6.788,80 | +0,59% |
| FAZ-INDEX | 1.515,08 | +0,60% |
| TecDAX | 773,23 | −0,05% |
| MDAX | 10.356,30 | +0,39% |
| SDAX | 5.020,58 | +1,11% |
| REX | 421,13 | +0,02% |
| Eurostoxx 50 | 2.522,34 | +0,37% |
| F.A.Z. EURO INDEX | 81,31 | +0,42% |
| Dow Jones | 12.890,50 | +0,05% |
| Nasdaq 100 | 2.563,93 | +0,72% |
| S&P500 | 1.351,95 | +0,15% |
| Nikkei225 | 9.002,24 | −0,15% |
| EUR/USD | 1,3284 | +0,01% |
| Rohöl Brent Crude | 118,69 $ | +0,71% |
| Gold | 1.748,00 $ | +0,11% |
| Bund Future | 137,23 € | −0,37% |